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Mühle „Amanda“ in Kappeln : Ein Glas-Aufzug für die Touristinfo?

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Ostseefjord-Schlei GmbH pocht weiter auf die Barrierefreiheit der Mühle. Die Kreis-Denkmalpflege prüft jetzt den Anbau für einen Fahrstuhl.

Es gibt eine Disziplin, bei der die Mühle „Amanda“ alle anderen Touristinformationen der Region mühelos hinter sich lässt. Und das ist die Zahl ihrer Besucher. Von Januar bis September des vergangenen Jahres zählte die Lokale Tourismusorganisation Ostseefjord-Schlei GmbH (OFS) bei ihren drei Touristinfos in Schleswig, Süderbrarup und Kappeln knapp 44.000 Besucher. Allein in der Mühle „Amanda“ wurden davon im gleichen Zeitraum knapp 30.000 registriert. Damit liegt das 127 Jahre alte Kappelner Unikum an der Schleswiger Straße unangefochten an der Spitze. Und trotzdem ist die OFS nicht hundertprozentig glücklich. Gravierendstes Problem ist die Barrierefreiheit, die der Mühle ein Fremdwort, der OFS aber enorm wichtig ist. Dass der Bau zudem unter Denkmalschutz steht, macht eine Problemlösung nicht eben leichter. In dieser Woche nun trafen sich Bürgermeister Heiko Traulsen, Bauamtsleiter Erich Reuter, OFS-Geschäftsführer Max Triphaus und Cristina Vesperinas, innerhalb der Kreis-Bauaufsicht zuständig für die Denkmalpflege, in der Mühle. Herausgekommen sind Gedankenspiele – rund um einen modernen Glaskasten.

Das Leitmotiv ist klar: Dem Denkmalschutz muss Rechnung getragen werden. Konkret bedeutet das im Fall der Mühle, dass das komplette Äußere sowie die im Innern vorhandene alte Technik bewahrt werden müssen. Das, worüber die Beteiligten nun gesprochen haben und was einen barrierefreien Zugang zur Mühle gewährleisten soll, nennt Heiko Traulsen ein „Glas-Stahl-Konstrukt“ mit Aufzug. Dieses könnte rechts neben dem Haupteingang entstehen und auf Höhe jedes Stockwerkes eine weitere Verbindung zu den jeweils mittig vorhandenen Öffnungen erhalten, über die dann die Mühle betreten wird. Traulsen weiter: „Frau Vesperinas hat dazu bislang weder ja noch nein gesagt, aber es war die einzige Möglichkeit, die wir besprochen haben.“ Andere Positionen an der Mühle mussten ausgeschlossen werden, da sich dort entweder bereits ein Anbau oder im Innern ein alter Trichter befand. „Es bliebe also nur der Haupteingang“, sagt Traulsen. Und damit mitten im Blickfeld eines jeden, der sich der Mühle nähert. Nun tendiert Glas dazu, leicht und luftig zu wirken, so vielleicht nicht unmittelbar ins Auge zu springen – trotzdem ahnt der Bürgermeister schon jetzt: „Es wäre ein sehr moderner Anbau und ein bisschen tricky, aber es ist die einzige Chance.“

Für die OFS betont Max Triphaus derweil erneut, dass die Mühle nicht der Standort Nummer 1 sei. Der Geschäftsführer liebäugelt nach wie vor mit einer Touristinfo in Hafennähe – „wo wir im Auge des Gastes sind“. Soll die Mühle ungeachtet dessen weiterhin als Touristinfo betrieben werden, steht für Triphaus die Barrierefreiheit an oberster Stelle. „Das ist die absolute Voraussetzung“, sagt er. Und: „Sollte das nicht umgesetzt werden können, ist für mich der Standort nicht zu halten.“ Das bedeute zwar nicht, dass die OFS dort sofort alle Zelte abbrechen werde – „aber dann muss ein anderer Standort gefunden werden“.

Die Option eben darauf schließt auch der Bürgermeister nicht aus. Vielmehr laufen die Suche nach einem potenziellen neuen Zuhause für die Touristinfo und die Prüfung auf Barrierefreiheit der Mühle derzeit parallel. Sollte die Denkmalpflege des Kreises Zustimmung zum angedockten Glas-Stahl-Konstrukt signalisieren, stünden als nächstes die architektonische Planung sowie die finanzielle Kalkulation an. Traulsen prognostiziert eine sechsstellige Summe. Gleichzeitig würden auch die Kosten für einen neuen Standort berechnet – „und dann“, so der Bürgermeister, „muss die Politik sagen, was sie will“.

Er selber hat derweil eine recht genaue Idee von seinem Ideal, das er einen „touristisch-musealen Treffpunkt“ nennt. Heißt: Die Mühle bliebe wie sie ist, würde aber eher einen musealen Charakter erhalten. Der daneben befindliche alte Schweinestall würde entweder saniert oder vielleicht sogar vergrößert und könnte im hinteren Teil zum Museum, im vorderen zur Touristinformation werden. Barrierefreiheit wäre dann automatisch gegeben. „Die Mühle ist auf jeder Karte verzeichnet und von Weitem sichtbar“, sagt Traulsen. Neben Schleibrücke und Heringszaun kann sie wohl tatsächlich als prägendes Element der Schleistadt gelten. „Könnten wir Museum, Mühle und Anlaufstelle für Gäste an einem Ort vereinen, wäre das doch ein Glücksfall“, resümiert der Bürgermeister.

Spätestens im Laufe der nächsten Woche rechnet er mit der Entscheidung des Kreises. Dann wird man einer Alternative ein Stück näher sein: dem gläsernen Aufzug, dem neuen Standort – oder dem Glücksfall.

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erstellt am 17.Apr.2015 | 07:30 Uhr

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