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Karbyer in Afrika : Ein Leben für den Frieden

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Stefan Friedrichsen ist ein waschechter Karbyer Jung und seit 24 Jahren für den Frieden in Afrika im Einsatz.

shz.de von
erstellt am 04.Jun.2015 | 07:30 Uhr

Simbabwe – seit 35 Jahren führt der 91-jährige Diktator Robert Mugabe das Zepter in dem Binnenstaat Südost-Afrikas. Neben Arbeitslosigkeit, Hunger und Armut ist politisch motivierte Gewalt ein großes Problem. Inmitten der menschenrechtlichen wie politischen Unsicherheiten befindet sich ein Karbyer, der im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) seinen Beitrag zum Frieden in Simbabwe leisten will: Stefan Friedrichsen.

Geboren in Eckernförde und aufgewachsen in Karby kopierte Friedrichsen schon als Kind Landkarten aus dem Atlas. „Meine Mutter erzählte mir, dass ich schon damals davon sprach, Entwicklungshelfer zu werden“, erzählt der heute 48-Jährige. Nach einer Ausbildung zum Elektrogerätemechaniker verschlägt es Friedrichsen im Alter von 25 Jahren zum ersten Mal in den Sudan. Dort ist er 18 Monate als Ausbilder und Entwicklungshelfer des „Deutschen Entwicklungsdienstes“ (DED) in einem Berufsbildungszentrum tätig. Nach dem anschließenden Studium des Sozialwesens ist Friedrichsen seit 2001 für den DED und den „Zivilen Friedensdienst“ im Einsatz. Von der Bundesregierung gefördert, hat es sich der „Friedensdienst“ zur Aufgabe gemacht, Konflikte weltweit ohne militärische Mittel einzudämmen und die zivile Bevölkerung dabei zu stärken.

Von 2007 bis 2011 fungierte Stefan Friedrichsen in Uganda als Berater für verschiedene NGOs (nichtstaatliche Organisationen). Dort trainierte er nicht nur Studenten der Makerere Universität in Konfliktbearbeitung, erklärt der Diplom-Sozialpädagoge. „In einer Konfliktregion an der Grenze zum Kongo haben wir mittels Radioprogrammen die Rebellen dazu bewegen können, ihren bewaffneten Kampf aufzugeben und aus dem Busch zu kommen“, sagt er. Im Libanon organisierte der Karbyer Begegnungen zwischen Muslimen und Christen. Aber er weiß: Seine Arbeit ist nicht ungefährlich. „An manchen Tagen konnte ich mein Haus in Beirut nicht verlassen, weil sich in den Straßen bewaffnete Gruppen Schusswechsel lieferten“ berichtet er.

Seit einem Jahr ist der Vater von drei Kindern im ehemaligen Südrhodesien, heute Simbabwe, als Entwicklungshelfer tätig. „Ich führe mit Parlamentariern der simbabwischen Regierung Gespräche und schaue dabei immer wieder mit der Friedensbrille auf die Themen, um zu prüfen, ob diese Diskussionen, Gesetzentwürfe und Bewegungen zum Frieden beitragen oder Konfliktpotenzial haben“, erklärt Friedrichsen. Höhepunkte seines Einsatzes für den Frieden seien die Menschen, „die mir bei meiner Verabschiedung in Uganda sagen, dass ich einen Unterschied gemacht habe. Menschen, denen man geholfen hat und die man ermutigt, einen Weg zu gehen, der schwerer ist als Konflikte mit Gewalt zu lösen. Das sind die wahren Erfolge meiner Arbeit“.

Trotzdem zehrt die Entwicklungsarbeit auch an seinen Kräften – immer wieder Menschen unter schrecklichen Bedingungen in Flüchtlingslagern zu sehen, Schießereien auf der Straße, die permanente Armut oder Entführungen von Kollegen. Doch die Rückschläge motivieren Stefan Friedrichsen dazu, weiterzumachen. „Genau deswegen bin ich hier, weil ich daran etwas ändern möchte“, sagt er. Mit seiner Frau Stefanie Pollender und den zwei Kindern lebt Friedrichsen in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe. Sein zehnjähriger Sohn Jamil besucht die internationale Schule in Harare, Tochter Naila (3) geht dort in den deutschen Kindergarten. Friedrichsen: „Wenn man Jamil fragt, was Heimat für ihn ist, sagt er: Die Welt. Das finde ich sehr global.“

In Deutschland hat Stefan Friedrichsen seit 2001 keinen festen Wohnsitz mehr. „Mit Ausnahme von ein paar Bananenkartons bei meinen Eltern in Karby habe ich hier nichts mehr.“ Die Arbeit in Entwicklungs- und Konfliktländern verändere den Blick auf die eigene Gesellschaft. „Arbeitslosenversicherung oder Rente, so etwas gibt es in anderen Ländern ja nicht. Man sieht Deutschland aber auch kritischer, was Handel oder Rohstoffe angeht. Und wenn deutsche Waffen in Konflikten in Uganda und im Libanon eingesetzt werden, denke ich, dass etwas schief läuft.“

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