Kappeln : Ein „Glücksfall“ für die Mini-Stadt

Fleißig aufgebaut haben gestern Hans-Hermann Stütz, Gerhard Groszek, Torben Wichmann und Uwe Frye (v.li.).
Fleißig aufgebaut haben gestern Hans-Hermann Stütz, Gerhard Groszek, Torben Wichmann und Uwe Frye (v.li.).

Die „Skyline Kappeln“ steht seit gestern in einem Schaufenster des Modehauses Wichmann.

shz.de von
18. April 2018, 12:00 Uhr

Seit mehr als vier Jahren schlummert die „Skyline Kappeln“ in den Katakomben des Bauhofs. Einige ihrer Bestandteile allerdings haben es jetzt wieder ans Tageslicht geschafft. Genauer: In die Auslage des Modehauses Wichmann. Seit gestern steht ein Ausschnitt der Mini-Stadt im Eck-Schaufenster des Hauses, Blickrichtung Deekelsenplatz. Und Mit-Erbauer Hans-Hermann Stütz kann sein Glück kaum fassen. „Ich bin richtig froh und glücklich“, sagt der Kappelner. „Ich werde oft gefragt, was mit der Skyline sei. Jetzt dürfen wir sie endlich einmal wieder zeigen.“

Gestern Morgen hatten die Bauhof-Mitarbeiter die von Stütz ausgewählten Teile bereits in die Schmiedestraße gefahren. Im Laufe des Vormittags kamen weitere Helfer, darunter Uwe Frye, Gerhard Groszek und Andreas Steffensen, hinzu – „und um 9 Uhr waren wir mit dem Rohbau fertig“, sagt Stütz. Hinter dem Modell „Skyline“ verbirgt sich eine Idee aus dem Jahr 1995. Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme konnten 20 Langzeitarbeitslose in den Lernwerkstätten der Kreishandwerkerschaft in Schleswig zeigen, wo ihre Talente liegen. Maler, Elektriker, Tischler arbeiteten mit Unterbrechungen drei Jahre lang an dem Projekt, errichteten Häuser aus Sperrholz, Bäume aus Blumenwickeldraht, die Drehbrücke aus Messingprofilen. Herausgekommen ist ein 1:1-Abbild der Kappelner Hafenszenerie aus dem Jahre 1996. Stilecht mit Heringszaun, sonnengelber Telefonzelle und Bushaltestelle. Einziges Problem: Das 8,50 Meter mal 6,50 Meter große Modell ist nur schwer in voller Größe unterzubringen. Und das rief Marlies Wichmann auf den Plan.

Die Senior-Chefin des Modehauses sagt: „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass das Modell einen Platz sucht. Und natürlich muss das gezeigt werden.“ Sie nahm Kontakt zu Hans-Hermann Stütz, der die Maßnahme in den 90er-Jahren geleitet hatte, auf und bot ihm ein Schaufenster an. Und Stütz erinnert sich: „Ich bin noch am Abend rübergelaufen und habe von außen abgemessen.“ Schnell war klar, dass er eine Auswahl würde treffen müssen – und das ist nun, gerade pünktlich zu den 40. Heringstagen – passiert. „Die Brücke musste natürlich mit“, sagt Stütz. Außerdem wenigstens ein Stück des Heringszauns, die Nikolaikirche, der PK-Speicher, ein Teil der Hafenansicht. Das Ensemble ist Stütz’ Beitrag zum runden Geburtstag der Heringstage. Und Marlies Wichmann kündigt an: „Das Modell? Das kann erstmal hier bleiben.“

Gemeinsam mit seinen Helfern hat Hans-Hermann Stütz gestern die tragenden Füße der Bodenplatten der Mini-Stadt ein wenig gekürzt und die ein oder andere Stelle ausgebessert, die beim Transport gelitten hatte. Gestern Nachmittag steht Modehaus-Chef Torben Wichmann vor der „Skyline“, lächelt und sagt: „Gut, dass wir so ein überdimensioniertes Fenster haben.“ Für das, was Wichmann „überdimensioniert“ nennt, hat Hans-Hermann Stütz ein anderes Wort. Der 80-Jährige steht mitten im Schaufenster, blickt einmal um sich, die „Skyline“ zu seinen Füßen. „Diese Gelegenheit hier“, sagt er, „ist ein Glücksfall“.

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