Kappeln/Damp : Die vergessene Beisetzung

Lichtdurchflutet und friedlich: Der Ruheforst Damp  /  Thiergarten ist ein schöner Ort für die letzte Ruhestätte.
Lichtdurchflutet und friedlich: Der Ruheforst Damp / Thiergarten ist ein schöner Ort für die letzte Ruhestätte.

Hinterbliebene finden die Grabstätte im Ruheforst unvorbereitet vor. Verantwortliche entschuldigen sich und erweitern ihr Kontrollsystem.

shz.de von
30. Mai 2018, 07:00 Uhr

Seinen Frieden sollte er inmitten der Bäume des Ruheforstes Damp finden. Jedoch verlief die Beisetzung des Glasermeisters so gar nicht plangemäß.

Der 86-jährige Kappelner schwamm regelmäßig in der Ostsee, um seine körperliche Fitness zu erhalten – bei Wind und Wetter. Doch das diesjährige Anbaden in Damp stellte sich als das letzte heraus. Denn nachdem er das Wasser verlassen hatte, versagte sein Herz. „Als meine Mutter anrief, dachte ich, sie wollte mir ein frohes neues Jahr wünschen“, erinnert sich sein Sohn (55) aus Berlin. Aber die Mutter rief an, um ihm mitzuteilen, dass der Vater durch Herzversagen zu Tode gekommen war. „Das war für uns schon alles sehr dramatisch“, berichtet er weiter.

Für Februar war die Trauerfeier im Ruheforst Damp / Thiergarten, der vor vier Jahren von Alexander Graf zu Reventlow eröffnet worden war, geplant. Sie war genaustens vorbereitet, der Baum ausgewählt und ein Termin vereinbart. Das Ganze sollte an einem Sonnabend im familiären Rahmen, ruhig und zurückgezogen, stattfinden.

Die Schwester des Verstorbenen hatte persönlich eine Ansprache vorbereitet. Doch alles kam anders. Die 20 Trauergäste – darunter unter anderem Sohn und Schwiegertochter aus Berlin, sowie extra Angereiste aus England, Niedersachsen, Hamburg und Glücksburg, trafen zum verabredeten Zeitpunkt mit der Urne, die ihnen zuvor von einem Kappelner Bestatter übergeben worden war, im Ruheforst ein. Dort warteten sie jedoch vergebens auf eine Beisetzung, da sie die Grabstätte unvorbereitet vorfanden. Sie versuchten etliche Male, telefonisch Kontakt zu den Zuständigen des Ruheforstes aufzunehmen, erreichten aber niemanden. „Es war kalt, und wir standen nun da – mit der Urne im Arm“, berichtet der Sohn. Durchgefroren beschlossen sie, wieder abzufahren.

Die Enttäuschung saß offenbar tief. „Die Beerdigung meines Vaters ist anscheinend total vergessen worden“, sagt der Sohn. Seine Frau fügt hinzu, dass so etwas einfach nicht passieren dürfe. Eine unvorbereitete Grabstelle vorzufinden, sei verletzend und entwürdigend gewesen. Der Sohn sagt: „Der Nachmittag war für uns alle natürlich hoch emotional. Das ist der Moment der Verabschiedung. Wir konnten das alles nicht verstehen. Es ist ja nicht, als ob man bei einer Hochzeitsfeier die Torte vergisst.“ Zwar äußern beide Verständnis für den Vorfall, jedoch sei die Enttäuschung in der Familie groß.

Nach einem Rückruf des Zuständigen stellte sich heraus, dass anscheinend jemand vergessen hat, seiner Arbeit nachzugehen und das Loch zu graben. Dieser Rückruf sei unmittelbar erfolgt, nachdem er von dem Missgeschick erfahren hatte, erklärt Alexander Graf zu Reventlow. In einem Gespräch mit der Witwe entschuldigte er sich. „Wenn ich an dem Unglückstag telefonisch erreichbar gewesen wäre, hätte ich selbstverständlich sofort reagiert“, sagt er.

Das Missgeschick sei ihm selbst sehr nahe gegangen. In der Regel verlaufe die Koordination über viele Kanäle. „Es schauen immer mehrere Augen darauf“, erklärt Reventlow. Die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer sowie eine genaue Planung, die die Kundenwünsche berücksichtige, gehe normalerweise ohne Komplikationen vonstatten. Alexander Graf zu Reventlow betont: „Es ist passiert, was nicht hätte passieren dürfen.“ Und er hat Konsequenzen gezogen – so werde die Koordination jetzt noch intensiver überwacht.

Schlussendlich konnte die Beisetzung eine Woche später stattfinden. Dabei waren die Mutter und der Onkel des Sohnes allerdings die einzigen Gäste. Den übrigen Angehörigen war es aufgrund der großen Entfernung nicht möglich, erneut anzureisen.

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