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Schlei-Bote

19. November 2017 | 08:03 Uhr

Originale : Ein Postbote für alle Fälle

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Seit 24 Jahren trägt Heinz Sakautzki Briefe und Pakete in Idstedt aus – und hat für seine Kunden immer ein Ohr.

von
erstellt am 26.Apr.2014 | 16:30 Uhr

  Sie sorgen nicht unbedingt für Schlagzeilen, sind aber in ihrer Heimat bekannt wie ein bunter Hund: In unserer Serie porträtieren wir gemeinsam mit der Fotografin Susanne Panozzo Menschen, die auf ihre ganz eigene Art unverwechselbar sind. Weil sie echte Typen sind – Originale eben.

Heinz Sakautzki ist ein Mann für alle Fälle. Egal ob Reifen oder Stoßstangen, Kaffeemaschinen oder Kaninchenställe – im Zeitalter des Internet-Einkaufens trägt der Postbote dem Kunden die Ware ins Haus. 30 bis 40 Pakete pro Tag bringt der 62-jährige Sakautzki in seinem Zustellbezirk Idstedt an den Mann oder die Frau. In der Weihnachtszeit sind es an die 120. „Das hat in den letzten Jahren immer weiter zugenommen.“ Und Sakautzki im vergangenen Jahr eine achtwöchige Krankheitspause eingebrockt. „Bei Biokatzensand habe ich mir einen Leistenbruch geholt“, erzählt der Postbeamte. „Das Paket hat bestimmt 35 Kilo gewogen.“ Eigentlich ist Sakautzki ja ein fröhlicher Mensch, aber das Wort „Biokatzensand“ spricht er betont verächtlich aus – und fügt an: „Das ist doch sowieso nur stinknormaler Sand gewesen.“

Dem Empfänger des Biokatzensands ist er dennoch nicht mehr böse. Sakautzki mag seine Kunden eben. Und die Idstedter mögen ihren Heinz, der ihnen nun schon seit 24 Jahren die Post bringt. Das ist eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass der „gelbe Riese“ seinen Angestellten immer mehr Flexibilität abverlangt. Aber Sakautzki hat sich seinerzeit mit Hilfe der Gewerkschaft zusichern lassen, dass er dauerhaft in Idstedt bleiben darf. „Das lag daran, dass ich schon älter war, als ich wieder bei der Post anfing.“

Zwar hatte der in Alt Bennebek geborene und in Bochum aufgewachsene Sakautzki im Ruhrgebiet bei der Post gelernt, war dann aber zur Bundeswehr gewechselt, als ihm sein Arbeitgeber bei seiner gewünschten Rückkehr nach Schleswig-Holstein keine Stelle anbieten konnte. Bereut hat er diesen Schritt keineswegs. „Ich war mit Leib und Seele Soldat“, sagt er. Aber nach zwölf Jahren als Zeitsoldat in Nordfriesland war Schluss, und er wechselte abermals die Uniform. Seit 1988 steckt Sakautzki wieder in der gelb-blauen Kluft der Deutschen Post. Zunächst trug er für je ein Jahr Briefe in Flensburg und Schuby aus, bis er schließlich in Idstedt landete.

Heute versorgt er 448 Haushalte. Vor ein paar Jahren ist sein Zustellbezirk um Teile von Neuberend und Nübel erweitert worden. Und auch die Belastung hat entsprechend zugenommen. Dem Vater zweier erwachsener Kinder, der mit seiner Frau in Treia lebt, bringt der Job jedoch noch immer Spaß. „Wenn ich den Wagen morgens vollgepackt habe und losfahre, bin ich mein eigener Herr“, sagt Sakautzki. Und dann nimmt er sich auch die Zeit zum Klönschnack. „Ich kann nicht nur moin und tschüss sagen. Dafür bin ich eben Zusteller im ländlichen Bereich.“ Auch nimmt er auf seiner Tour Pakete an, obwohl er das nicht muss. Manche Kunden haben sogar seine Handynummer. Wenn sie wichtige Post erwarten – „zum Beispiel das Bauernblatt“ – rufen sie an und fragen, wo er gerade steckt. „Dann kommen sie vorbei und holen sich die Post bei mir ab.“ Die gute alte Zeit sei aber vorbei, weiß der 62-Jährige. Früher, erzählt er, habe eine ältere Frau immer mit Kaffee und Kuchen auf ihn gewartet, wenn er kam, um ihr die Rente zu bringen. Die Altersbezüge werden längst nicht mehr in bar ausgezahlt. Der Postbetriebsassistent, so sein Dienstgrad, befürchtet, dass der persönliche Kontakt zwischen Briefträger und Kunde irgendwann ganz verloren geht. „Viele jüngere Kollegen haben bei der Arbeit Ohrhörer drin, nehmen um sich herum nichts wahr.“

In etwas mehr als zwei Jahren wird Heinz Sakautzki in Rente gehen. „Ich werde von den Kunden öfter gefragt, wann es soweit ist. Dann sage ich ihnen: Das erfahrt ihr per Wurfsendung.“

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