Kulturstadt Kappeln : Ein Aufbruch als Stadtmuseum

Dieses Bild von Jens Peter Møller, das eine Schlei-Perspektive zeigt, gehört zum städtischen Fundus und könnte bald in einem neu gegründeten Museum hängen. Daran arbeiten Karsten Poppner, Dr. Christina Kohla, Heiko Traulsen und Michael Schmiedel (v.li.).
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Dieses Bild von Jens Peter Møller, das eine Schlei-Perspektive zeigt, gehört zum städtischen Fundus und könnte bald in einem neu gegründeten Museum hängen. Daran arbeiten Karsten Poppner, Dr. Christina Kohla, Heiko Traulsen und Michael Schmiedel (v.li.).

Die Fielmann AG finanziert ein wissenschaftliches Konzept für ein neues Museum, in dem die Exponate des Schleimuseums den Grundstock darstellen.

shz.de von
24. Januar 2015, 08:00 Uhr

Es war im vergangenen Spätsommer, als das Schleimuseum nach langer Zeit mal wieder von sich reden machte. Damals sprach Karsten Poppner, Vorsitzender des Museumsvereins, erstmals laut davon, die Einrichtung vielleicht in einem alten Schweinestall nahe der Mühle „Amanda“ wieder zum Leben erwecken zu können. Jetzt, ein halbes Jahr später, haben diese Gedankenspiele deutlich mehr Substanz erhalten: Getragen und finanziert von der Fielmann AG soll ein wissenschaftliches Konzept erarbeitet werden, das die Grundlage für ein neu einzurichtendes Kappelner Stadtmuseum sein wird. Und die Bestände des Schleimuseums wiederum könnten dabei eine gewichtige Rolle spielen.

Jürgen Ostwald und Michael Schmiedel erscheinen grundsätzlich nie mit leeren Händen in Kappeln. Erst in der jüngeren Vergangenheit haben sie das Kunsthaus Hänisch mit einem großformatigen Gemälde des Kappelner Künstlers Jan Laß und mit knapp 90 Schwarz-Weiß-Fotografien des schleswig-holsteinischen Fotografen Theodor Möller bedacht. Dieses Mal allerdings hatten sich Ostwald, Kunstkenner der Fielmann AG, und Schmiedel, Leiter der Fielmann-Filiale in Eckernförde, nicht auf einzelne Bilder beschränkt – in Idealfall überbrachten sie gleich ein ganzes Museum. Für nicht viel weniger als das nämlich soll Dr. Christina Kohla sorgen. Die Kunsthistorikerin hat den Auftrag der Fielmann AG angenommen, ein wissenschaftliches Papier zu erstellen, das der Anfang eines stadtgeschichtlichen Museums in Kappeln sein soll. Jürgen Ostwald sagte dazu: „Eine Stadt braucht so etwas für ihr Selbstbild.“

Teil dieses Selbstbildes sind die Exponate des Schleimuseums, in großen Teilen nach wie vor eingelagert in einer Halle der früheren Marinewaffenschule in Ellenberg. Aufgabe von Christina Kohla wird es sein, eben diese Stücke zu begutachten und zu kategorisieren, zu sortieren und auch auszusortieren. „Was ist repräsentativ, was ist beschädigt und wovon muss man sich vielleicht trennen“, umreißt die Kunsthistorikerin kurz ihr Vorgehen. Für Karsten Poppner ist diese Fielmann-Förderung derweil so etwas wie ein kleiner Segen. „Ich empfinde das auf jeden Fall als einen Fortschritt“, sagt der Museumsvereinsvorsitzende. Er weiß, dass die eingelagerten Exponate teils gelitten haben „und dass auch nicht alle ausstellungswürdig sind“. Und er betont: „Mit Christina Kohla und der Fielmann AG haben wir endlich die kompetente Unterstützung, die wir brauchen.“

Tatsächlich ist das Schleimuseum am Ende nur der Grundstock eines neuen musealen Zuhauses in Kappeln. Das Konzept soll weiter reichen, Christina Kohla soll Inhalte privater Sammlungen, des Stadtarchivs, der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, des Flensburger Museumsberges oder des Nationalmuseums Kopenhagen zusammentragen – eben überall dort forschen, wo sich zur Stadtgeschichte Kappelns etwas finden könnte. Und Jürgen Ostwald prophezeit ihr schon jetzt jede Menge Arbeit, denn: „In dieser Form hat das noch nie jemand gemacht.“ Auch deshalb ist das Ende des Projekts Konzepterstellung offen, Kohla kalkuliert zumindest den Rest des gerade begonnenen Jahres dafür ein.

Bürgermeister Heiko Traulsen ist glücklich über die Entwicklung. „Ein Museum ist ein weiterer kultureller Mosaikstein, der eine Stadt lebenswerter macht“, sagt er. Und auch wenn die Frage eines möglichen Standortes noch vollkommen offen ist – wie übrigens auch die Überlegungen, wie ein Museumsbetrieb am Ende finanziert wird –, fallen die Auffassungen des Bürgermeisters eindeutig aus. „Natürlich wäre der Standort an der Mühle ideal“, sagt Traulsen. Und: „Wenn man von Beginn an die Frage der Nachhaltigkeit stellt, hätte man vieles gar nicht erst angefangen.“

Eben um diesen Anfang aber geht es nun, und natürlich blickt Jürgen Ostwald schon ein bisschen darüber hinaus, wenn er sagt, dass die erste Sonderausstellung des neuen Museums schon feststeht: „Wir wissen, dass das noch Zukunftsmusik ist, aber wenn es soweit ist, möchten wir gerne Bilder des gebürtigen Kappelners Kay H. Nebel zeigen.“ Auch Christina Kohla spricht bereits jetzt von einem „möglichst zeitgemäßen, lebendigen Museum“, das einerseits die Geschichte der Stadt und der Region darstellt, sich andererseits aber flexibel zeigt und sein festes Repertoire etwa durch Vorträge und Events bereichert.

Wie viel sich die Fielmann AG die Konzepterstellung genau kosten lässt, mag weder Ostwald noch Schmiedel sagen. Jährlich sollen insgesamt aber bis zu 300.000 Euro für Projekte wie dieses fließen. Offen ist auch, ob das Museum am Ende die Silbe „Stadt“ oder „Schlei“ im Namen trägt. Für Karsten Poppner spielt das aber ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. „Hauptsache ist doch“, sagt er, „das Museum steht in Kappeln“.

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