zur Navigation springen

Norddeutsche Realisten unterwegs : Drei Vagabunden mit Pinsel und Farbe

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Norddeutschen Realisten Lars Möller, Till Warwas und Ulf Petermann malen unter freiem Himmel an der Schlei. Ihre Bilder werden im nächsten Sommer in Kappeln und Flensburg ausgestellt.

Morgens aufstehen, gucken, was das Wetter macht, danach ins Auto und entscheiden, wo es heute hingehen soll. So oder so ähnlich beginnt derzeit jeder Tag bei Lars Möller, Till Warwas und Ulf Petermann. Die drei Maler haben sich auf einem Ferienhof in Gulde einquartiert, von dort starten sie täglich ihre Tour mit ungewissem Ausgang. Ausgerüstet mit Farben, Pinseln, Staffelei und viel Lust auf die Schlei vagabundiert das Trio durch die Region. Und selbst, wenn es sich morgens darauf einigt, Sieseby anzusteuern, kann es passieren, dass unterwegs, gleich nach einer Kurve, das Licht so sensationell, der Blick so einmalig und die Szenerie so besonders ist, dass Sieseby erstmal hinten anstehen muss. Möller, Warwas und Petermann malen die Gegend so, wie sie ist, jetzt, mitten im September. Im Frühjahr sind sie schon einmal hier gewesen, und im Sommer nächsten Jahres wollen sie ihre Ergebnisse zeigen.

„Jetzt beginnt erstmal der Aufbauritus. Das dauert ein bisschen.“ Till Warwas schleppt Staffelei und Malkoffer ans Ufer am Museumshafen. Eine Weile steht er einfach nur da, blickt raus auf die Boote. Zwei Schritte nach links, einen halben zurück nach rechts. Dann hat er sie, die beste Position. „Im Moment finde ich den Himmel ganz schön“, sagt er. „Und den Blick hinter diesem einen Boot, das ich mir ausgesucht habe.“ Zu beiden Seiten Warwas’ bauen sich Lars Möller und Ulf Petermann auf. Und Möller ist es, der als erster Farbe auf seiner Leinwand hat – allerdings nicht bevor auch er sich mit beiden Händen den perfekten Ausschnitt für sein Motiv ausgesucht hat.

Das Wetter spielt den dreien dabei in die Karten – ein Umstand, der gerade in dieser ausklingenden Woche keine Selbstverständlichkeit war. „Regen und Wind sind die größten Herausforderungen“, sagt Lars Möller. „Auf einer feuchten Leinwand haftet die Farbe nicht gut.“ Gerade vorgestern hätten sie deshalb überlegt, die Sache abzubrechen, ehe ihnen „die rettende Idee“ kam, sich unter der Schleibrücke aufzubauen. „Aber auch das kannst du nicht eine ganze Woche machen“, sagt Möller. „Dann wird’s irgendwann langweilig, weil du immer das Gleiche siehst.“ Gestanden haben sie daher auch schon in Sundsacker mit Blick über die Schlei auf Arnis, Lindaunis und Rabel waren weitere Stationen. „‚Und als wir im Frühjahr hier waren, waren wir ganz heiß auf den Raps“, sagt Möller und lacht.

Schwer fällt es dem Trio nicht, sich auf ein Motiv zu einigen. Vielmehr besteht für sie genau darin der Reiz. Ulf Petermann sagt: „Es ist spannend zu sehen, wie wir uns dem gleichen Motiv auf unterschiedliche Weise annähern.“ Zwischen den Malern herrscht so etwas wie eine liebevolle Grobheit. Dass sie gut miteinander auskommen, ist nicht zu übersehen. Sie flachsen und lachen viel, scheinen sich schon jetzt auf ihre gemeinsamen Ausstellungen im nächsten Sommer zu freuen.

Parallel werden ihre Bilder, die derzeit entstehen, dann in der Flensburger Kunsthandlung Messerschmidt und im Kappelner Kunsthaus Hänisch gezeigt. Dessen künstlerische Leiterin Dr. Christina Kohla ist es gewesen, die diese besondere Konstellation – erst das aktive Malen an der Schlei, danach die Ausstellung des Entstandenen – ermöglicht hat. Kohla erzählt von den 80er-Jahren, in denen es gang und gäbe gewesen sei, dass Künstler unter freiem Himmel gemalt hätten – „dann kam eine lange Zeit, in der sich das niemand mehr getraut hat“. Dabei habe genau dieser Prozess viel mit künstlerischem Gespür zu tun, mit Inspiration, mit Unmittelbarkeit und großer Lebendigkeit. Kohla: „Ich freue mich, dass uns die Maler dadurch die Chance geben, am Zeitgeist teilzuhaben.“

Ziemlich stark wird genau davon derzeit auch Corinna Graunke ergriffen. Ihr Ferienquartier ist es, das die Maler in diesen Tagen beanspruchen, eben dort werden auch sämtlich Bilder (Warwas: „An guten Tagen schaffen wir zwei bis drei pro Nase.“) gelagert. Erste Konsequenzen spürt Graunke schon jetzt. „Ich sehe auf einmal den Kappelner Himmel ganz anders“, sagt sie und lacht. „Ich ertappe mich dabei, morgens zu überlegen, ob Ulf Petermann jetzt das richtige Blau vorfindet.“

Ob das der Fall gewesen ist, können alle anderen erst im nächsten Jahr herausfinden. Die Tendenz allerdings ist eindeutig, sonst hätte Till Warwas nicht schon jetzt so etwas wie einen Arbeitstitel für die gemeinsame Ausstellung parat. „Es ist ein Lobgesang auf eine Landschaft“, sagt er. Dann setzt auch er seinen ersten Strich auf die Leinwand.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 14.Sep.2013 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen