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Schlei-Bote

13. Dezember 2017 | 06:58 Uhr

Kappeln : DLRG verliert über 50 Mitglieder

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Nach dem Ende der Schwimmhalle sind vor allem Jugendliche ausgetreten. Trainingsstätten sind künftig Flensburg und Kronsgaard.

Das endgültige Aus für die Schwimmhalle in Ellenberg im vergangenen Dezember ist für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Kappeln eine mehr als bittere Pille. Die Zahl der Mitglieder hat sich drastisch von 230 auf nur noch 178 verringert – vor allem Jugendliche kehrten der DLRG den Rücken. Der Grund: ohne Schwimmhalle kein Training und keine Ausbildung. Das drückt die Stimmung erheblich, doch die verbliebenen Mitglieder wollen den Kopf nicht in den Sand gesteckt. Der Vorstand hat sich nach anderen Trainings- und Ausbildungsmöglichkeiten umgeschaut. Alles nicht optimal, sehr zeit- und finanzaufwändig – doch alle sind sich einig, dass „wir das Beste draus machen müssen“.

Bei der Jahresversammlung – eine relativ kleine Runde – konnte weder Kappelns Bürgermeister Heiko Traulsen noch Jan Meyer aus Flensburg, stellvertretender DLRG-Kreisvorsitzender und Justitiar des Landesverbandes, Optimismus verbreiten. „Ich kann keine Hoffnung versprühen“, merkte der Bürgermeister an und verwies darauf, dass es laut Kiel keine Förderung mehr für den Bau von Schwimmbädern gebe. Allerdings habe die Stadt es geschafft, zumindest für das Schulschwimmen eine Lösung zu finden – sommertags im Freibad von Süderbrarup. Zwar könne auch in Damp geschwommen werden, doch sei das dortige Bad nicht wettkampf-geeignet. Das alles drücke naturgemäß die Stimmung. Traulsen: „Ich hoffe, dass die verbliebenen Mitglieder dennoch der DLRG die Stange halten.“

Jan Meyer machte aus seinem Frust keinen Hehl, als er sagte: „Die Schließung des Ellenberger Schwimmbades ist für die DLRG eine Katstrophe.“ Er fügte hinzu, dass damit die DLRG Kappeln, die einst über 400 Mitglieder zählte, in ihrer Existenz bedroht sei. Und noch mehr: Bedroht sei auch die Fortführung des Wachdienstes an den Ständen. Wenn überall Schwimmhallen als Trainingsstätten wegbrechen, sei die Ausbildung gefährdet. Meyer: „Was in Kappeln geschieht, beobachte ich mit großer Sorge.“ Dass die Verantwortlichen in dieser existenziellen Krise alles versuchen, um Ausbildung und Training irgendwie fortzusetzen, verdiene große Anerkennung.

Auch der vor einem Jahr gewählte neue DLRG-Vorsitzende Daniel Schlenzka zog zunächst eine mehr als ernüchternde Bilanz, beschrieb dann aber, wie das Training der Mitglieder künftig aussieht. So findet das Training für Jugendliche jetzt im Flensburger Campusbad statt – jeweils eine Stunde von 16 bis 17 Uhr am Dienstag und Donnerstag. Während für den Donnerstag-Termin jeder für sich regeln muss, wie er nach Flensburg kommt, ist für den Dienstag zusammen mit der DLRG Gelting-Golsmaas-Hasselberg (GGH) ein Bus-Shuttle eingerichtet worden. Gestartet wird um 14.45 Uhr in Kappeln am Zob, Zusteigemöglichkeiten gibt es in Gelting und Steinbergkirche. Begleitet wird diese Bus-Tour von der neuen Beisitzerin Barbara Bock aus Mehlby, zuständig für den Jugendbereich. Derzeit nutzen rund 20 DLRG-Mitglieder dieses Angebot – Bock hofft auf mehr, damit sich die Kosten in Grenzen halten. Und darauf baut auch Kassenwart Reiner Klingbeil. Er erläuterte nicht nur die Bilanz für 2014, die mit einem Minus von rund 2700 Euro abschließt, sondern auch den Haushaltsplan für dieses Jahr. Auch der wird negativ abschließen – Klingbeil sprach von voraussichtlich 1650 Euro. Das bedeutet, dass sich die Rücklage auf dann nur noch 2700 Euro verringert. Klingbeils Prognose: „Wir werden in diesem und im nächsten Jahr finanziell noch über die Runden kommen. Aber für 2017 droht das endgültige finanzielle Aus.“

Die Situation ist insgesamt also mehr als misslich. Während im ersten Halbjahr 2014 die Schwimmhalle noch gut besucht war, Ausbildung und Training wie gehabt durchgeführt wurden, begann angesichts der drohenden Schließung der große Einbruch nach den Herbstferien. Erfreulich war da, was die technische Leiterin Ilona Mende zu berichten hatte. Von den Schwimmanfängern erfüllten 26 die Bedingungen für das „Seepferdchen“-Anzeichen – darunter zwölf Kinder, die gerade vier Jahre alt waren. Für sie geht es zur Freude von Ilona Mende weiter – im Bad des Landhauses Ostseeblick in Pottloch. Mende: „Ich bin froh, dass wir da weitermachen können – dienstags und donnerstags ab 15 Uhr.“ Ein erster „Seepferdchen“-Kursus ist bereits angelaufen, und das Interesse ist groß.

Nachzutragen bleibt, dass es im Vorfeld der Mitgliederversammlung eine Zusammenkunft der Jugendlichen hatte geben soll. Doch die fiel „mangels Masse“ aus, so dass auch kein neuer Jugendwart benannt werden konnte.

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