Kappelner Stadtbücherei : „Die Verständigung klappt gut“

Spaß bei der Arbeit: Eva-Lena Brock muss nicht hören können, um ihr Praktikum in der Stadtbücherei zu meistern.
Spaß bei der Arbeit: Eva-Lena Brock muss nicht hören können, um ihr Praktikum in der Stadtbücherei zu meistern.

Eva-Lena Brock ist gehörlos und macht gerade ihr zweites Praktikum in der Stadtbücherei Kappeln.

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21. März 2018, 12:00 Uhr

Ein bisschen Flexibilität ist gefragt, aber da spielen alle gern mit. Eva-Lena Brock ist zurzeit Praktikantin in der Stadtbücherei Kappeln, und etwas an ihr ist anders als an den anderen Praktikanten, denn Eva-Lena ist gehörlos.

Eva-Lena ist 17 Jahre alt und wohnt mit ihrer Familie in Kappeln. Sie geht in die Flex-Klasse 10 auf die Gehörlosenschule in Schleswig – eine Klasse, in der viele Praktika zur Berufsfindung an der Tagesordnung sind. Bereits im November vergangenen Jahres hat sie ein Praktikum in der Stadtbücherei in Kappeln gemacht. „Sie ist Leserin bei uns, und irgendwann hat ihre Mutter einfach angefragt“, berichtet Petra Herzig, Leiterin der Stadtbücherei.

Fünf Wochen lang half Eva -Lena, hatte viel Spaß und legte Fingerfertigkeit und Geschick an den Tag. „Sie ist besonders gut im Signieren und Foliieren von Büchern und DVDs“, sagt die Leiterin. Als eine Kita-Gruppe zu Gast war, hat Eva-Lena die Lesung von Petra Herzig mit Gebärdensprache begleitet. „Die Kita-Kinder waren sehr interessiert und fanden es toll“, so Petra Herzig. Eva-Lena nickt, lacht und zeigt mit ihren Händen, wie man auch ohne Worte Maus, Haus oder Reh „sagen“ kann. „Als ihr Praktikum im Dezember zu Ende ging, waren wir alle traurig.“

Auch Eva-Lena hat es gefallen – als Antwort auf die Frage strahlen ihre Augen und die Daumen gehen nach oben. Sie hat auch schon andere Praktika gemacht – in der Altenpflege in Kappeln und im Hotel Alter Kreisbahnhof in Schleswig – aber die Arbeit in der Bücherei liegt ihr mehr. Als der Integrationsfachdienst nachfragte, ob sie noch einmal in die Stadtbücherei kommen dürfte, wurde nicht lange gefackelt. Jetzt steht Eva-Lena den Mitarbeitern bis Ostern hilfreich zur Seite: Dreimal in der Woche praktische Arbeit, die anderen beiden Tage geht es zur Schule.

„Die Verständigung klappt gut“, sagt Petra Herzig. „Wir reden langsam, schreiben viel und zeigen uns Dinge mit den Händen.“ Einmal hat eine Büchereibesucherin Eva-Lena direkt angesprochen. Sie suchte ein bestimmtes Buch. „Einer von uns ist ja immer in der Nähe. Ich hab Eva-Lena dann gezeigt, wie sie recherchiert, und sie hat das gesuchte Buch dann gefunden“, sagt sie. „So konnte sie helfen, ohne dass die Benutzerin gemerkt hat, dass Eva-Lena sie gar nicht gehört hat.“

Eva-Lena versieht neue Bücher mit Etiketten, guckt bei den Krimis, welche Ausgaben in einer Serie fehlen, und komplettiert sie. Sie bearbeitet die DVDs, recherchiert und katalogisiert. „Sie ist sehr geschickt und arbeitet besonders am Computer konzentriert und schnell“, lobt die Chefin. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnte, auch später in einer Bücherei zu arbeiten, wiegt Eva-Lena den Kopf leicht hin und her. „Ich werde im Juni aus der Schule entlassen, dann mache ich eine BVB (Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme) in Husum.“ Im Theodor-Schäfer-Werk haben junge Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, noch weitere unterschiedliche Berufe auszuprobieren. Und das möchte Eva-Lena. Sie kann sich gut vorstellen, einmal in einer Bücherei zu arbeiten, aber sie ist vielseitig interessiert. Sie liest gern. „Fünf Freunde (manche), Gregs Tagebuch und Comics“ schreibt sie als Beispiele auf. Und: „Zuhause habe ich viele Mangas.“

Außerdem mag sie gern mit dem Handy filmen und fotografieren. Sportlich hat sie mal Fußball gespielt – bei der FSG Ostseeküste. „Und Basketball ist mein Lieblingshobby“ berichtet Eva-Lena. Sie spielt nicht im Verein, aber gern in der Schule. In der kommenden Woche ist ein Turnier, da hofft sie auf den Sieg für ihre Klasse und ist ehrgeizig. „Ja, das merkt man hier in der Stadtbücherei auch manchmal“, sagt Petra Herzig und lacht. „Hast du schon viele Körbe geworfen?“, will sie von Eva-Lena wissen. Die winkt ab und schnaubt ein bisschen: „Klar, ganz schön viele“, heißt das.

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