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Kappelner Männergilde : Ein König unter den Genießern

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Nach fast 2000 Schuss auf den hölzernen Vogel: Hans-Hermann Tange ist der neue König der Kappelner Männergilde.

Sonntagabend, 19.18 Uhr: Der Vogel wackelt bereits seit einiger Zeit bedenklich, wenn er getroffen wird. Er fällt nur einfach nicht. Dabei wartet die Kappelner Männergilde von 1651 sehnsüchtig auf ihren neuen König. Er soll am Ende der dreitägigen Gildefeier feststehen. Nach fast 2000 Schuss aus beiden Kleinkalibergewehren sind als potenzielle Königsschützen Peter Föh und Hans-Hermann Tange übriggeblieben. 19.19 Uhr: Hans-Hermann Tange gibt seinen Schuss ab und dreht sich bereits um – als der Applaus aufbrandet. Mit leichter Verzögerung gibt der hölzerne Vogel auf und fliegt zur Erde. Tange kann sein Glück zunächst gar nicht fassen. Später bei der Königsproklamation erklärt er: „Als ich den Vogel fallen sah, wollte ich eigentlich abhauen.“ Er habe Angst davor gehabt, dass „mich viele drücken“ werden. Und genauso kommt es dann auch – aber das muss ein König auch mal aushalten.

Vor dem entscheidenden Schuss hatten die Gildebrüder schon ein anstrengendes und Kondition forderndes Programm hinter sich. Bereits ab
8 Uhr traten sie vor dem Gildelokal an. Anschließend wurde Gildeoberst Hans-Hermann Tange abgeholt. Nach der Stärkung durch ein gemeinsames Frühstück marschierte die Gilde „Kappeln rund“. Der Vormittag endete mit dem gemeinsamen Gildeessen. Danach erfolgte der Umzug Richtung Gildekoppel im Hüholzweg zum Königsschießen. Nach dem Königsschuss trugen die Gildebrüder Hans-Hermann Tange mit musikalischer Begleitung von einem Teil des Schützenbläserkorps drei Mal um den Gildeplatz. Bei der dann folgenden Gratulationswelle bekannte die neue Majestät, dass der alte König, Matthias „der Weltoffene“ Mau nicht zu ersetzen sei. Und dann packte ihn die Emotion: „Mir fehlen die Worte, aber irgendwann geht es wieder.“

Zum abschließenden Königskommers konnte der erste Ältermann Thies Kölln wieder ein gut gefülltes Zelt begrüßen. Er lobte den Zusammenhalt der Gilde, der sich in dem positiven Verlauf des Gildefestes widerspiegele. Er dankte dem scheidenden Gildekönig Matthias Mau dafür, dass er „sich voll in die Gilde eingebracht“ habe. Und da die Gilde auf seine Mitarbeit nicht mehr verzichten will, ist Mau künftig Beisitzer im Gildevorstand. Der scheidende König bat die Anwesenden aufrichtig: „Seien Sie zum neuen König genauso nett wie zu mir.“ Danach nahm ihm der zweite Ältermann Andreas Isaack die Königskette ab, überreichte ihm aber gleichzeitig eine goldene Krone in Form einer Anstecknadel.

Die Königskette erhielt kurz danach Hans-Hermann Tange, dem Thies Kölln auch seinen neuen Namen verriet: „Hans-Hermann, der stille Genießer“. Dass er gerne genieße, bestätigte der neue Gildekönig. Beim Schießen habe ihm das „Zielwasser“ geholfen, das er zuvor von seinem Sohn Jan-Wilhelm erhalten habe. Über seinen bisherigen, immerhin 15 Jahre währenden Posten als Oberst sagte Tange: „Ich habe die Zeit genossen und mich jedes Mal gefreut, vor der mutigen Truppe zu marschieren.“ Anschließend betrat die Offiziersgarde unter Leitung von Hauptmann Manfred Guth das Zelt, um den König zu ehren. Sie verpflichteten sich zu Treue und Ergebenheit dem neuen König gegenüber.

Schließlich zeigten noch die Rekruten – neu eingetretene Mitglieder – Thomas Hansen, Ralf Nissen, Hartmut Föh, Mark Urbschat, Dirk Thieheuer und Finn Teichmann, was sie bei ihrem Rekrutenoffizier Hans-Martin Lanckau gelernt hatten. Mit einem Gewehr, das als Zeichen ihrer Friedfertigkeit mit einer Nelke geschmückt war, demonstrierten sie perfektes Exerzieren, zogen ihre Hüte zum Gruß, marschierten vorwärts, rückwärts, seitwärts – und brachten am Ende alle Anwesenden zum Lachen.

Mit einem Ehrentanz des Königs Hans-Hermann „der stille Genießer“ und Ehefrau Margret wurde die Tanzfläche frei gegeben. Für die Musik sorgte „DJ Flo“. Kurz vor Mitternacht und bevor der angekündigte Regen einsetzte, machte sich die Gilde mit brennenden Fackeln zum Gildelokal auf. Im Hotel „Stadt Kappeln“ ging es dann „open end“ weiter.

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