Kappeln : Ein Lebenstraum auf vier Rädern

Ludger Ohlendorf in seinem Mercedes W110, Baujahr 1966. Der Wagen ist nur etwas jünger als der Eigentümer selbst.
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Ludger Ohlendorf in seinem Mercedes W110, Baujahr 1966. Der Wagen ist nur etwas jünger als der Eigentümer selbst.

Ludger Ohlendorf hat sich einen 1966er Mercedes aus Süddeutschland geholt.

shz.de von
18. August 2018, 07:00 Uhr

Die weiße Heckflosse steht im Köllnerfeld auf der anderen Seite der Schlei. Die Rede ist von einem Mercedes, Baujahr 1966. Fahrzeuge dieses Typs gehörten damals der gehobenen Mittelklasse an. Seit zwei Monaten ist Ludger Ohlendorf Eigentümer dieses Oldtimers. Und er hat für 2019 einen Plan: „Ich will Hochzeitsfahrten in Kappeln anbieten.“

Ohlendorf hält sich selbst nicht für den geborenen Geschäftsmann, versuchen will er es trotzdem. „Eine Freundin von mir wollte 2017 in einem uralten VW Käfer nach der Trauung gefahren werden, da haben wir jemanden aus Hamburg aufgetrieben, der das angeboten hat. Die vier Stunden haben rund 700 Euro gekostet. Da dachte ich: Es gibt einen Bedarf“, erinnert sich der Mann aus Winnemark. Ohlendorf, früher bei den Kappelner Werkstätten Abteilungsleiter und mittlerweile wegen einer Erwerbsminderung in Frührente, hat sich den Oldtimer allerdings nicht wegen der Idee mit den Hochzeitsfahrten angeschafft. „Eher ein Lebenstraum“, stellt er klar. Schon als junger Mann habe er mit einem Kumpel in genau so einem Mercedes Fahrten bei lauter Rockmusik unternommen. Die Zeit sei reif gewesen, das Gefühl aufleben zu lassen und das Projekt in die Tat umzusetzen.

Den Wagen fand er im Internet. Allerdings nicht um die Ecke. „Der frühere Besitzer wohnt in München. Ich habe mich in den Zug gesetzt, hatte die Kaufsumme in kleinen Scheinen bar in der Tasche und bin nach Bayern aufgebrochen“, erklärt der gebürtige Bochumer. Da der Mann in München einen soliden Eindruck vermittelte, den Wagen bereitwillig auf der Hebebühne zur genauen Ansicht bereithielt und vor den Augen von Ohlendorf noch einen Ölwechsel machte, kam der Deal zustande. „Zudem ließ er mich mit seinen Nummernschildern wieder zurück an die Schlei fahren“, so Ohlendorf. Ein bisschen Ahnung von Autos hat der Mann aus dem Köllnerfeld natürlich auch: „Ich habe früher mal Feinmechaniker gelernt, bin handwerklich nicht ganz unbegabt“, stellt er fest. Was demnächst dazu führen wird, dass er das originale Beckerradio im Auto um einen CD-Spieler und moderne Lautsprecher erweitern will. „Musik ist mein Hobby. Ich spiele Schlagzeug, Klavier, Gitarre, war früher in einer Band. Da gehört Bob Marley schon in den Mercedes“, so Ohlendorf.

Alles andere bleibt wie es ist. Das Schiebedach funktioniert, die Antenne fährt elektrisch aus, einen Satz Winterreifen hat er ebenfalls. Wird ihn aber nicht brauchen. Ohlendorf: „Im Winter kommt der Oldtimer in die Garage.“ Dann fährt er wieder seinen alten Ford, der ihn von A nach B bringt. Die „Kleine Heckflosse“ sollte bei den jetzigen Temperaturen also den September in jedem Fall noch dienlich sein. „Manchmal fahre ich nur einkaufen, hole einen Liter Milch und freue mich über die Lenkradschaltung“, so der Oldtimer-Fan. Der 54-PS-Diesel schluckt nur sechs bis sieben Liter Treibstoff und kostet keine Unsummen an Versicherung und Steuern.

Gibt’s denn gar keinen Haken an dem 52 Jahre alten Wagen? Ohlendorf: „Das Lenkrad ist sieht aus wie Elfenbein, ist aber nur Bakelit.“ Ohlendorf schmunzelt, setzt seinen Hemingway-Hut auf, sich selbst hinters Steuer und biegt ab Richtung Arnis zur Fähre. Wenn der Motor kalt ist, muss er vorglühen. Ohlendorf: „20 Sekunden für die Ewigkeit.“

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