Kappeln : Ein Plädoyer für die Stadtsilhouette

Blick von der Schwansener Seite: Die erhöhte Häuserreihe (rechts) steht in der Straße Lusthof und trägt mit zum prägenden Charakter der Stadtansicht bei.
Blick von der Schwansener Seite: Die erhöhte Häuserreihe (rechts) steht in der Straße Lusthof und trägt mit zum prägenden Charakter der Stadtansicht bei.

Geplanter Neubau im Lusthof: Der Bauausschuss befürchtet eine deutliche Veränderung der Stadtansicht und spricht sich dagegen aus.

shz.de von
23. Juli 2015, 07:45 Uhr

Vorschriften können es gemeinhin deutlich erleichtern, bestimmte Entscheidungen zu treffen. Zumal im Baurecht. Kompliziert wird es, wenn keine exakten Regeln vorliegen, die eine Orientierung erlauben. Dann findet sich der Entscheider schnell im Reich der Abwägung wieder – so wie jetzt bei der jüngsten Bauausschusssitzung. Zur Diskussion stand eine Bauvoranfrage für einen Neubau im Lusthof, der sich optisch spürbar von den vorhandenen Bauten abgrenzt. Für den Ausschuss fanden sich am Ende keine Gründe, die Idee zu befürworten und ihr sein Einvernehmen zu erteilen. Vielmehr überwog die Sorge, das Stadtbild auf diese Weise nachhaltig zu verändern.

Der geplante Neubau im Lusthof stellte sich auf der Zeichnung als kubusförmiger Bau mit Staffelgeschoss dar, rund 40 Zentimeter niedriger als das Haus, das derzeit auf dem Gelände steht und das für den Neubau weichen sollte. Annette Kießig führte für das Bauamt aus, dass der Bau vor allem vom Hafen aus aufgrund der terrassenartigen Gestalt „sehr groß erscheinen“ würde. Ihre Annahme: „Wir müssen davon ausgehen, dass das nicht das einzige Haus in diesem Stil bleiben wird.“ Ihr selber lege derweil viel daran, „die Kleinteiligkeit“ im Lusthof zu erhalten.

Christian Andresen (SSW) nannte den Neubau „einen Klotz, der absolut nicht ins Gesamtbild passt“. Er plädierte dafür, dass sich das Gebäude in die Umgebung einfügen solle. Jedoch: Genau das tut es auch mit der aktuellen Planung. Wie Annette Kießig erklärte, definiert das Baugesetzbuch den Begriff „einfügen“ so, dass sich Art und Maß der baulichen Nutzung und Bauweise der näheren Umgebung anpassen. Im aktuellen Fall trifft eben das zu, unter anderem weil der Neubau insgesamt niedriger werden und wie die Nachbargebäude über zwei Vollgeschosse (plus Staffelgeschoss) verfügen würde. Kießig: „Einfügen würde es sich selbst mit einer anderen Dachform.“ Allerdings, auch das ging aus der Beschlussvorlage hervor, brächte der Neubau eine erhebliche Vergrößerung der Baumasse, also der Summe aller Rauminhalte, mit sich.

Karsten Poppner (CDU) nannte den Begriff „einfügen“ zunächst „schwammig“ und schlug danach in die gleiche Kerbe wie Andresen. „Der Bruttorauminhalt verdoppelt sich fast“, sagte Poppner. Sein Urteil: „Das passt nicht.“ Seine Parteifreundin Corinna Graunke griff den Gedanken möglicher Konsequenzen auf, als sie sagte: „Wir sollten bedenken, dass das an der Stelle Vorbildcharakter haben könnte und andere folgen könnten.“ Eben daran machte wiederum Poppner eine weitere Verkettung fest. „Die Folge wäre eine extreme Veränderung der gesamten Stadtsilhouette“, sagte er. „Das würde ich nicht wollen.“ Rainer Moll (SPD) plädierte derweil in die andere Richtung. „So viel Freiheit wie möglich und so wenig Einschränkungen wie nötig“, umriss er sein Motto. „Ich wäre dafür, das Risiko einzugehen.“ Etwas grundsätzlicher wurde Michael Arendt (LWG): „Wir sollten erstmal darüber nachdenken, was rechtlich möglich und zulässig ist.“

Einige wünschten sich indes genauere Vorgaben, um die Entscheidung zu erleichtern. Karsten Poppner machte sich etwa dafür stark, die Ortsgestaltungssatzung, deren Geltungsbereich ausgerechnet am Anfang des Lusthofs endet, auszuweiten. Und Lars Braack (SPD) äußerte wiederholt seinen Wunsch, einen Bebauungsplan für das Gebiet aufzustellen. Tatsächlich würde ein B-Plan zu mehr Sicherheit beitragen, allerdings hatte Annette Kießig die Kosten dafür bereits im Vorfeld mit 18  000 Euro kalkuliert. Und auch jetzt sagte sie: „Wenn Sie einen B-Plan haben wollen, müssen Sie mir auch sagen, woher das Geld dafür kommen soll.“ Eine Antwort darauf blieb aus, umso deutlicher fiel danach die Abstimmung aus: Sieben Gremiumsmitglieder versagten der Bauvoranfrage ihr Einvernehmen, ein Mitglied (LWG) erteilte es.

Weiteres in Kürze:

> Einstimmig empfahl der Ausschuss den B-Plan Nr. 78 „Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld“ als Satzung.

> In Kappelholz kann mit dem einstimmigen Einvernehmen des Ausschusses ein Anbau an einem Wohnhaus entstehen.

> Ebenfalls einstimmig fiel das Einvernehmen zu einer Abauvoranfrage für den Neubau eines Wohnhauses in Sandbek aus.

> Nur zur Kenntnis nahm das Gremium eine F-Plan-Änderung und den B-Plan Nr. 6 der Gemeinde Hasselberg für das Gebiet „Süderfeld II“. Dort wird die Wohnbaufläche erweitert.

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