Ein Ende ohne Tränen

Fühlt sich fast an wie eine private Fotogalerie: Anne Wengel steht im 'Aurora' vor den 'Landarzt'-Bildern, die unter anderem Walter Plathe, Heinz Reincke und Wayne Carpendale zeigen. Foto: rn
Fühlt sich fast an wie eine private Fotogalerie: Anne Wengel steht im "Aurora" vor den "Landarzt"-Bildern, die unter anderem Walter Plathe, Heinz Reincke und Wayne Carpendale zeigen. Foto: rn

"Landarzt"-Fan Anne Wengel blickt dankbar auf 26 Jahre Deekelsen zurück

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21. Mai 2013, 03:59 Uhr

Kappeln | Am vergangenen Freitagabend war es soweit: Zum letzten Mal kümmerte sich Dr. Jan Bergmann um Patienten, zum letzten Mal füllte die reetgedeckte Arztpraxis den Bildschirm, zum letzten Mal versammelten sich Deekelsens Bewohner um den Stammtisch. Seit Freitagabend ist die Akte "Landarzt" endgültig geschlossen. Jetzt sitzt Anne Wengel an eben jenem Stammtisch im "Aurora", und es gibt nicht wenige, die die gebürtige Saarländerin wohl als treuesten, größten, aber durchaus auch kritischen Fan der langjährigen ZDF-Vorabendserie bezeichnen würden. Trotzdem weint sie dem Ende der Serie nun nicht hinterher, dafür steht sie viel zu sehr mitten in ihrem gleichwohl äußerst "Landarzt"-geprägten Leben. Anne Wengel ist vielmehr glücklich über das, was ihr der "Landarzt" in den zurückliegenden Jahren alles beschert hat.

Zum einen ist das die Neugier auf die Landschaft Angeln, die die Serie in ihr geweckt hat. "Als ich das im Fernsehen gesehen habe, hat mir das so gut gefallen. Ohne den Landarzt wäre ich nie auf die Region aufmerksam geworden", sagt die Wahl-Kappelnerin. In der kleinen Schleistadt lernte sie schließlich ihren Mann Hans-Peter Wengel kennen - "auch daran war der Landarzt schuld", sagt Anne Wengel und lacht. Zu dieser Zeit spielte Walter Plathe die Titelrolle - Wengels absoluter Lieblings-"Landarzt". Das Besondere: "Man ist mit ihm älter geworden", sagt der Fan. 17 Jahre gab Plathe Dr. Uli Teschner, hat sich in dieser Zeit verändert. Anne Wengel lacht wieder, als sie sich daran erinnert: "Seine Haare sind grauer geworden, er hat an Umfang zugenommen - aber für mich hätte er wirklich ein echter Landarzt sein können."

Gerade weil Plathe die Serie so lange Zeit geprägt hat, ist Anne Wengel sein Abschied noch so präsent. "Und davon war ich bitter enttäuscht", sagt sie. Uli Teschner war eben fort, nach 17 Jahren aber hätte sie sich etwas anderes gewünscht, einen Abschied, der seiner Figur gerechter geworden wäre. Als "sehr nahegehend" hat sie dagegen den Serien-Tod von Dr. Karsten Mattiesen (Christian Quadflieg) in Erinnerung: der Unfall an der Steilküste in Schönhagen, als der Arzt einem Jungen das Leben rettete, selber aber abstürzte - Anne Wengel kann jeden Augenblick lebhaft schildern: "Das waren bewegende Momente."

Dass jetzt nach 26 Jahren Schluss ist, dass tatsächlich nichts Neues mehr kommt, ist noch nicht wirklich im Herzen Anne Wengels angekommen. "Es wird noch eine Weile dauern, diesen Gedanken umzusetzen", glaubt sie. Sie glaubt aber auch, dass ihr Kappeln noch lange vom "Landarzt"-Image profitieren wird, sagt: "Das bleibt im Gedächtnis." Egal ob Kirche, die Praxis in Lindaunis, der Stammtisch im "Aurora" - diese Anziehungspunkte verschwinden so schnell nicht. Vor allem, weil Wengel selber im "Aurora", der "Landarzt"-Kneipe, arbeitet ("Mehr Landarzt geht gar nicht!") , kommt sie immer wieder mit Menschen in Berührung, für die es etwas Besonderes ist, am Stammtisch zu sitzen. Für Anne Wengel ist es inzwischen ein Stück Heimat, ein wahr gewordener Traum. Weiterträumen wird sie von nun an auf DVD.

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