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Schlei-Bote

24. November 2017 | 06:50 Uhr

Kappeln : Ein Reisender in Sachen Kunst

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Ausstellungseröffnung im Kunsthaus Hänisch: Ingo Kühl zeigt bis September Malerei und Skulptur.

shz.de von
erstellt am 29.Jun.2015 | 07:30 Uhr

Ingo Kühl ist viel herumgekommen in seinem Leben. USA, Portugal, Neuseeland, Norwegen, Papua-Neuguinea, Cook-Inseln, Italien, Thailand – die Liste ließe sich fast beliebig lang fortsetzen. Gestern Vormittag ist der Weltreisende in Kappeln angekommen, bei seiner Vernissage im Kunsthaus Hänisch wollten ihn rund 45 Gäste „Auf dem Weg ins Unbekannte“ – so der Titel seiner Schau – begleiten. Sie erlebten einen gut gelaunten und sehr bodenständigen Künstler, dem augenscheinlich etwas daran lag, seine Bilder den Gästen zu erläutern – und das auf angenehm unverfälschte Weise.

Den Anfang machte allerdings Kunsthistorikerin Dr. Renate Fechner, seit einigen Monaten ehrenamtlich für das Kunsthaus tätig. Fechner räumte ein, die Arbeiten Ingo Kühls bislang nicht gekannt, auf ihrem ganz persönlichen „Weg ins Unbekannte“ jedoch „viel Schönes“ entdeckt zu haben. Ein Blick in Kühls Lebenslauf offenbart einen Mann mit einigen Talenten: Der Ausbildung zum Tischler und technischen Zeichner schloss sich erst ein Architekturstudium, dann ein Studium der Bildenden Künste an. Seit 1982 stellt der gebürtige Bovenauer regelmäßig aus und zwar in einem Maße, dass – so Fechner – „einem schwindelig wird“.

Die Ausstellung im Kunsthaus umfasst dabei einen großen zeitlichen Rahmen von Kühls Arbeiten, zu sehen sind Bilder vom Ende der 70er-Jahre bis heute. Die Schau lebt dabei in erster Linie, auch das führte Fechner aus, vom Gegensatzpaar Nord/Süd, genauer Nordsee und Südsee – ein Spannungsfeld, in dem sich der Weitgereiste ganz offensichtlich gerne und sicher bewegt. Und mit Bezug auf seinen beruflichen Werdegang sagte Renate Fechner: „Ingo Kühl hat sich mit seiner technischen Präzision und seiner logischen Klarheit eine Welt erschlossen, in der nichts gemessen werden kann.“ Vielmehr verzichte er auf einen perspektivischen Aufbau, häufig stünden formlose, fast immaterielle Gebilde im Fokus. Regelmäßig allerdings, das sollte Kühl selber später noch ausführen, bietet er dem Betrachter seiner Bilder eine kleine Orientierungshilfe: eine Horizontlinie, mal deutlich zu erkennen, mal gerade eben angedeutet, aber fast immer vorhanden. Und da, wo er darauf verzichtet, etwa bei seinem Bild „Bäume vor Himmel“ (1996), helfen jene Bäume in der unteren Bildecke, so etwas wie eine Perspektive zu entwickeln. Auffällig: Kühls Nordsee-Bilder prägen andere Farben als seine Südsee-Bilder. Renate Fechner spricht bei den Letztgenannten von einem „spezifischen Gebrauch von Licht und Farbe“. Tatsächlich machen Ingo Kühls Südsee-Eindrücke mehr Leuchtkraft, mehr Farbintensität aus – wie etwa das Bild „Vanuatu – The Sea IV“ (2012) mit ausgeprägtem Türkis, durchdringendem Blau und auffallendem Weiß. Fechner nannte das „Wasser zum Anfassen“. Ähnliches passt auch zu den „Bananenstauden“, die mit intensivem Gelb und sattem Grün strahlen.

Bei einem kurzen Rundgang machte der Künstler selber den Ausgangspunkt seiner jüngeren Bilder in der Natur fest – einen Weg, der er sich über die Jahre erarbeitet hat. Seine Bilder der 70er-Jahre sind im Surrealismus, also grob im Unwirklichen, verankert – so wie der „Sterbende Elefant“ (1979). Über die Entstehung gab Kühl eine kleine Anekdote preis: „Ich wollte gar keinen Elefanten malen. Aber am Ende sah es dann einfach so aus.“ Auch seine Architekturskulpturen, von denen im Kunsthaus einige aus Gips und Bronze stehen, lassen Analogien zur Wirklichkeit erkennen. Seinen eigenen Anspruch formulierte der Künstler so: „Ich möchte Architektur mit Malerei und Skulptur verbinden.“ Bis zum 13. September haben die Kappelner Gelegenheit, sich einen Eindruck davon zu verschaffen, ob das gelungen ist.


> Ingo Kühl: „Auf dem Weg ins Unbekannte“, Kunsthaus Hänisch, Schmiedestraße 53, mittwochs bis sonntags, 11 bis 17 Uhr

 

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