Schleswiger Stadtmuseum : Ein Liebhaber skurriler Tierarten

„Giraffen“: Dieses Bild ist eine der jüngsten Arbeiten von Hans-Ruprecht Leiß und entstand erst in diesem Jahr.
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„Giraffen“: Dieses Bild ist eine der jüngsten Arbeiten von Hans-Ruprecht Leiß und entstand erst in diesem Jahr.

Das Schleswiger Stadtmuseum zeigt einen Querschnitt durch das Schaffen des Flensburger Malers und Grafikers Hans-Ruprecht Leiß.

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13. Dezember 2014, 13:30 Uhr

Für den blutjungen Museumsdirektor Holger Rüdel endete die erste Begegnung mit Hans-Ruprecht Leiß mit einer Enttäuschung. Das war 1984. „Als ich ihm eine Ausstellung mit seinen Bildern anbot, gab er mir einen Korb – ihm schwebte ein größerer Rahmen vor“, erinnert sich Rüdel, der 30 Jahre später noch immer das Schleswiger Stadtmuseum leitet – und dabei inzwischen offenbar mehr Erfolg hat als damals – jedenfalls was das Werben um Leiß betrifft. Jetzt wurde in der Halle, in der noch bis vor wenigen Wochen die Unterwasserfotografien David Doubilets zu sehen waren, die neue Ausstellung mit dem Titel „Die fabelhafte Welt des Hans-Ruprecht Leiß“ eröffnet. Kaum ein anderer Gegenswartskünstler aus der Region ist im nördlichen Schleswig-Holstein so bekannt wie Leiß. Seine farbenfrohen Bilder – irgendwo zwischen Surrealismus und Wimmelbildchen – haben einen großen Wiedererkennungswert.

Hans-Ruprecht Leiß stammt aus Husum und lebt in Flensburg. Dass nun zu seinem 60. Geburtstag das Schleswiger Stadtmuseum einen Querschnitt durch sein Werk präsentiert, das sei dennoch alles andere als Zufall, betont Holger Rüdel. Denn mit dem Künstler verbindet ihn weit mehr als nur ein gescheitertes Ausstellungsprojekt aus der Zeit, als Leiß sein Brot noch als Lehrer in Nordfriesland verdiente und noch nicht von seinen Bildern leben konnte.

1990 zeigte Leiß seine Bilder schließlich doch noch im Schleswiger Stadtmuseum, und dank eines Tipps von Rüdel interessierte sich auch der Rheinische Kunstverein in Aachen für den Maler und Grafiker aus dem hohen Norden und verlieh ihm 1993 einen renommierten Preis. Kein Zufall also auch, dass bei der jüngsten Ausstellungseröffnung der langjährige Vorsitzende des Rheinischen Kunstvereins, Hans-Werner Schmidt, die Festrede hielt und in ihr von der poetische Ausstrahlung der Bilder sprach und von einer „Mischung von Ernst und Humor, die nicht vor grotesken Szenen, surrealer Natur, Fabeln und Märchen zurückschreckt“.

Auch Leiß selbst hat zu seiner Kunst einiges zu sagen. Zum Beispiel, dass die Ausstellung zwar Arbeiten aus vielen Jahren versammle, aber keine Retrospektive sei. „Das ist auch gar nicht möglich.“ Zu weit in alle Himmelsrichtungen zerstreut scheinen ihm seine Bilder inzwischen. Ein Querschnitt sei es aber allemal, was jetzt in Schleswig versammelt ist. „Die Ausstellung zeigt viele Facetten meiner Arbeit.“ Und diese ist vielfältig. Da ist zum Beispiel ein Ozeanriese, der durch ein Rapsfeld zu gleiten scheint. Solche Bilder kennt man vom Nord-Ostsee-Kanal. Dann aber auch antike Ruinen aus Griechenland. Ein Stillleben mit Obstkörben auf einen Motorrad. Und immer wieder Tiere. Giraffen, Nashörner, Affen und Fische. „Skurrile Tiere inspirieren mich“, sagt Leiß. „Die Natur ist das Perfekteste, was es gibt.“ Und leider sei sie in Gefahr. Aussagen zur Umweltpolitik, betont er, möchte er mit seinem künstlerischen Schaffen nicht treffen. Aber: „Die Tiere auf meinen Bildern gucken nicht fröhlich. Dazu haben sie keinen Grund. Ich bin ein Natur-Melancholiker.“


> Die Ausstellung im Stadtmuseum ist bis zum 15. Februar zu sehen: dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Führungen an drei Sonntagen, 14. Dezember, 18. Januar und 1. Februar, jeweils um 15 Uhr.

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