Kappeln : Ein gemeinsames Lehrstück

Zu viert haben Gesa Heldt, Isabelle Kirchberg (vorne, v.li.), Linus Kirchberg und Mette Thomsen (zweite Reihe) in der Daz-Klasse der Gemeinschaftsschule mitgearbeitet. Dank und Anerkennung erhielten sie dafür von den DaZ-Schülern, DaZ-Lehrerin Kristin Dreesen (hinten, v.li.), Pastor Jörg Jackisch und Schulleiterin Britta Pichatzek.
Zu viert haben Gesa Heldt, Isabelle Kirchberg (vorne, v.li.), Linus Kirchberg und Mette Thomsen (zweite Reihe) in der Daz-Klasse der Gemeinschaftsschule mitgearbeitet. Dank und Anerkennung erhielten sie dafür von den DaZ-Schülern, DaZ-Lehrerin Kristin Dreesen (hinten, v.li.), Pastor Jörg Jackisch und Schulleiterin Britta Pichatzek.

Vier 16-Jährige unterstützen die Gemeinschaftsschule im Förderunterricht der DaZ-Klasse.

shz.de von
05. Juli 2018, 07:00 Uhr

Am Ende hatten sie voneinander gelernt. Die einen Englisch, die anderen mathematische Grundformeln, alle Geduld, Gemeinschaft und Großzügigkeit. Mehrere Monate lang hatten die vier Gymnasiasten Gesa Heldt, Mette Thomsen, Isabelle und Linus Kirchberg regelmäßig Zeit ihres freien Nachmittags investiert, um 24 Schülern der DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) der Gemeinschaftsschule im Förderunterricht zu helfen. Und damit gleichzeitig DaZ-Lehrerin Kristin Dreesen zu entlasten. Kurz vor den Ferien wurde das Quartett nun auf besondere Weise geehrt.

Treffpunkt „internationales Klassenzimmer“. Die DaZ-Schüler kommen aus Syrien, Afghanistan, Polen, der Dominikanischen Republik, Irak und Iran, ihr Bildungsstand variiert, genauso wie ihr Alter – nicht die einfachsten Bedingungen für einen homogenen Unterricht. Im „Café International“, Ort der Zusammenkunft für Geflüchtete und langjährige Kappelner in der Kirchengemeinde Ellenberg, war diese pädagogische und didaktische Herausforderung immer mal wieder Thema. Pastor Jörg Jackisch sagt: „Auch als engagierte Lehrerin konnte Frau Dreesen Hilfe gebrauchen. So kamen die vier Schüler ins Spiel.“ Und ganz offensichtlich musste Jackisch als Vermittler auch nicht viel Überzeugungsarbeit leisten. „Der erste Satz, als ich davon erzählte, war: Wann geht es los?“, sagt er im Rückblick.

Im Mai war es so weit. Seit dem sind Gesa Heldt, Mette Thomsen, Isabelle und Linus Kirchberg einmal in der Woche nach ihrem eigenen Unterricht von der Klaus-Harms-Schule zur Gemeinschaftsschule gelaufen und wurden Teil der DaZ-Klasse. Mathematik, Deutsch, Englisch, Naturwissenschaften – die vier haben sich in allen Themenbereichen eingebracht, haben Hausaufgaben mit den DaZ-Schülern bearbeitet, sie auf mündliche Prüfungen vorbereitet, Grundlagen wiederholt – und das offenbar auf sehr fröhliche, offene und eigenständige Weise. So jedenfalls beschreibt Kristin Dreesen ihre schulischen Unterstützer. „Man konnte sich auf euch verlassen“, sagt die Lehrerin zudem noch. „Jeder hat sich eingebracht, das war für mich eine totale Erleichterung.“ Weil ihr eben dieser Umstand erlaubt habe, sich auch mal intensiver nur mit einem Daz-Schüler zu beschäftigen. Dreesen konnte sicher sein, dass die anderen gut aufgehoben waren. Übrigens mit einem bemerkenswerten Resultat, wie die Lehrerin betont: „Die Klassenarbeiten fielen wesentlich besser als vorher aus.“ Auch von Britta Pichatzek, Leiterin der Gemeinschaftsschule, gibt es Lob. „Wir sind voller Anerkennung für euren beeindruckenden Einsatz“, sagt sie an die vier Schüler gerichtet. „Das hilft uns allen.“ Und nachdem die vier jeder ein Zertifikat und einen Buchgutschein erhalten haben, halten sich auch die DaZ-Schüler nicht mehr zurück: Sie applaudieren kräftig.

Dass es für die Klaus-Harms-Schüler tatsächlich selbstverständlich war, sich als ehrenamtliche „Hilfslehrer“ einzubringen, macht Linus Kirchberg deutlich. „Keiner von uns hat ernsthaft überlegt, die Sache abzulehnen“, sagt der 16-Jährige. Und Gesa Heldt ergänzt: „Wir sind alle im Sprachprofil, da war auch ein bisschen Neugier dabei.“ Über die „Bunte Gruppe“, ein weiteres kirchliches Projekt für junge Geflüchtete, hätten zudem bereits Kontakte bestanden. Isabelle Kirchberg sagt: „Wir kannten schon ein paar. Und es macht auch wirklich Spaß.“ Sollte es ihr Stundenplan des nächsten Schuljahres zulassen, möchten die Gymnasiasten die Arbeit auch gerne fortsetzen – vielleicht ja sogar noch mit einigen ihrer Mitschüler. Mette Thomsen sagt: „Es gibt inzwischen viele Interessenten in unserer Klasse.“ Und damit noch ein paar mehr, die von anderen gelernt haben.

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