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Plein Air 54 Grad Nördliche Breite : Ein Kunsterlebnis im Freien

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das St. Nicolaiheim Sundsacker richtet ein dreitägiges Festival im August aus. Das Programm sieht Workshops, Musik und Literatur vor.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2017 | 08:00 Uhr

„En plein air“ – „im Freien“: Mit diesem Siegel tritt das erste Kunst- und Künstlerfestival an der Schlei an. Und dabei ist dieses Vorzeichen des Freien durchaus doppeldeutig zu verstehen. Zum einen findet das dreitätige Ereignis tatsächlich – und sofern das Wetter mitspielt – unter freiem Himmel, in der freien Natur, frei von äußeren Zwängen statt. Zum anderen versteht es sich als frei zugänglich für alle Interessierten, unabhängig von Alter, von künstlerischer Vorkenntnis, vor allem von möglichen körperlichen Einschränkungen. Oder wie es Dr. Christina Kohla, die künstlerische Leiterin des Festivals, beschreibt: „Unser Ziel ist ein aktives Miteinander mit Menschen, die Lust auf Kunst und ein Erlebnis haben.“

„Plein Air 54 Grad Nördliche Breite“ – so lautet der vollständige Titel des Festivals, vom 4. bis 6. August soll sich unter dieser Überschrift in Winnemark auf dem Gelände der Albert-Schweitzer-Schule und des Unternehmens Event Nature so etwas wie ein Kunstparadies entwickeln. Das zumindest wünschen sich Christina Kohla und der Ausrichter, der Verein St. Nicolaiheim Sundsacker, Träger der Albert-Schweitzer-Schule. Und die drei Tage Anfang August sind vollgepackt mit Workshops, Aktionen, Musik, Ausstellung, Bühnenprogramm – gute Voraussetzungen also, um das Kunstparadies Wirklichkeit werden zu lassen.

Den Kern bilden dabei 16 Workshops, die am zweiten Festivaltag stattfinden. Acht Künstler aus Flensburg, Kiel, Hasselberg, Arnis, Berlin, Tolk und dem dänischen Veflinge bieten Kurse mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten an – angefangen bei Fotografie über Ölmalerei und chinesische Tuschmalerei bis zum Comic. „Es geht darum, die künstlerische Vielfalt zu zeigen und sie mit unterschiedlichen Menschen zu gestalten“, sagt Christina Kohla. Und tatsächlich findet sich unter den Workshop-Veranstaltern sowohl der 57-jährige renommierte Maler als auch der 17-jährige Schüler. Sie alle eint die Freude an der Kunst, den Wunsch, diese Freude mit anderen zu teilen und sicherlich auch ein ausgeprägtes Talent. „Uns war wichtig, Leute zu finden, die mit ihrer Kunst am Puls der Zeit sind“, sagt Kohla. „Die eine echte künstlerische Position einnehmen.“ Und das kann ein Maler mit professioneller Ausbildung ganz offenbar genauso gut wie eine Hobbykünstlerin mit ausgeprägten Ambitionen.

Der vielfältige Ansatz, setzt sich derweil auch im Rahmenprogramm fort: Rap, Poetry Slam, Jazz, eine Gruppe, die Christina Kohla als „Boyband aus Schuby“ ankündigt. Ein Musiker sitzt im Rollstuhl, ein anderer verfügt nur noch über ein geringes Hörvermögen. „Das sind Künstler, die vielleicht woanders ausgegrenzt werden“, sagt Kohla. „Wir haben sie engagiert.“ Und während die Workshops eine Teilnahmegebühr von 20 Euro pro Person erfordern, ist das komplette Drumherum kostenlos zu erleben und soll ausreichend Platz für Spontaneität lassen. Die künstlerische Leiterin verbindet damit ein ganz besonderes Anliegen. „Kunst ist nicht elitär“, sagt Kohla. „Man kann sie fühlen, sie sich angucken und entweder, man wird davon angesprochen oder eben nicht. Bei unserem Festival kann man sich auf genau dieses Erlebnis einlassen.“

Möglich macht dieses Erlebnis, neben etlichen Sponsoren, zu denen unter anderem der Profundus-Kulturverein gehört, eigentlich der Autor Arnd Rüskamp. Corinna Graunke, Vorstandsmitglied des Kulturvereins, nennt Rüskamp den „Ideengeber“, der seinen Buch-Gedanken, in dem ein Plein-Air-Festival eine Rolle spielt, zunächst an die Ostseefjord-Schlei GmbH herangetragen hatte, ehe er über Graunke bei Christina Kohla landete. „Als Autor hatte er diese Geschichte im Kopf und gleichzeitig die Idee, solch ein Festival wirklich stattfinden zu lassen“, sagt Graunke. Der Clou: Arnd Rüskamp wird sein fertiges Buch anlässlich der Festival-Eröffnung am späten Nachmittag des 4. August bei einer Premieren-Lesung vorstellen.

Und auch sonst soll das Festival viel von seiner Atmosphäre leben. Strohmöbel, große Wiese, regional geprägtes Essen, Lagerfeuer, eine Bühne direkt an der Schlei, Grillen am Ufer, Shuttle von Kappeln sowie von Arnis nach Sundsacker und – um der Barrierefreiheit gerecht zu werden – Rampen, Beschilderung und anderweitige Hilfestellung bieten. Christina Kohla betont: „Wir bemühen uns darum, dass ein Rollstuhlfahrer jeden Veranstaltungsort erreichen kann.“ Auf diese Weise nämlich könnte – neben Ausführenden und Inhalten – auch die Besucherschar ihren Teil zur Vielfalt der Veranstaltung beitragen: Indem ihnen die Chance geboten wird, auch mit körperlichen Einschränkungen am Festival mitzuwirken und sie diese Chance auch wahrnehmen. Kohla nennt das die „Möglichkeit der unmittelbaren Begegnung und des Austauschs“.

Die soll übrigens auch Kindern geboten werden, indem das Festival sogenannte Kidsrooms bereithält. Basteln, malen, Wasserspiele, Kreatives mit Lehm, Schere und Papier – für die jüngsten Besucher sollen so ganz eigene Kunsträume entstehen. Und auch Erwachsene können spontan und außerhalb eines Workshops künstlerisch tätig werden, sollten dafür nur eigenes Material mitbringen. „Wir wünschen uns, dass sich die Besucher gegenseitig beflügeln und inspirieren und sich so ganz von selbst Gruppen zusammenfinden, um Kunst zu machen“, sagt Christina Kohla. Und um am Ende aus einer Idee für ein Buch tatsächlich das ganz große Erlebnis zu machen.

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