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Klaus Fussmann : Ein Maler, der Ostangeln liebt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Ein Atelierbesuch bei Klaus Fußmann in Düstnishy: In seinem neuesten Pastellbild fängt er die Sommerhitze ein.

„Der Mais ist schon über drei Meter hoch. Er versperrt uns die Sicht auf die herrliche Landschaft.“ Der seit 30 Jahren in Düstnishy in Gelting beheimatete Maler Klaus Fußmann zeigt bedauernd auf das in Südrichtung unmittelbar an sein Grundstück grenzende grüne Dickicht. Er kann sich nicht damit anfreunden, „dass die Großbauern von heute zu reinen Geschäftsleuten geworden sind“. Doch in der Rückschau ist er jener alten landwirtschaftlichen Garde dankbar, die früher die Kulturlandschaft geschaffen und bewahrt hat. Das traditionelle Bauerntum habe sich zudem um den Erhalt der Natur verdient gemacht, ergänzt der 76-Jährige, der aus dem rheinländischen Velbert stammt.

Dass auch ihm das Wohl der Natur und Landschaft am Herzen liegt, hat einen plausiblen Grund: Die Region Ostangeln ist sozusagen die Tankstelle für seine künstlerische Inspiration. Fußmann räumt ein: Sein bisheriges Leben und Schaffen wäre ohne die Entdeckung der Geltinger Idylle – ein reetgedecktes Wohnhaus am Waldesrand – in ganz anderen Bahnen verlaufen.

In seinem Atelier in Düstnishy entstehen an einem langen Arbeitstisch seine Werke, vor allem die großen Ölgemälde. Sogar mitten in der Ferienzeit betätigt sich Klaus Fußmann als nimmermüder Motivsammler. Mit dem Skizzenblock ist er fast täglich unterwegs, an der Ostangelner Küste und im „grünen Hinterland“. Manche Bilder entstehen dabei gleich an Ort und Stelle. Jüngstes Beispiel: In Küstennähe hat er erstmals den Versuch gewagt, mit Pastellfarben die große Hitze sichtbar zu machen: Winzig kleine Punkte, sprich Pigmente, breiten sich dabei wie ein feiner Schleier über der von Einzelbäumen dominierten Landschaft aus. Diese neueste, im Stil an den Impressionismus erinnernde Arbeit betrachtet der Maler als Experiment. Denn ganz ungewohnt für sein Spätwerk ist die hier erkennbare Nähe zur Gegenständlichkeit. Klaus Fußmann ist und bleibt ein Suchender, der die Sehgewohnheiten der Menschen verändern möchte. Der abstrakten Malerei gibt er aus heutiger Sicht keine großen Überlebenschancen, weil dieser Malstil zu sehr dem Unverbindlichen verhaftet sei.

Ausführlich spricht er über sein aktuelles Schaffen und seine künstlerische Intention. In der gegenwärtigen Werkphase bevorzugt der Kunstschaffende in seinen Ölgemälden eine aus mehreren Farbschichten bestehende Materialfülle. Egal, wie groß er sein Format gewählt hat: Bisweilen über einen Zentimeter dicke Spachtel- und Pinselspuren werden sichtbar. Und von den aus der Natur stammenden Motiven bleiben nur Versatzstücke übrig. Identifizieren lassen sich schemenhaft Felder und Blumen, Bäume, Häuser, das Meer. Seine Farblandschaften verlassen bewusst die realen Vor-Bilder, gleichen einer Reduzierung des Erkennbaren auf das Wesentliche, auf eine bisher unbekannte Dimension. In vielen Werken thematisiert er die Vergänglichkeit, modelliert Landschaften und nutzt dafür die Kraft der Farben. „Keine Tinte ist so blau wie der Rittersporn und kein Feuer so rot wie die Geranie“, davon ist er überzeugt.

Beim „Open-air-painting“ schauen ihm gelegentlich Neugierige über die Schulter. Einer von ihnen verfolgte unlängst am Waldesrand Fußmanns Arbeit rund eine halbe Stunde lang, hielt den Künstler offenbar für einen Hobbyisten und sagte zum Abschied: „Ich wünsche Ihnen weiterhin einen schönen Urlaub.“

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