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200 Jahre Kleingärtnerverein : Ein privates Stückchen Eden

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Kappelner Kleingärtnerverein hat am Wochenende sein 200-jähriges Bestehen gefeiert. Daran soll künftig eine Ehrentafel an einer Traubeneiche erinnern.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2014 | 07:30 Uhr

Zwischendurch fühlte man sich tatsächlich um 200 Jahre zurückversetzt. Zwar zeigten sich die Kleingärten rund um das Vereinsheim in Neukappeln von ihrer blühendsten Seite, sodass nichts an deutlich weniger vielfältige Anfänge erinnerte. Aber ein paar Kostüme und ein erfahrungsgemäß glänzend aufgelegter Propst genügten, um die gut 150 geladenen Gäste am Sonnabendvormittag auf eine kleine Zeitreise mitzunehmen. Es ging zurück ins Jahr 1814, zur Geburtsstunde des deutschland- und vermutlich auch europaweit ersten Kleingärtnervereins. Am vergangenen Wochenende wurde das 200-Jahr-Jubiläum standesgemäß gefeiert.

Reinhard Samuelsen hatte allen Grund zur Freude: tolles Wetter, ein gut gefülltes Festzelt, fröhliche Stimmung – vor allem ein ganz besonderer Geburtstag. Der Vorsitzende des Kleingärtnervereins Kappeln hat seinen Verein in sein 200. Jahr geführt – eine Zahl, die beeindruckt und Samuelsen zu folgender These verleitete: „Kappeln ist nicht nur durch den Landarzt bekannt, sondern auch durch die Kleingärtner.“

Dass sie und die nicht unwichtigen Geburtshelfer ihres Vereins schon vor 200 Jahren tatsächlich eine beachtliche Weitsicht an den Tag gelegt hatten, erläuterte Kappelns Geschichts-Expertin Ursula Raddatz in einem äußerst informativen und gleichzeitig unterhaltsamen Kurzvortrag. Darin erinnerte Raddatz unter anderem an den Landgrafen Carl von Hessen, der stark auf das Wohl seiner Untertanen achtete und ihnen schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts Bauplätze plus Garten zur Verfügung stellte. Einige Jahre später tat es ihm Pastor Schröder nahezu gleich, als er 1812 zunächst in Lütjefeld 24 Gartenparzellen direkt verpachtete und zwei Jahre später das Scheunefeld in Kleingärten verwandelte. Der Unterschied: Er forderte die Kappelner auf, diese Zellen eigenverantwortlich zu verwalten. Wie das ausgesehen haben könnte, spielte Propst Helgo Jacobs als Pastor Schröder in sehr launigen Worten und Gesten nach. Eine Szene, die gerne hätte länger dauern dürfen.

Bürgermeister Heiko Traulsen erinnerte schließlich daran, dass im Grunde auch das Rathaus irgendwie auf die Kleingärtner zurückgeht, denn: „1869 wurde Parzelle 28 aufgehoben. Es entstand dort erst eine Schule und später das Rathaus“, sagte Traulsen. Noch heute sorgten die Kleingärten dafür, dass das Leben in der Stadt lebenswert bleibe. Er ging aber auch auf den seit Kurzem präsenten Kahlschlag in Neukappeln (wir berichteten) ein und sprach von einem „bedauerlichen Anblick“.

Dieter Schiller vom schleswig-holsteinischen Landesverband der Gartenfreunde brachte einen 1000-Euro-Scheck als Geburtstagsgeschenk mit – und einen Appell. „Selbstbewusste Kleingärtner können an der gesellschaftlichen Entwicklung teilnehmen“, sagte Schiller. Und mit Umwelt-Projekten für Senioren oder Schulklassen würden sie bereits erste Bande knüpfen. Auch Peter Paschke, Präsident des Bundesverbandes der Gartenfreunde, setzte auf den Faktor Nachhaltigkeit und wollte die Kleingärtnervereine als „starken, zuverlässigen Partner“ verstanden wissen. Er überreichte dem Kappelner Vorsitzenden eine Ehrentafel, die Vereinsnamen, Jubiläumsdaten und den Heiligen Christophorus trägt. Reinhard Samuelsen kündigte an, die Tafel am noch zu pflanzenden Jubiläumsbaum, einer Traubeneiche, anbringen zu wollen. Die Eiche soll einen Platz mitten in der Stadt nahe des Rathauses erhalten.

Dr. Lorenz Mainczyk setzte sich in einem inhaltsreichen Grußwort mit dem Bundeskleingartengesetz auseinander, zu dessen Kommentatoren er gehört. Mainczyk erinnerte daran, dass die Frage, ob das seit 1983 gültige Gesetz überhaupt nötig sei, innerhalb der Bundesregierung lange als umstritten galt. Dass es sich durchgesetzt habe, sei wichtig, denn: „Der wirtschaftlich Stärkere gewinnt immer, wenn es kein Gesetz gibt, das ihn in seinem Machtstreben in die Schranken weist.“ Eben dies sei durch das Bundeskleingartengesetz gelungen.

Propst Helgo Jacobs bezog sich schließlich in seinem Grußwort auf die Schöpfungsgeschichte und die ersten Gartenpächter Adam und Eva, die, weil sie sich nicht an Regeln hielten, prompt hinausbefördert worden aus ihrem Garten Eden. Es sei wichtig, Grenzen zu achten – „nicht nur im Garten, auch in Worten und Taten“, sagte Jacobs. Gleichwohl biete ein Garten die Möglichkeit, die Welt ein Stück mitzugestalten.

Die Kleingärtner jedenfalls haben ihre Welt am vergangenen Wochenende jedem, der mochte, geöffnet. Bei den öffentlichen Veranstaltungen wären ihnen ein paar mehr Besucher zu wünschen gewesen.

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