„Hand in Hand für Kappeln“ : Ein Dank an die Flüchtlingspaten

Keine Berührungsängste: Stadt und „Sozial-Forum“ dankten den Ehrenamtlern, die sich als Paten für die Flüchtlinge einsetzen. In den Sitzungssaal des Rathauses waren sie mit den Zuwanderer-Familien gekommen.
Keine Berührungsängste: Stadt und „Sozial-Forum“ dankten den Ehrenamtlern, die sich als Paten für die Flüchtlinge einsetzen. In den Sitzungssaal des Rathauses waren sie mit den Zuwanderer-Familien gekommen.

Zum ersten Mal hat die Stadt gemeinsam mit dem Verein „Sozial-Forum“ die Flüchtlingspaten geehrt. Die Flüchtlinge wiederum zeigten sich genauso dankbar.

shz.de von
18. Juli 2015, 14:00 Uhr

Es war eine besondere Runde, die sich am späten Donnerstagnachmittag im Sitzungssaal des Rathauses eingefunden hatte. Besonders deshalb, weil diesen Menschen entweder Besonderes widerfahren ist oder weil sie Besonderes getan haben, hin und wieder traf sogar beides zusammen. Die Stadt hatte den „Tag des Ehrenamtes“ ausgerufen und sich damit explizit an diejenigen gerichtet, die sich als Flüchtlingspaten engagieren, als Menschen also, die anderen Menschen aus fremden Ländern das Einleben erleichtern. Viele von ihnen hatte ihre Zuwanderer-Familien, mit denen sie mittlerweile ganz offenbar mehr verbindet als der bloße Unterstützungsgedanke, mit ins Rathaus gebracht. Und während die Paten Ehrenurkunden, Blumen und Wein von der Stadt und vom Verein „Sozial-Forum“ erhielten, war es den Flüchtlingen spürbar wichtig, sich ebenfalls zu bedanken – und das in anrührenden Worten.

Den Anfang machte allerdings der stellvertretende Bürgervorsteher Helmut Schulz, der es „nicht selbstverständlich“ nannte, dass sich so viele Menschen ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzen. „In der Vergangenheit wurden Asylbewerber oft allein gelassen“, sagte Schulz. „Jetzt gibt es Menschen, die sie an die Hand nehmen.“ Passenderweise trägt das Paten-Projekt den Namen „Hand in Hand“, und Schulz ist einer der Schirmherren. Stadtvertreterin Marta Kraft und Propst Helgo Jacobs sind die beiden anderen. Kraft rief Kappelns Neubürgern zu: „Haben Sie keine Sorgen, Sie werden von so viel Mitmenschlichkeit empfangen, dass es nur gut werden kann.“ Auch in den Augen Helgo Jacobs ist die Unterstützung der Kappelner „unglaublich“. Jacobs: „Dieses tolle Projekt bringt uns alle weiter.“ Und Bürgermeister Heiko Traulsen lobte die Ehrenamtler dafür, dass sie sich für Menschen engagieren, die sie nicht einmal kennen. „Vor dieser Haltung habe ich großen Respekt“, sagte Traulsen. Die Ehrenamtler seien es, die die Wortschöpfung „Willkommenskultur“ tatsächlich mit Nähe und Vertrauen füllten.

Und dass die Neu-Kappelner inzwischen tatsächlich ein bisschen in ihrem neuen Zuhause an der Schlei angekommen sind, zeigte Marwan Alfahel. Der 27-Jährige musste vor sieben Monaten seinem Heimatland Syrien den Rücken kehren, seitdem lebt er in Deutschland. In eindrucksvollem Deutsch sagte er: „Als ich vor sieben Monaten ankam, hatte ich Angst vor den Deutschen. Aber dann habe ich gesehen, wie freundlich und hilfsbereit die Menschen sind. Ich vermisse meine Heimat und meine Familie, aber hier habe ich ein neues Zuhause und eine neue große Familie gefunden.“ Ein kurzer Auftritt, der so gut wie niemanden im Saal ungerührt zurückließ. Gleiches galt für das selbst geschriebene Gedicht, das Mahmoud Kheirabadi auf Persisch vortrug und das er selber in die deutsche Sprache übersetzt hatte. Darin erlaubte er seinen Zuhörern einen kurzen Blick in das Leid, das er in seiner Heimat erleben musste. Die Menschen, die er in Kappeln kennen gelernt hat, nannte er darin Freunde, die für andere Menschen wie eine Sonne strahlen und ihnen ein Fenster in ein neues Leben öffnen könnten. Es war eben eine ganz besondere Runde dort im Sitzungssaal.

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