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Schlei-Bote

17. Oktober 2017 | 09:57 Uhr

Kappeln : Durchbruch beim Stadtmarketing

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH und die Ostseefjord-Schlei GmbH einigen sich auf einen Kompromiss.

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2016 | 07:15 Uhr

Und plötzlich ging doch alles ganz schnell: In der Frage um die künftige Ausrichtung der Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH (WTK) ist offenbar der Durchbruch erzielt worden – und das innerhalb eines verlängerten Wochenendes. Mehr Zeit brauchten WTK und Ostseefjord-Schlei GmbH (OFS) am Ende nicht, um ein eigenes, offenbar konsensfähiges Modell für die Zukunft der WTK zu erarbeiten. Seit Frühjahr des vergangenen Jahres lag die Problematik, in Form des bevorstehenden Renteneintritts des bisherigen WTK-Geschäftsführers Jürgen van Schöll, auf dem Tisch. Doch eine Entscheidung gab es nicht. Bis jetzt.

Zusammengefasst sieht die Idee von WTK und OFS so aus: Jürgen van Schöll bleibt über sein am 31. März endendes reguläres Arbeitsverhältnis hinaus bis zum 30. Juni im Amt. Zum 1. Juli übernimmt Max Triphaus, Geschäftsführer der OFS, van Schölls Posten als Mini-Job. Van Schöll erhält zum gleichen Datum einen zunächst unbefristeten Beratervertrag. Als Jürgen van Schöll diese Vereinbarung dem Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Touristik (WuT) am Dienstagabend vortrug, klopften dessen Mitglieder danach anerkennend auf den Tisch – spürbar lang und kräftig.

Rückblick: Die Zukunft der für das Stadtmarketing verantwortlichen WTK hat einen inoffiziellen Arbeitskreis seit Monaten beschäftigt. Hintergrund ist van Schölls Eintritt in das gesetzliche Rentenalter sowie der Wunsch, die WTK neu auszurichten. Im Sommer lagen dazu drei Vorschläge auf dem Tisch, die jedoch erst zum Jahresende öffentlich wurden. Erstens: Max Triphaus übernimmt die Geschäftsführung der WTK als Mini-Job, ein Stadtmanager, der eine Hilfskraft erhält, wird bei der WTK angestellt. Zweitens: Die WTK-Geschäftsführung wird im Rathaus angesiedelt, zusätzlich soll ein Stadtmanager beschäftigt werden. Drittens: Jürgen van Schöll behält sein Amt mit reduzierter Stundenzahl und Hilfskräften über den 31. März hinaus.

Der Wirtschaftskreis Pro Kappeln (WPK), der 48,5 Prozent der WTK-Anteile hält, hatte sich eindeutig für die erste Variante ausgesprochen, gleiches galt für die beiden großen Fraktionen der Stadtvertretung. Die Stadt ist mit 50,5 Prozent der Anteile WTK-Mehrheitsgesellschafter, das übrige Prozent hält der Touristikverein.

Jürgen van Schöll nutzte nun die Ausschusssitzung, um – so schien es – sich auch einmal Luft zu verschaffen. Bereits im Frühjahr 2015 habe er der Gesellschafterversammlung angeboten, über den Stichtag Ende März hinaus weiterzumachen. Im August habe er sein Angebot wiederholt. „Bis zum Jahresende wurde nicht darauf eingegangen“, sagte der WTK-Geschäftsführer. Vor der jüngsten Gesellschafterversammlung am 8. Januar sei er gefragt worden, ob er den Stadtmanager-Posten mit Max Triphaus als WTK-Geschäftsführer übernehmen wolle. „Das habe ich abgelehnt“, sagte van Schöll, ohne Gründe zu nennen. Auch auf die Frage, ob er über den 31. März hinaus weiter arbeiten wolle, habe er geantwortet: „Am 31. März ist Schluss.“ Allerdings: „Das war das erste Mal, dass das Thema dort überhaupt aufgegriffen wurde“, sagte van Schöll. Im Anschluss an die Versammlung habe er ein sehr intensives Gespräch mit dem Stadtvertreter Matthias Mau geführt, das am nächsten Tag fortgesetzt wurde. Kurz vor der WuT-Ausschusssitzung habe er dann mit Triphaus den, so nannte van Schöll es, eingangs erwähnten „Kompromiss“ erarbeitet. „Am Ende stehe ich als Geschäftsführer in der Verantwortung. Und ich bitte Sie, diesem Vorschlag zu folgen“, forderte er den Ausschuss auf, „um eine ordnungsgemäße Übergabe der WTK zum Wohle der Stadt zu gewährleisten“.

Max Triphaus, der mehrfach betonte, die WTK-Geschäftsführung nicht als OFS-Chef sondern als Person Max Triphaus zu übernehmen, nannte diesen Kompromiss „die beste Lösung, die wir finden konnten“. Das Wissen van Schölls bleibe so erhalten, er selber sei gezwungen, „sich noch mehr mit Kappeln auseinanderzusetzen“. Auch die Bewerber für den künftigen Stadtmanager will er mit van Schöll gemeinsam sichten. Auf Nachfrage Theo Kalmars (LWG) nahm Triphaus zudem seine noch im Juni formulierte Forderung, das 70.000 Euro umfassende Defizit der WTK bei Übernahme der Geschäftsführung aufzulösen, zurück. „Es gibt ein Angebot von Stadt und Wirtschaftskreis, 10.000 Euro einzuzahlen“, sagte Triphaus. „Das würde mir reichen.“ Matthias Mau (CDU) nutzte diesen Punkt, um einzuwerfen, dass er „deutliche Zeichen“ aus der Wirtschaft erhalten habe, wonach die WTK auch darüber hinaus finanziell unterstützt werden solle.

Während sich Norbert Dick (Grüne) „erstaunt“ über die Entwicklung zeigte und sich dafür stark machte, Stadtmarketing und OFS nicht zu verquicken, nannte Philipp Schmitt (CDU) den Kompromiss „sehr sinnvoll“. Peter Koch (LWG) äußerte Skepsis hinsichtlich der möglichen Haftung eines Geschäftsführers, der auf Mini-Job-Basis agiere. Wolfhard Kutz von der Verwaltung erklärte jedoch, dass die Haftung eines Geschäftsführers unabhängig von dessen Entschädigung gegeben sei. Mau sah in der neuen Nachfolgeregelung „genug Handlungsspielraum“ für die Gesellschafterversammlung und sagte: „Jürgen van Schöll hat uns Zeit zur Verfügung gestellt.“ Und Lars Braack (SPD) meinte: „Ich weiß nicht, was es an diesem Kompromiss auszusetzen gibt?“ Sieben Ausschussmitglieder votierten für den von van Schöll vorgestellten Vorschlag, drei enthielten sich. Hauptausschuss und Stadtvertretung befassen sich ebenfalls mit dem Thema, ehe im Februar die Gesellschafterversammlung mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit ihre Entscheidung treffen muss.

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