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Kappelner Werkstätten : „Ein außergewöhnlicher Jahrgang“

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Erstmals verlässt ein FSJ-Jahrgang die Kappelner Werkstätten mit der Zusatzqualifikation Betreuungsassistenz.

shz.de von
erstellt am 07.Jul.2017 | 07:00 Uhr

Schon seit Jahren bieten die Kappelner Werkstätten Schulabgängern und anderen jungen Erwachsenen die Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren. Zwölf FSJler waren es im vergangenen Jahr – und Werkstattleiter Henning Herges und Koordinator Ralf Huwe scheinen fast ein wenig traurig, dass das Jahr schon um ist. „Das war ein außergewöhnlicher Jahrgang“, sind sie sich einig.

Selina Behnke ist 20 Jahre alt. Nach ihrem Schulabschluss hat sie eine dreijährige Ausbildung zur Hauswirtschafterin auf einem Ferienhof in Stenderup abgeschlossen. „Die Arbeit mit den vielen verschiedenen Menschen hat mir schon super gefallen“, sagt die Geltingerin. Aber sie wollte ganz sicher sein, dass sie auch in Zukunft in einem sozialen Beruf arbeiten möchte. „Deshalb hab ich das FSJ in den Kappelner Werkstätten angeschlossen“, berichtet sie und freut sich über die Entscheidung. Denn das Jahr lief so erfolgreich, dass Selina Behnke nun sogar bleiben darf. Zum 1. August tritt sie dort eine Stelle als Erziehungshelferin an.

Aber auch für die anderen elf FSJler, die zu Beginn alle im Alter zwischen 16 und 22 Jahren waren und in diesen Tagen verabschiedet werden, hat sich der Einsatz in den Kappelner Werkstätten gelohnt. „Es ist erstaunlich, wie sie sich entwickelt und an Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein gewonnen haben“, erklärt Henning Herges. Einige von ihnen hatten vor dem Jahr keinen Plan, was sie einmal beruflich machen möchten. Nun wollen fast alle von ihnen in einem sozialen Beruf arbeiten. Es sei nicht einfach, einen Ausbildungsplatz als Erzieher zu bekommen, verrät Ralf Huwe, der die zwölf während des Jahres betreut hat, aber fünf von ihnen haben bereits die Zusage für einen Ausbildungsplatz als SPA (sozialpädagogischer Assistent).

Besonders war dieser Jahrgang auch, weil er erstmals eine Zusatzqualifikation zur Betreuungsassistenz in der Diakonie erworben hat. Die 200 Einheiten umfassende Fortbildung, die Dozentin Vera Petersen geleitet hat, wurde in 35 Seminartagen absolviert und mit drei Leistungsnachweisen abgeschlossen. Grundkenntnisse für die Arbeit mit Menschen mit Demenz, geistiger Behinderung oder psychischen Erkrankungen wurden ebenso vermittelt wie Grundkenntnisse in der Pflege. Aber auch ein Erste-Hilfe-Kurs, Rechtskunde, Ernährungslehre oder Biografiearbeit gehörten zu den theoretischen Grundlagen.

Die jungen Menschen nehmen viel mit aus diesem Jahr. „Aber es war eine Win-Win-Situation“, beschreibt Herges weiter. „Sie sind so verantwortungsbewusst mit unseren Beschäftigten umgegangen, sie waren uns eine echte Hilfe.“ 385 Beschäftigte gibt es in den Werkstätten. Das sind Menschen mit Behinderung, die aufgrund ihrer geistigen, körperlichen oder seelischen Beeinträchtigung nicht oder derzeit nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erfolgreich sein können. Die FSJler haben sie bei ihren Arbeiten in den verschiedenen Werkstätten unterstützt, je nach Betreuungsbedarf mal mehr, mal weniger. „Sie haben ihnen über die Schulter geguckt, haben zugehört, waren für sie da“, beschreibt Huwe. „Da sind zum Teil sehr starke Bindungen entstanden, wir haben ein tolles Jahr gehabt.“

Das bestätigt auch Selina: „Wir waren eine super Gruppe. Ich hatte immer Lust, zur Arbeit zu kommen.“ Auch der Austausch untereinander sei intensiv gewesen. „Es passte einfach. Wir waren wie eine große Familie und bleiben sicher auch hinterher noch alle in Kontakt“, sagt Selina Behnke.

Trotzdem wird jetzt erstmal Abschied genommen. Für das kommende Jahr, das für 15 neue FSJler am 1. September beginnt, wünschen sich Herges und Huwe, dass es wieder so ein erfolgreiches wird. „Wir sind bemüht, das wieder so hinzukriegen, aber die Messlatte liegt hoch“, sagt Huwe und lacht.


> Wer sich für das FSJ in den Werkstätten interessiert, kann einen Probetag absolvieren.

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