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Schlei-Bote

24. Oktober 2017 | 03:24 Uhr

Schwackendorf : Ein Rohstoff aus dem Meer

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die erste „Seegras-Messe“ in Schwackendorf war gut besucht. Im Zentrum stand die Frage, wie das Naturprodukt sinnvoll genutzt werden kann.

Zur „Seegras-Messe Angeln“ hatte Kristian Dittmann eingeladen. Und das Interesse war nicht nur bei der Fachtagung, sondern auch bei einem Tag der offenen Tür groß. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie das Seegras als Naturprodukt genutzt werden kann. Denn Seegras ist ein Rohstoff, den schon die Altvorderen nutzten. Das wiederzubeleben, ist das Anliegen Dittmanns, der sich im vergangenen Jahr mit seiner „Strand-Manufaktur“ im Barfußpark Schwackendorf selbstständig gemacht hat.

Dass er dabei nicht alleine steht, wurde schnell deutlich. Zu den Teilnehmern der Tagung gehörten Vertreter des „Klimabündnisses Kieler Bucht“, von „Geomar“ sowie „Artefact“ in Glücksburg ebenso wie Interessierte aus der Gemeinde Schönberg, aus Eckernförde, Gelting und Glücksburg. Es wurde deutlich, dass das an die Ostseestrände gespülte Seegras entfernt wird, um die Strände für die Besucher sauber zu halten. Doch dies kostet Geld. Dieter Schimmer aus Schönberg etwa berichtete, dass seine Gemeinde rund 25.000 Euro pro Jahr aufbringen müsse, um das Seegras von den Kurstränden zu entfernen. Bisher habe es glücklicherweise einen Landwirt gegeben, der nach vorhergehender Analyse das Seegras auf seine Felder aufbrachte. Inzwischen habe sich besagter Landwirt jedoch zurückgezogen, und da ergebe sich für die Gemeinde die Frage: Wohin mit dem Seegras? Was nicht nur Schönberg, sondern auch andere Küstengemeinden benötigen, seien klare Aussagen des Landes und juristische Abklärungen darüber, wie Seegras einzustufen ist. Von der Messe in Schwackendorf erhoffe er sich Anregungen für den Umgang mit dem Rohstoff, so Schimmer.

Hasselbergs Bürgermeister Hans-Heinrich Franke berichtete, dass bedingt durch die Strömungsverhältnisse am Strand „vor seiner Haustür“ – immerhin ein acht Kilometer langer Abschnitt –, weniger „Strandgut“ als andernorts angeschwemmt werde: Seegras, etwas Tang und Steine. Gereinigt werde maschinell, um den Besuchern einen sauberen Strand anzubieten – auch das gehe ins Geld. Andere Teilnehmer berichtete während der Fachtagung, dass sie Seegras bereits mit Erfolg nutzten, beispielsweise zum Mulchen im Garten.

Was die rechtliche Lage betrifft, sei eine verlässliche Grundlage mit klaren Regeln erforderlich. In dieser Bewertung waren sich viele Teilnehmer einig. Malte Busch vom Fachdienst Abfall und Bodenschutz des Kreises Schleswig-Flensburg zitierte aus dem Abfallgesetz. Vieles ist nach Ansicht der Tagungsteilnehmer nicht eindeutig, sondern Auslegungssache, manches mute widersinnig an. Solange Seegras am Strand liege, sei alles noch ganz einfach. Aber werde es aufgenommen, um sich dessen zu entledigen, müsse es auch entsorgt werden, sofern es nicht einem konkreten Verwendungszweck zugeführt werde.

Genau das ist es, was Kristian Dittmann will. Für das Jahr 2025 entwickelte er eine Vision: Angeln wird zur Modellregion Seegras, es gibt einen rechtlichen Rahmen für die Verwertung, es wird eine Seegras-Börse eingerichtet, Strände werden gepflegt wie Parks, die Bevölkerung erntet Seegras für den Eigenbedarf als Dünger oder Stopfwolle.

An die Adresse des Umweltministeriums gerichtet, machte sich Dittmann für Folgendes stark: Seegras müsse raus aus der Abfallverordnung, stattdessen sollte ein Leitfaden für den Umgang mit dem „Meeresprodukt“ erarbeitet werden, es müssten regelmäßig Analysen hinsichtlich eventueller Kontaminierung mit Fremdstoffen erfolgen. Auch müsse es die Erlaubnis einer ungeregelten Lagerung in Küstennähe geben.

Fest steht schon jetzt, dass es noch viel Klärungsbedarf gibt. Aber für Kristian Dittmann liegt auf der Hand, dass auf das Naturprodukt Seegas nicht verzichtet werden darf.

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