Stadtgeschichte : Ein Kanzleirat war der erste Ehrenbürger von Kappeln

Der Margarethenhof in der Mühlenstraße - einst von Wilhelm Seehusen gestiftet. Foto: Philipsen (2)
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Der Margarethenhof in der Mühlenstraße - einst von Wilhelm Seehusen gestiftet. Foto: Philipsen (2)

Neue Reihe "Kappelner Köpfe" startet mit Wilhelm Seehusen (1833-1917) / Stifter eines Altenheimes

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07. Juli 2011, 07:23 Uhr

Kappeln | Außerordentlich zurückhaltend, ja fast hanseatisch haben sich bisher die Stadt Kappeln und ihre Gremien gezeigt, wenn es darum ging, eine verdiente Persönlichkeit mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts zu würdigen. Von dieser Möglichkeit, die seit 1870 besteht, wurde bis jetzt auffallend sparsam Gebrauch gemacht. In jenem Jahr erhielt Kappeln, bis dahin ein Flecken, das Stadtrecht, das der Kommune auch den Weg eröffnete, derartige Auszeichnungen zu vergeben. Seitdem sind in der Zeit zwischen 1904 und 1955 erst fünf Männer, die sich - auf unterschiedliche Weise - um die Schleistadt und das Wohl ihrer Menschen verdient gemacht haben, mit der Ehrenbürgerwürde bedacht worden. In loser Folge wird diese Zeitung die Kappelner Ehrenbürger vorstellen.

Was Wilhelm Seehusen, der Erste in der kurzen Reihe der Ehrenbürger, "für die Stadt Kappeln getan hat, wird für alle Zeiten unvergeßlich bleiben". Diese Feststellung des Schlei Boten, veröffentlicht 1917 in einem ehrenden Nachruf auf Seehusen, sollte sich bewahrheiten. Wer heute mit offenen Augen durch die Mühlenstraße geht, dessen Blicke werden angezogen von einem stadtbildprägenden weißen Gebäude, 1905 errichtet von dem renommierten Kieler Architekten und Kirchenbaumeister Wilhelm Voigt. Motor und Geldgeber war der Kappelner Kanzleirat Seehusen, dem die Errichtung dieses Altenheimes zu verdanken ist. Noch heute nimmt das Gebäude, der sogenannte "Margarethenhof", diese Funktion wahr.

Seehusen, geboren am 12. Dezember 1833 in Flarupgaard im Kirchspiel Norderbrarup, war als Bevollmächtigter für die damalige Hardes- und Fleckensvogtei tätig und wurde 1867 nach der Neuordnung des Justizsystems als Sekretär des königlichen Amtsgerichts in Kappeln übernommen. Das Gericht tagte zunächst noch im Kappelner Rathaus und erhielt erst 1884 ein eigenes Gebäude. Wilhelm Seehusen war bei den Kollegen außerordentlich beliebt. Und als er nach bald drei Jahrzehnten Dienst aus Altersgründen in den Ruhestand verabschiedet wurde, ehrten ihn die Justizbeamten, indem sie ihm ein Gemälde vom Amtsgerichtsgebäude überreichten. Anlässlich seiner Pensionierung wurde ihm der Titel Kanzleirat verliehen.

Unverheiratet geblieben, engagierte sich Seehusen für das Gemeinwohl und konzentrierte seine entsprechenden Bemühungen auf die Stiftung eines Altenheimes. Für den Bau einer solchen Einrichtung überließ er 1903 der Stadt ein ihm gehörendes Anwesen in der Mühlenstraße. Ferner stiftete er eine Summe von 30 000 Mark als Baukosten. Als dieser Betrag nicht ausreichte, spendete er weitere 40 000 Mark für den Bau des Hauses und 7000 Mark für die Einrichtung. 1904 konnte das Altersheim eingeweiht werden. Namensgeberin war Seehusens Schwester Margarethe, die die Initiative ihres Bruders stets unterstützt hatte, ein Haus zu schaffen "dem Höchsten zum Preise, der Stadt zur Zierde, seinen Bewohnern zur trauten Heimstätte", wie es in einer Erinnerungstafel heißt. Viele Jahrzehnte wurde der Betrieb des Heims durch Zuwendungen der Seehusen-Stiftung gefördert.

Die Stadt Kappeln bedankte sich bei dem generösen Stifter mit der Verleihung der höchsten Auszeichnung, die sie zu vergeben hat: Am 17. September 1904 wurde Wilhelm Seehusen vom Stadtverordnetenkollegium zum Ehrenbürger ernannt. Außerdem wurde ihm der preußische Rote-Adler-Orden vierter Klasse verliehen. In seinem Haus Albrechtsruh in Mehlby starb Seehusen am

14. Juli 1917, ein - so der Schlei Bote - "Vorbild treuen und opferfreudigen Bürgersinns".

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