Grödersby : Ein Mülleimer saugt den Hafen sauber

Bei Ostwindlagen schafft das Gerät in fünf Minuten bis zu 40 Litern Füllgut aufzunehmen. Fotos: Smit
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Bei Ostwindlagen schafft das Gerät in fünf Minuten bis zu 40 Litern Füllgut aufzunehmen. Fotos: Smit

Wassersportgemeinschaft nimmt in Grödersby „Seabin“ offiziell in Betrieb. Firma Wärtsilä stellt Anlage kostenlos zur Verfügung.

shz.de von
14. September 2018, 20:10 Uhr

Ein automatischer Abfalleimer, der schwimmenden Müll, Treibstoff, Öl und Reinigungsmittel aus dem Wasser aufnehmen kann: Gestern hat die Wassersportgemeinschaft (WSG) Arnis/Grödersby „Seabin“ in Betrieb genommen. Er war schon eine Weile erfolgreich im Hafenbecken getestet worden. Jetzt konnte sich der WSG-Vorsitzende Jürgen Fritz offiziell bedanken.

Besonders bei Ostwind sammle sich in der Ecke des Hafenbeckens eine ganz Menge Seegras, aber auch andere schwimmende Abfälle an, berichtet Hans-Dieter Sekunde. „Dann kann man den Beutel alle fünf Minuten leeren“, erklärt er. Das meiste sei zwar Seegras, also eigentlich Biomüll, aber gerade darin verfangen sich kleine Styroporkügelchen von Reusen und Fischernetzen, vermehrt aber auch andere kleinste Plastikteile. „Wenn man genau hinsieht, erkennt man die Partikel. Normalerweise würden sie nicht aufgefangen, aber sie bleiben im Seegras, in Federn und im Schaum hängen“, erklärt er.


Im Seegras verfangen sich kleinste Partikel

Bei Ostwind, den Eimer alle fünf Minuten leeren, das macht Hafenmeister Hans-Joachim Jensch. „Ein bis zwei Stunden, dann ist das Hafenbecken wieder sauber“, erklärt er. Jensch kümmert sich auch so um den saugenden Mülleimer, den er liebevoll „Schlürfi“ nennt. Er stellt ihn an und aus, putzt und wartet ihn. „Das Ausleeren soll irgendwann mal jeder übernehmen, der zufällig dran vorbeigeht und sieht, dass er gerade voll ist, aber daran arbeiten wir noch“, sagt er und lacht.

„Seabin“ wird der WSG kostenlos von der finnischen Firma Wärtsilä zur Verfügung gestellt. Wärtsila ist einer der führenden Hersteller von Schiffsantrieben und Navigationslösungen für die Großschifffahrt. Armin Fuchs arbeitet für Wärtsilä Deutschland und ist Mitglied im WSG. „Als er im Mai mit der Idee zu mir kam, waren wir gleich überzeugt. Für Wassersportler ist eine heile und saubere Umwelt das Fundament. So kam die Kooperation mit Wärtsila zustande“, erklärte der WSG-Vorsitzende Fritz. Zur Übergabe war auch Matthias Becker von Wärtsila zu Gast. „Das Plastikproblem in den Meeren besteht in der ganzen Welt“, sagte er. Einer Prognose nach wird im Jahr 2050 dem Gewicht nach mehr Plastik als Fische in den Weltmeeren schwimmen. Dem wolle auch Wärtsilä entgegenwirken. Das Unternehmen habe die Idee zweier australischer Surfer aufgenommen, spende die „Seabin“-Anlagen und möchten sie weltweit unterbringen. Die in Grödersby sei in Deutschland die erste, eine weitere sei in der Alster in Hamburg geplant. „Aber ich freue mich, dass wir hier, wo dieses akute Mikroplastik-Problem besteht, eine Anlage haben.“ Er bedankte sich bei Fritz und lobte das Engagement und die Eigeninitiative. Die WSG sorgte selbst bereits für eine Tag-Nacht-Steuerung und einen eigenen Ponton für „Schlürfi“. An einer Steuerung, die die Windrichtung berücksichtigt, wird noch gefeilt.

Die „Seabin“-Pumpe anschmeißen durfte gestern Grödersbys Bürgermeister Helmut Andresen. „Dass der Umweltgedanke bei der WSG hoch im Kurs steht, ist bekannt“, sagte er. Aber besonders die Tatsache, dass die erste Anlage an der Schlei in der Gemeinde Grödersby in Betrieb genommen wird, freute ihn: „Ich hoffe allerdings, dass noch viele hier mitmachen werden, schließlich haben wir hier ein großes Problem, das viel zu spät erkannt wurde.“ Er wies auf die Kläranlage in Schleswig hin und bedauerte ausdrücklich, dass zu diesem für ihn Weg weisenden Termin niemand von der Unteren Naturschutzbehörde gekommen war. „Das ist wirklich sehr schade.“

Der SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Rolf Wrobel lobte die Aktion als richtig gut und sinnvoll. Er wolle die Anschaffung solcher Anlagen auch den anderen Fraktionsvorsitzenden vorstellen. Der WSG-Vorsitzende lud im Anschluss noch zu einem Imbiss ein.

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