Arnis : „DRK? Das war gar keine Frage“

Das rote Kreuz ist seit jeher das Emblem der Hilfsorganisation: Die Arnisser DRK-Vorsitzende Karin Borngräber und ihre Mitglieder Erika Kotenbeutel, Margret Hacke und Elke Kriete (v.li.) stehen vor dem Margarethen-Schrank im Arnisser Rathaus.
Das rote Kreuz ist seit jeher das Emblem der Hilfsorganisation: Die Arnisser DRK-Vorsitzende Karin Borngräber und ihre Mitglieder Erika Kotenbeutel, Margret Hacke und Elke Kriete (v.li.) stehen vor dem Margarethen-Schrank im Arnisser Rathaus.

Der Arnisser Ortsverein feiert am Sonnabend sein 100-jähriges Bestehen – blickt aber etwas sorgenvoll in die Zukunft.

shz.de von
17. August 2018, 07:00 Uhr

Ein ganz exaktes Datum gibt es nicht. Irgendwann im Laufe des Jahres 1918. Die vielen Verwundeten und Toten zum Ende des Ersten Weltkriegs mögen in Arnis der Grund gewesen sein, einen Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ins Leben zu rufen. Morgen feiert dieser Ortsverein mit geladenen Gästen sein 100-Jahr-Jubiläum und blickt auf eine ereignisreiche Zeit mit vielen Veränderungen zurück – und gleichzeitig mit einer Sorgenfalte in die Zukunft.

Treffpunkt Arnisser Rathaus. Aus gutem Grund. Im Trauzimmer nämlich steht der Margarethen-Schrank, der, lange bevor es den DRK-Ortsverein gab, in Arnis die häusliche Krankenpflege sicherstellte. Sozusagen als Vorläufer des DRK. Und so stand dann auch über die Anfangs-Jahrzehnte des Vereins eben jener Aspekt der Krankenfürsorge im Mittelpunkt. Die DRK-Mitglieder kochten für Kranke und Ältere, verteilten Lebensmittelspenden, halfen aber auch bei Umzügen. Einiges davon, sagt Karin Borngräber, seit 2012 Vorsitzende im Arnisser Ortsverein, habe sich bis in die Gegenwart gehalten. „Wir kochen immer noch für Kranke, haben einen Besuchsdienst oder gehen für Ältere einkaufen“, erklärt sie.

Trotzdem: Die Gewichtung hat sich mittlerweile verschoben. Während früher Themen wie Gesundheitsvorsorge, Erwachsenenbildung, Hygieneschulung Schwerpunkte bildeten, ist es heute der Gemeinsinn, der dem DRK besonders am Herzen liegt. Karin Borngräber spricht von Spielenachmittagen, Kaffeetafeln, kleinen Ausflügen, Weihnachtsfeiern, Grillabenden, auch von DRK-lern, die eine blinde Arnisserin regelmäßig zu Spaziergängen abgeholt haben – lauter Angebote, die sich in erster Linie an Senioren richten und die regelmäßig äußerst gut besucht werden. Gleichzeitig aber legen sie gleich zwei aktuelle Probleme des Arnisser Ortsvereins offen. „Wir haben keinen Nachwuchs, und für größere Bustouren kriegen wir nicht genug Teilnehmer zusammen“, sagt Borngräber. Für das Zweitgenannte spielt sie gedanklich mit der Lösung, andere Ortsvereine zu animieren zusammenzuarbeiten, um einen Bus für einen Tagesausflug vollzukriegen. Dem Erstgenannten allerdings steht der gesamte Vorstand ein wenig ratlos gegenüber.

43 Mitglieder zählt der Ortsverein derzeit, acht davon sind Männer. Zu Spitzenzeiten, Mitte der 60er-Jahre, gehörten 120 Mitglieder zum DRK Arnis. „Wir fragen uns schon, wie es weitergehen soll“, räumt die Vorsitzende ein. „Jüngere Mitglieder bringen neue Ideen, und wir würden gerne unser Programm verändern, wenn es dazu beiträgt, dass der Verein erhalten bleibt.“ Erika Kotenbeutel, selbst langjähriges DRK-Mitglied, erinnert sich an Zeiten, in denen es Usus war, dass die Männer zur Feuerwehr und die Frauen zum DRK gingen – „das war gar keine Frage“. Heute ist es eine, auch weil die Auswahl an Vereinen gewachsen ist. Und ein bisschen kämpft das Arnisser DRK auch darum, wieder eine fixe Anlaufstelle zu haben. Nach dem Verkauf des Gemeindehauses finden Veranstaltungen in der Regel im Sitzungssaal des Rathauses statt. Die Folgen: Die DRK-Damen müssen bei Wind und Wetter Geschirr hin- und herschleppen, schwere Kaffeekannen durch die Straßen tragen. Karin Borngräber sagt: „Wir machen das wirklich gerne, aber wir kommen an Grenzen. Das darf kein Dauerzustand sein.“

Fest steht aber auch: Die selbst gebackenen Torten der DRK-Mitglieder sind schwer gefragt. Bei der 350-Jahr-Feier im vergangenen Jahr, beim regelmäßigen Stadtfest, bei Bingo-Nachmittagen – „die Rezepte werden immer weitergereicht“, sagt Borngräber. Wenn also auch die Mitgliederzahl des Ortsvereins sinkt, hat der Verein selbst nichts von seiner Präsenz in der Stadt eingebüßt.

Und das soll eben auch morgen ab 11 Uhr in einem Festzelt am Strand gefeiert werden. Langjährige Mitglieder werden geehrt, es gibt Musik von Rita Gäbler und Jürgen Lossack und – natürlich – Kaffee und Kuchen. Und das Credo für die nächsten 100 Jahre? Karin Borngräber lächelt und sagt: „Wir müssen einfach am Ball bleiben.“

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