Kunsthaus Hänisch in Kappeln : Ein geordnetes Tohuwabohu

Umgeben von Skulpturen, Zeichnungen und Ansichtsmappen setzte sich Gymnasiast Finn-Niklas Fust spontan ans Klavier und gab der Ausstellungseröffnung so auch noch einen musikalischen Rahmen.
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Umgeben von Skulpturen, Zeichnungen und Ansichtsmappen setzte sich Gymnasiast Finn-Niklas Fust spontan ans Klavier und gab der Ausstellungseröffnung so auch noch einen musikalischen Rahmen.

Eine große Schülerausstellung im Kunsthaus Hänisch zeigt knapp 400 Werke auf zwei Etagen.

shz.de von
12. Februar 2018, 07:00 Uhr

Zahlenmäßig ist das Kunsthaus Hänisch gestern Vormittag in eine neue Ebene emporgeklettert – und zwar gleich auf zweierlei Wegen: Mit geschätzten 150 Besuchern erlebte eine Ausstellungseröffnung einen neuen Spitzenwert. Und mit knapp 400 gezeigten Werken stieß die alte Stadtvilla selber wohl an ihre Kapazitätsgrenze. Allerdings: Weder das eine noch das andere löste so etwas wie einen Reizüberflutung aus. Vielmehr wurde ein Reichtum offenbar: Die üppige Vielfalt der großen Schülerausstellung „Märchen, Mythen und Legenden“ braucht nun einfach mal Platz, und die Besucher wussten diese Verschiedenheit durchaus zu schätzen.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Kunsthaus und der Klaus-Harms-Schule ist nicht neu. Die Art und Weise, wie sie zum Start dieses Jahres jedoch Ausdruck gefunden hat, ist bemerkenswert. Jede Klasse, vom fünften bis zum Abiturjahrgang, hat sich beteiligt, jede Klasse hat zu einem Märchen- oder Mythen-Thema gearbeitet, hat gezeichnet, gebastelt, geschrieben, gemalt, getöpfert, geklebt. Dabei war das Leitmotiv, das Kuratorin Angeline Schube-Focke ausgegeben hatte, ein eindeutiges: „Wir wollten so viel wie möglich präsentieren.“ Die Folge: Nicht nur die Wände des Kunsthauses wurden zur Ausstellungsfläche. Gleiches galt für die Fensterbänke, für Tische und Glasvitrinen, mitunter fanden sich auch Exponate unter Tischen wieder, andere hingen von der Decke. Trotzdem: Nichts davon wirkte willkürlich zusammengewürfelt, alles unterlag einer Komposition, die die Schüler teils mit Schube-Focke gemeinsam erarbeitet hatten. Es war so etwas wie ein geordnetes Tohuwabohu, das Kreativität und künstlerische Fähigkeiten gleichermaßen offenbarte.

Vorab allerdings hatten die drei Kunstlehrer Henrike Reinckens, Kai Feddersen und Gesche Schmidt-Iwen intensiv mit ihren Schülern theoretisch gearbeitet, hatten Begriffe definiert und Epochen erläutert und sich langsam über Skizzen und Übungen den ausstellungsreifen Kunstwerken angenähert. Am Ende sind so Bilder zu Mythen der Weltentstehung entstanden, außerdem Fantasiewesen, mediale Helden, persönliche Glaubenssätze. Sechstklässler haben Handpuppen zu klassischen Märchen entworfen, Siebtklässler ein Schattentheater erstellt, ein Oberstufen-Jahrgang einen Stop-Motion-Film produziert, Fünftklässler fantastische Tiere kreiert – wie etwa einen Feuer-Igel, der Menschenleben rettet, oder den Kuschelmuffel, der sich unsichtbar machen kann, oder Findus, der einen Tag in die Zukunft blickt. Allen gemein war das Credo, das Henrike Reinckens gestern so beschrieb: „Die Entstehung von neuen Welten setzt Fantasie und den Willen zur Gestaltung voraus.“

Und dass ganz nebenbei noch eine öffentliche Ausstellung dabei herauskam, war auch nicht ganz unwichtig. Die 16-jährige Jule Herwigk etwa hatte noch während des Aufbaus im Kunsthaus gesagt: „Der Gedanke, dass so viele Menschen sehen können, was wir gemacht haben, ist wirklich etwas sehr Besonderes.“ Lehrerin Henrike Reinckens nannte die Möglichkeit der Kooperation mit dem Kunsthaus „ein Riesenangebot“. Und für das Kunsthaus selber ist diese Form der Zusammenarbeit ebenfalls von Bedeutung. Der Vereinsvorsitzende Jörg Haasters jedenfalls hoffte darauf, dass diese Ausstellung vielleicht auch ein bisschen als Türöffner gelten könne – für diejenigen, die sich bisher noch nicht ins Kunsthaus gewagt haben. Der Anfang gestern Vormittag ließ die Sache nicht ganz unrealistisch erscheinen.

> „Märchen, Mythen und Legenden“, Kunsthaus Hänisch, Schmiedestraße 53, vom 11. bis 25. Februar, donnerstags bis sonntags, 11 bis 17 Uhr. Schüler bieten Führungen an.

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