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39. Kappelner Heringstage : Ein König von Gottes Gnaden

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

105 Wetter schätzen das Gewicht des Tagesfangs. Nadine Vorbringer und Gerhard Ulrich lagen am dichtesten dran.

Ein Bischof wird König – wo gibt’s denn sowas? Das gibt es nur bei den Kappelner Heringstagen. Gestern wurde das Spektakel rund um den beliebten Speisefisch zum 39. Mal eröffnet und das neue Königspaar proklamiert. Nadine Vorbringer und Gerhard Ulrich haben die Regentschaft für das nächste Jahr übernommen.

Mit der Heringswette beginnen die vier heißen Tage in der Schleistadt traditionell. Bei Sonne und einer kräftigen Brise fuhren die Wetter gestern vormittag auf dem Zweimastschoner „Gotland“ und dem Seenotrettungskreuzer „Nis Randers“ Richtung Heringszaun, wo Mitarbeiter des städtischen Bauhofs – wie gewohnt mit Hund – das Netz mit dem Tagesfang aus dem Wasser ins Ruderboot hievten.

„Damit haben wir in diesem Jahr erstmalig die Marke von 100 überschritten“, erklärte Dieter Clausen, Vorsitzender des Verschönerungsvereins: 105 Wetter hatten ihren Tipp abgegeben und versucht, zu schätzen, wie viel Pfund Hering im Netz hingen. Der Erlös aus dem Verkauf der Teilnahmescheine kommt dem neuen Heringszaun zugute. 102 Pfund wäre die richtige Lösung gewesen, Nadine Vorbringer lag mit 99 Pfund bei den weiblichen Wettern am nächsten dran. „Mir fehlen die Worte – das war so nicht geplant“, sagte die 38-jährige Kappelnerin. Sie hat in diesem Jahr das erste Mal mitgeschätzt – ihr Mann hatte sie angemeldet. Vorbringer arbeitet bei einer Krankenkasse, ist in Kappeln vor allem durch ihr Turnangebot „Babys in Bewegung“ in einer Hebammenpraxis bekannt. Über ihr Anfängerglück war sie ehrlich erstaunt. „Ich lass mich überraschen, was auf mich zukommt“, sagte sie lachend.

Noch näher dran am richtigen Schätzergebnis war der neue König: Gerhard Ulrich lag mit 103 Pfund nur 500 Gramm daneben. Der Landesbischof der Nordkirche erklärte sich seinen Erfolg ganz trocken. Schon in seiner Ausbildung zum Pastoralpsychologen sei ihm von seiner Dozentin ein Prinzip nahe gelegt worden: Was du vermeiden willst, kommt! „Das ist ja fast schon ein theologischer Satz, der sich nun so bewahrheitet hat“, sagte der 66-Jährige, der mit seiner Frau in Kappeln wohnt. Beruflich sei er ja eher selten in der Stadt. „Aber ich werde versuchen, dem Amt mit der Königin an der Seite gerecht zu werden, so gut es geht“, versprach er gut gelaunt. Das alte Königspaar, Kirsten Felsberg und Andy Graunke, gaben ihnen gute Wünsche mit auf den Weg. „Ein ereignisreiches Jahr mit einer Vielzahl schöner Eindrücke“, beschrieb Felsberg.

Zahlreiche Gäste waren zur Eröffnungsfeier in der Alten Maschinenhalle im Bahnhofsweg gekommen. 190 Plätze waren besetzt, und Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker begrüßte alles, was in Kappeln und Umgebung Rang und Namen hat. Auch Abgesandte aus zwei Partnerstädten Kappelns sind in diesem Jahr angereist: Eine Delegation kam aus Ustka in Polen und eine andere aus Merate in Italien.

„Wenn man Schlie heißt, kommt man gerne an die Schlei“, sagte der Landtagspräsident Klaus Schlie, der in seiner Teilnahme an so einer „großartigen Veranstaltung“ viel mehr sah, als nur einen Pflichtbesuch. Er lobte die Heringstage als ein Fest, das es schaffe, Tradition und Wandel, Altbewährtes und Neues harmonisch miteinander in Einklang zu bringen. „Traditionen zu pflegen, das heißt auch anzuerkennen, was unsere Vorfahren aufgebaut haben in diesem Land zwischen den Meeren“, so Schlie weiter. Einen Ausblick auf das, was sich derzeit in der Landespolitik entwickelt, gab er mit Humor. „Wenn es Jamaika wird – wer weiß, vielleicht schenken wir dann nächstes Jahr hier Rum aus.“

Auch Bundestagsabgeordnete Sabine Sütterlin-Waack freute sich, dabei sein zu können und lobte besonders die der Heringswette vorangegangene Predigt in der St.-Nikolai-Kirche. Sütterlin-Waack begrüßte die Nachricht über die Erneuerung des Heringszaunes als „Kappelns Wahrzeichen“, ebenso so wie gleich anschließend Landrat Wolfgang Buschmann. „Als ich davon erfuhr, dass der Heringszaun existenziell beschädigt sei, da dachte ich: Da haben wir den Salat – vielleicht nie wieder Kappelner Heringstage und Heringsteller“, sagte der nämlich. Erleichtert sei er, dass das „immer wieder geflickte Wahrzeichen“ nun neu gebaut werde. „Der Heringszaun ist stark Weltkulturerbe verdächtig“, so Buschmann weiter. Und das dazugehörige Stadtfest, laut der Zeitung „Die Welt“, eines der 100 größten und bekanntesten Feste der Welt. „Lassen Sie nicht nach in ihrem Engagement“, gab er den Kappelnern mit auf den Weg.

Thies Kölln, Rotarier und Organisator des zweiten Entenrennens, für das morgen um 13 Uhr der Startschuss am Heringszaun fällt, konnte dem Verschönerungsverein schon einmal eine Spende von 2000 Euro vorab überreichen. Mehr als 10.000 Enten machen sich morgen auf den Weg, und Kölln rief die Bürger noch einmal auf: „Kommen Sie zu diesem Event auf der Schlei. Das wird ein Highlight, suchen Sie sich einen guten Platz.“

Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung der Festtage vom Schützenbläserkorps Kappeln.

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erstellt am 26.Mai.2017 | 07:00 Uhr

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