Kunsthaus Hänisch : Ein Revolutionär vor der Leinwand

<p>Dicker Farbauftrag: Christopher Lehmpfuhl malt mit den Händen.</p>
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Dicker Farbauftrag: Christopher Lehmpfuhl malt mit den Händen.

„Faszination Plein Air Malerei“: Christopher Lehmpfuhl stellt im Kunsthaus Hänisch aus.

shz.de von
16. Mai 2018, 07:00 Uhr

Für das, was Christopher Lehmpfuhl tut, reicht der Begriff „Malen“ kaum aus. Der Mann spürt seine Bilder, er ist ganz unmittelbarer Teil ihrer Entstehung, er erarbeitet sie sich. Pinsel? Nutzt er nicht. Atelier? Will er nicht. Leicht zu hantierende Formate? Irrelevant. Er selber nennt das „die Atmosphäre verinnerlichen und künstlerisch umsetzen“. Was genau das bedeutet, ist derzeit im Kunsthaus Hänisch zu sehen. „Faszination Plein Air Malerei“ heißt die Schau, unter der Christopher Lehmpfuhls Werke laufen. Und faszinierend trifft es ziemlich gut.

Es sind nicht sehr viele Bilder, die das Kunsthaus zeigen kann – ein Umstand, der der schieren Größe von Lehmpfuhls Arbeiten geschuldet ist. Mitunter sind es gerade mal vier Werke, die in einem Raum hängen – die aber haben es in sich. In einem für eine Eröffnung vielleicht etwas zu langen, aber gut vorbereiteten und äußerst inhaltsreichen Gespräch mit Alf Hermann, künstlerischer Beirat des Hauses, erläuterte Lehmpfuhl seine Arbeitsweise. Sich selbst offenbarte er dabei als sehr authentischen und bodenständigen Maler.

Zwei Dinge sind es, die Christopher Lehmpfuhl als Leitmotiv verinnerlicht hat: das Malen in der freien Natur und den ausschließlichen Einsatz seiner Hände als Malwerkzeug. In beiden Prinzipien ist er kompromisslos. „Was ich mache, hat immer auch mit dem Ort zu tun, an dem meine Bilder entstehen“, sagte er im Gespräch mit Alf Hermann. „Ich muss die Atmosphäre unmittelbar erleben.“ Das kann bedeuten, dass Lehmpfuhl Sand und 40 Grad Celsius aushält, dass er gegen stürmischen Wind und eisige Kälte kämpft. „Und nach neun Stunden bin ich auch schon mal total erstarrt.“ Trotzdem: Die Arbeit im Atelier ist keine Alternative: „Ich kann gar nicht nach einem Foto malen“, sagte Lehmpfuhl. „Das Bild würde ein völlig anderes werden.“

Weil er mit den Händen in die Farbe greift und sie anschließend auf die Leinwand aufträgt, spricht er selber eher von einem Modellieren mit Farbe, von einem Nachempfinden von Strukturen. Tatsächlich ist am Ende jedes seiner Bilder eine eigene Struktur. Farbaufträge ragen in den Raum hinein, seine Werke erhalten Tiefe, eine echte Dreidimensionalität. Wer dicht davor steht, sieht etwas Anderes als derjenige, der von weiter entfernt blickt. „Ich will weg von der Tradition“, sagte Christopher Lehmpfuhl anlässlich seiner Ausstellungseröffnung. „Ich will die Malerei revolutionieren, weil mir das klassische Tafelbild nicht ausreicht.“

Die Kunsthaus-Schau zeigt Lehmpfuhl-Bilder aus Indien und Australien, aus Schleswig und Berlin, Usedom und San Francisco. Erstmals ist seine Malerei kombiniert mit eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die seine Schwester Karena Collet von ihrem Bruder während seines Malprozesses gemacht hat. Und im Obergeschoss des Kunsthauses läuft zudem ein Film in Dauerschleife, der Christopher Lehmpfuhl auf Helgoland zeigt und einen ganz besonders intensiven Einblick in sein künstlerisches Tun erlaubt. Man sieht, wie er mal mit der Handfläche, mal mit dem Handrücken, mal mit einzelnen Fingern malt. Und man sieht, dass ihn das Kraft kostet, eine echte körperliche Anstrengung. Und was dabei herauskommt, ist nun wirklich kein klassisches Tafelbild. Es ist ein Mix aus Abstraktion und Realismus. Ein Erlebnis im Entstehen und Erblicken. Und damit ziemlich dicht dran an einer kleinen Revolution.


> Ausstellungsdauer bis 17. Juni

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