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Koslowski-Halle : Ein besonderer Heimatabend

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Einen gelungenen Mix aus Comedy und Heimatabend präsentierte Dietrich von Horn in der Koslowski-Halle. Allerdings waren nur 30 Gäste gekommen, um ihm zuzuhören.

In der zweiten Hälfte der 50er-Jahre war der in Bargteheide lebende Dietrich von Horn einer von 50 Schülern seiner Klasse in der damaligen Kappelner Mittelschule: Diese Zeit ließ er bei seinem literarischen Rundgang durch Norddeutschland wieder lebendig werden – sehr zur Freude seiner Zuhörer in der Koslowski-Halle, insbesondere bei denen, die damals gemeinsam mit ihm die Schulbank gedrückt hatten. Einer davon, der zu der Mischung aus Comedy und Heimatabend gekommen war, war Ulrich Binder aus Faulück. Schließlich war er damals Klassensprecher und erinnerte sich daran, dass Dietrich von Horn „ein ruhiger Typ war“. Nun, das ist er schon längst nicht mehr. Quirlig, mit viel Gestik und wechselnder Mimik, dazu Gesangseinlagen wie „Junge komm bald wieder“ präsentierte sich Dietrich von Horn als jemand, der viel drauf hat und der der Gegend, in der aufwuchs, verbunden geblieben ist.

Dazu gehört Börentwedt in Schwansen: Als der erste im Dorf einen Fernseher hatte, „haben wir uns jeden Sonnabend eingeladen“. Als seine Mutter zum Gespräch in die Schule zitiert und sich über ihn beklagt wurde, stand sie zu ihm: „Er mag ja manchmal etwas seltsam sein, aber er ist mein Sohn.“ Auch die alte Kappelner Drehbrücke ist von Horn in Erinnerung geblieben: „Auf, zu, auf zu.“ Und der Heringszaun: „Der ist immer noch da.“ Er las aus seinen Büchern – aber immer nur so viel, um die Zuhörer auf den Lese-Geschmack zu bringen.

Was seine Vita betrifft, gab er bereitwillig und vergnügt Auskunft. Geboren in Hohenstein lebte er mit seiner Mutter und dem Bruder in Schwansen. 1955 bis 1961 besuchte er die Mittelschule Kappeln, dann folgte die Verwaltungslehre in Eckernförde – „das war schrecklich“. Seine zwei Jahre bei der Bundeswehr empfand er als Befreiung. Zwar sei er „unsoldatisch“ gewesen, aber habe so manchen pädagogischen Anstoß erhalten. Er holte das Abitur nach, studierte in Kiel, war von 1971 bis 2006 Grund- und Hauptschullehrer in Bargteheide. Das Schreiben lag ihm, und so setzte er sich in Schulbüchern ein „geografisches Denkmal“.

Als eine Hamburger Zeitung einen Wettbewerb ausschrieb und auf der Suche nach einem typisch norddeutschen Roman war, schrieb er „Aber eigentlich ist nichts passiert“ – mit Erfolg. Sein Roman wurde als Buch verlegt, es folgten weitere. Und von allen gab von Horn an diesem Abend Hörproben.

Da nahm der Autor sein Publikum mit in das fiktive Dorf Groß-Lüttsee – da verläuft manches skurril. Es ist die Rede von Kunstmaler Karl Schmidt-Holstein und vom Rentner-Ehepaar Hansen, das auf Anraten der Tochter auf Mallorca überwintert. Damit sind die beiden nicht wirklich glücklich, zumal die häusliche Unzufriedenheit mit auf Reisen genommen wird.

Holmer Zastrow (41) aus Plön stand Dietrich von Horn am Klavier zur Seite. „Er ist mein Schwiegerfreund“, erklärte im Vorfeld von Horn, also Freund seiner Tochter und Vater von deren Kind. Zusammen mit Zastrow tourt er durch Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Und die beiden sind aufeinander eingespielt – ein Blick, eine Handbewegung, und schon greift der Musiker in die Tasten, beginnt zu improvisieren – mit einem Mix aus eigenen Kompositionen, ein bisschen Jazz und auch etwas Klassik.

Insgesamt ein vergnüglich-schöner und kurzweiliger Abend, bei dem die Zuhörer auf ihre Kosten kamen. Allerdings waren nur rund 30 Besucher erschienen. Rainer Koslowski, Besitzer der gleichnamigen Veranstaltungshalle, hatte mit mehr gerechnet. Als im vergangenen Jahr die Gefahr der Schließung der Halle drohte, gab es aus den Reihen der Bürger eine Protestbewegung und über 3600 Unterschriften für den Erhalt der Halle. Koslowski, der mit großem finanziellen Aufwand alle ihm gemachten Auflagen für die Veranstaltungshalle erfüllte, ist enttäuscht über die magere Besucherzahl und fragt sich, wo sie denn alle sind, die 2013 den Bestand der Halle mit ihren Veranstaltungen verlangten.

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