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Kulturbankett in Kappeln : Die Vielfalt der Menschen an einem Tisch

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Kappelner Werkstätten haben mit zwei weiteren Einrichtungen aus Lübeck und Hildesheim für 450 Menschen unter freiem Himmel gekocht.

shz.de von
erstellt am 19.Jun.2017 | 07:00 Uhr

Ein paar Zahlen vorab? 40 Kilogramm Möhren, 100 Kilogramm Fleisch, 110 Kilogramm Kartoffeln, 60 Kilogramm Pastinaken. Diese Angaben rattert Haris Topic mal eben so runter, als er am Sonnabendabend gegen halb acht seinen 25. Braten aufschneidet. „Und wenn man uns alle zusammennimmt“, sagt der Mann aus der Küche der Kappelner Werkstätten, blickt auf seine sechs Mitstreiter und lacht, „sieben Liter Schweiß in den vergangenen zwei Stunden“. Es ist warm am Sonnabend, als die Werkstätten gemeinsam mit der Lebenshilfe Hildesheim und der Vorwerker Diakonie Lübeck zum „Kulturbankett“ auf den Deekelsenplatz laden. Spitzenwetter für eine durchweg gelungene Veranstaltung, die nicht nur bei den Protagonisten selber, sondern vor allem bei den geschätzt 450 Besuchern richtig gut ankommt.

Als einen „Tag der Begegnung“ ruft Stefan Lenz, Werkstätten-Geschäftsführer, das „Kulturbankett“ aus – und eben das sollte es auch werden. Geduldig stehen die Menschen in der Schlange vor den drei Stationen, an denen das Essen ausgegeben wird, lockere Gespräche beim gemeinsamen Warten, kurzer Schnack mit den Mitarbeitern und Beschäftigten der drei Einrichtungen, alle mittendrin, Alte und Junge, Urlauber und Einheimische, Menschen mit und ohne Behinderungen. „Es ist schön, dass so viele gekommen sind“, wird Lenz hinterher sagen. Was er sich vermutlich nur wünschen kann, ist das, was seine Besucher aus diesem Abend mitgenommen haben. Ein tolles Essen, klar. Eine gelöste Atmosphäre, bestimmt. Aber eben auch ein glückliches Miteinander von Menschen mit unterschiedlichen Talenten und Einschränkungen, das zweifelsohne gelingen kann, wenn man sich darauf einlässt.

Die 450 Gäste, die am Sonnabend an fünf langen Tischreihen sitzen, lassen sich gerne darauf ein, und die drei Einrichtungen bekochen sie gerne. Frank Schaade, Fachkraft für Arbeit und Berufsförderung in Lübeck, war vor zwei Jahren, als dieselben drei Einrichtungen unter freiem Himmel in Hildesheim gekocht haben, dabei. Über Kappeln sagt er: „Es ist genauso lebendig, aber viel familiärer.“ Silvia Meenken, Gruppenleiterin der Hildesheimer Küche, ist genauso angetan. „Es ist einfach richtig schön“, sagt sie. Und Landesbischof Gerhard Ulrich, als Heringskönig unter den Gästen, würdigt das „schöne Bild“ auf dem Deekelsenplatz, das „die Vielfalt der Gesellschaft“ zeige.

Und auch wenn spätestens als das erste Stück Braten über den Tisch geht, klar ist, dass dieser Abend gelingen wird, kann Stefanie Schröder, Kappelner Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung, ihre Aufregung nur langsam ablegen. „Vor zwei Jahren haben wir nur mitgemacht, jetzt sind wir selber in der Verantwortung“, sagt sie. „Das ist schon etwas Anderes.“ Später wird sie ihr „toll funktionierendes Team“ loben und das „schöne Zusammenspiel von Menschen mit und ohne Behinderung“. Und eine kleine Lehre ziehen: „Das nächste Mal sollten wir darauf achten, auch etwas Vegetarisches anzubieten“, sagt Schröder. Für ihren Chef Karl-Heinz Scheuern, Abteilungsleiter der Zentralküche, wird das kaum einen Unterschied machen. Er ist am Sonnabend so angespannt, dass er ohnehin nichts runterbekommt. „Ich esse morgen“, antwortet er am frühen Abend auf die Frage, ob er selbst schon probiert habe. Dann lächelt er. „Oder vielleicht nachher noch.“ Wüsste er, was beispielsweise sein Gast Manfred Wiechmann sagt („Eine echt tolle Sache!“) oder Gast Peter Wengel („Herrlich!“) – Scheuern hätte sich ganz entspannt schon viel eher in die Essensschlange einreihen können.

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