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Mensch des Jahres 2015 : Ein ganzes Leben für den Naturschutz

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Leser des Schlei Boten haben Karl Plaumann zum Mensch des Jahres 2015 gewählt. Boris Guentel und Manfred Wachtel landeten auf den Plätzen zwei und drei.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 14:42 Uhr

Insgesamt 470 Leser des Schlei Boten haben in den vergangenen Wochen abgestimmt – schriftlich, online, per Anruf oder SMS. Nun steht der Mensch des Jahres 2015 fest: Mit mehr als 68 Prozent, also 321 Stimmen, fiel die Wahl auf Karl Plaumann.

Seit seinem zwölften Lebensjahr dokumentierte Karl Plaumann Jahr für Jahr das Vogelaufkommen am Schwansener See. So wurde der aus seiner ostpreußischen Heimat geflohene Junge zum ehrenamtlichen Vogelwart des Gebietes um den Schwansener See – eine Tätigkeit, die er 66 Jahre lang leidenschaftlich ausübte. 36 Jahre engagierte sich der Malermeister zudem als Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Kappeln/Nordschwansen für den Naturschutz und die Jugendarbeit vor Ort. Denn gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen, denen Plaumann an der Volkshochschule das Gitarrespielen beibrachte, gründete der Vogelwart in den 70er Jahren die Musikgruppe „Zugvögel“. Mithilfe der Gagen pachtete Plaumann schließlich den Schwansener See und zusätzlich 18 Hektar Wiesen. Außerdem unterstützten die „Zugvögel“ den Malermeister beim Schutz bedrohter Vogelarten – wie Zwergseeschwalbe, Regenpfeifer, Kampfläufer oder Säbelschnäbler – etwa bei Nachtwachen an den ungeschützten Gelegen oder durch den Bau von Brutinseln im Wasser. Mit Erfolg: Im Laufe der Jahre wurden aus den ursprünglich 43 Vogelarten am Schwansener See 127. Karl Plaumanns hartnäckiger Kampf für die Unterschutzstellung des Schwansener Sees dauerte insgesamt 15 Jahre. Nach unzähligen Anträgen bei der Kreis-Naturschutzbehörde wurde das 224 Hektar große Gebiet um das Gewässer 1987 schließlich offiziell unter Naturschutz gestellt. Im Jahre 2009 legte Plaumann sein Amt als Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe nieder, 2012 gab er auch das Ehrenamt als Vogelwart auf.

Gestern wurde Karl Plaumann mit der Auszeichnung als „Mensch des Jahres 2015“ überrascht. Alf Clasen, Redaktionsleiter des Schlei Boten, und Sara Sausmikat-Theilen, Pressesprecherin der Flensburger Brauerei, überbrachten dem 80-Jährigen die frohe Botschaft in seinem Brodersbyer Wohnhaus. Clasen beglückwünschte den Ausgezeichneten: „Wir freuen uns ganz besonders, dass wir jemanden mit solch einem außergewöhnlichen Engagement für sein Lebenswerk auszeichnen können.“ Sausmikat-Theilen schloss sich den Gratulationen an: „Was Sie erreicht haben, ist wirklich eine tolle Leistung.“ Ein wenig überrumpelt bedankte sich Karl Plaumann nicht nur bei seinen Mitstreitern im jahrelangen Einsatz für den Biotopschutz, sondern auch bei den Lesern des Schlei Boten: „Ich möchte mich bei allen bedanken, die für mich gestimmt haben. Ich freue mich über die Auszeichnung, muss das aber erstmal verdauen.“

Im Gespräch mit seinen Gratulanten blickte Plaumann auf ein Leben zurück, das er bedingungslos dem Naturschutz widmete: „Egal, was ich getan habe, es zog mich immer wieder an den See. Ich musste etwas tun“, erinnerte er sich. Heute sei er traurig darüber, keinen Nachfolger gefunden zu haben, der sich mit gleichem Eifer dem Biotopschutz widme: „Das will niemand mehr ehrenamtlich machen. Von Naturschutz kann man nicht leben.“ Wenn sich aber niemand mehr um den Schutz der Vögel kümmere, würden sie aussterben, erklärte Plaumann. So hofft der ehemalige Nabu-Vorsitzende, dass sein Lebenswerk irgendwann fortgeführt werde.

„Sie können sehr stolz auf sich sein“, befand Sara Sausmikat-Theilen. „Was Sie geschafft haben, kann Ihnen keiner mehr nehmen.“

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