zur Navigation springen

Bewegender Mix aus Theater und Konzert : Ein Heimspiel voller Emotionen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Walter Plathe und das Beethoven-Duo zeigten am Sonntagabend mit „Oneway Moskwa“ einen besonderen Mix aus Theater und Konzert in der Koslowski-Halle.

„Ich merkte, wie mir die Tränen über die Wangen rannen – ich war angekommen.“ Mit diesen bewegenden Worten endete die lange Heimreise. Walter Plathe gastierte mit dem literarischen Konzert „Oneway Moskwa“ gemeinsam mit dem Beethoven-Duo aus Hamburg – Pianistin Alina Kabanova, die von der Krim stammt, und Cellist Fjodor Elesin, der von St. Petersburg nach Deutschland kam – am Sonntagabend in der Koslowski-Halle: ein Auftritt voller Emotionen. Für den Schauspieler war das gewissermaßen ein Heimspiel. Denn schließlich verkörperte er in der ZDF-Fernsehserie „Der Landarzt“ von 1992 bis 2008 Dr. Ulrich Teschner. Da waren während der Dreharbeiten im fiktiven Ort Deekelsen zwischen ihm und so manchem Einheimischen Freundschaften entstanden. Zum Beispiel zu Kappelns Bürgermeister Heiko Traulsen, der selbstverständlich zu diesem Konzert gekommen war, denn: „Ich bin Plathe-Fan.“ In der Lesung und der darauf abgestimmten Musik steckte während der langen Bahnreise von St. Petersburg nach Moskau „russische Seele“ pur. Da verschloss sich die deutsche Seele aller, die in die Koslowski-Halle gekommen waren, nicht.


Vertrautes, gleichzeitig fremdes Land


 

Zum Inhalt: Als Stan Bulko nach über 30 Jahren in den USA auf Bitten seines Vaters eine erste Reise in die alte Heimat Russland antritt, geschieht das – weil sein Flugzeug nach St. Petersburg umgeleitet wurde – von dort in einem Bummelzug nach Moskau. Er begegnet einem vertrauten, aber gleichzeitig fremden Land. Schnell merkt Stan, dass seine Russisch-Kenntnisse nicht mehr die besten sind, aber die Begegnung mit Mitreisenden und das, was er durch die Zugscheiben erblickt, rufen in ihm Erinnerungen wach – an sich selbst als den jungen Stanislav Bulkowsky, damals angehender Cellist. Da gibt es nachdenklich-überraschende, aber auch heitere Episoden. Der Heimkehrende entdeckt seine russische Seele wieder, erinnert sich an Begebenheiten, die er längst verdrängt hat – wie zum Beispiel seine große Liebe Tanja. Da gilt es für ihn, seine Gedanken und Gefühle zu sortieren, sich Klarheit zu verschaffen.

Walter Plathe in der Rolle des Stan Bulko, der wieder zu Stanislav Bulkowsky wird, stand während seiner Lesung in vertrautem Blickkontakt zu dem Beethoven-Duo, das mit seiner Musik aus Werken von Claude Debussy, Iljitsch Tschaikowski, Jean-Louis Duport, Dmitri Schostakowitsch, Rodion Schtschedrin, David Popper und Sergei Rachmaninow die Gedankenreise zu einem unvergesslichen Abend werden ließ. Die Zuhörer, sichtlich berührt, dankten mit reichlich Beifall und nutzten gerne die anschließende Gelegenheit, mit Walter Plathe und den beiden Musikern ins Gespräch zu kommen.

Der Kappeln-Auftritt war für den Schauspieler ein eingeschobenes Gastspiel zwischen Magdeburg und Berlin. Genau genommen war „Oneway Moskwa“ in der Schleistadt die dritte „richtige“ Aufführung. Walter Plathe ist viel gefragt, und so jagt ein Auftritt den anderen quer durch die Republik. Ob als Otto-Reutter-Interpret oder als braver Soldat Schwejk, ob im Fernsehen oder auf der Bühne, der Theater- und Filmschauspieler lebt seine Rollen, besticht durch Authentizität: Das überzeugt, gefällt und kommt an – siehe Kappeln.

Auf die Frage des Schlei Boten, wie er zum Aus der „Landarzt“-Serie steht, hielt der gebürtige Berliner, nicht mit Kritik zurück. Zu sagen, jedes Ding habe seine Zeit, treffe nicht zu. Das ZDF habe es versäumt, der Serie ein neues Antlitz zu geben, sie neu zu beleben. Plathe sprach von Einfaltslosigkeit. Mit seiner Beziehung zu Kappeln hält der Schauspieler es mit der Devise, wonach alte Liebe nicht rostet. Er komme gerne an die Schlei, doch sei das in jüngster Vergangenheit zu wenig gewesen, sagte er. Und der Schauspieler versprach, dass sich das ändern werde, er in Zukunft häufiger kommen werde.

Zum künftigen Programm wird, wie der Schauspieler verriet, „Der Zauber der Flöte“ gehören – aus Sicht des Papageno. Mit sich selbst und seiner persönlichen Situation sei er zufrieden, sagte Walter Plathe und gestand, dass ihm die russische Seele liege. Melancholisch und heiter, so mag er es.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Okt.2013 | 07:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen