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Tierheim Weidefeld : Die Tierheim-Mutter geht von Bord

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Tierschutzverein Angeln-Schwansen hat eine neue Vorsitzende. Christel Grube wurde mit Blumen und Tränen verabschiedet. Ihre Nachfolgerin heißt Regina Koch.

shz.de von
erstellt am 29.Apr.2014 | 07:30 Uhr

Nun soll endgültig Schluss sein. Vor drei Jahren hatte sich Christel Grube noch einmal breitschlagen lassen, den arbeitsintensiven Posten der Vorsitzenden beim Tierschutzverein Angeln-Schwansen zu übernehmen. Dabei hatte sie diesem Amt eigentlich schon 2008 den Rücken gekehrt. Jetzt allerdings ist sich die 86-Jährige sicher, dass der Schlussstrich, den sie am vergangenen Wochenende gezogen hat, ein unwiderruflicher ist. Einstimmig wählten die anwesenden Vereinsmitglieder die bisherige Kassenführerin Regina Koch zu Grubes Nachfolgerin. Trotzdem konnten weder sie noch die Tierheim-Mitarbeiter verhehlen, dass sie Christel Grube nicht gerne ziehen lassen.

Doch zunächst verlas Grube ihren letzten Jahresbericht, aus dem unter anderem hervorging, dass die im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Stadt erstmals vorgenommene Kastration freilaufender Katzen erste Erfolge zeige. „Bisher war unser Katzenhaus immer überbelegt“, sagte Grube. „Jetzt haben wir zum ersten Mal nur 42 Katzen gehabt.“ Zudem habe man mit den Städten Kappeln und Eckernförde sowie den Ämtern Geltinger Bucht, Süderbrarup und Schlei-Ostsee neue Verträge für die Betreuung von Fundtieren geschlossen. Nach neu kalkulierten Abrechnungsmodalitäten erhält das Tierheim nun mehr Geld pro Fundtier, und die Kommunen wissen die Tiere gut versorgt.

Als im schlechtesten Sinne herausragenden Fundtierfall erinnerte Christel Grube an die Hundemutter, die mit fünf wenige Tage alten Welpen ausgesetzt worden war. Und Grube wurde deutlich: „Die bei dieser Hundefamilie gefundenen Schüsseln mit Futter und Wasser sind kein Beweis menschlicher Fürsorge, sondern eher der Beweis widerlichen Verhaltens.“

Seitens des Deutschen Tierschutzbundes sieht sich der Verein, der ja Träger des Tierheims ist, derzeit mit einigen Auflagen konfrontiert. So ist noch in diesem Jahr eine Quarantänestation für Hunde zu errichten, das Fundament steht bereits. Außerdem soll eine Kleintieranlage für Kaninchen und Meerschweinchen entstehen. Als weitere Baustellen zählte Grube die maroden Hundehütten, die defekte Heizungsanlage und Fußwege auf, die dringend trocken gelegt werden müssten. Und auch die beiden Herbststürme haben kräftig an Zäunen und Bäumen auf dem Tierheimgelände genagt. Positiv: Dank ehrenamtlicher Helfer konnte im vergangenen Jahr ein Stall für Schafe und Lamas entstehen.

Mit Blick auf die Finanzen hat der Verein im vergangenen Jahr 2400 Euro mehr für Tierfutter und Tierarztbesuche ausgegeben. Die stellvertretende Vorsitzende Sylvia Palenczat führte das unter anderem darauf zurück, dass weniger Futterspenden als im Vorjahr eingegangen seien. Gleichzeitig ist das Spendenaufkommen um knapp 6000 Euro zurückgegangen. Trotzdem stand zum Jahresende – überwiegend aufgrund der bereits erwähnten neuen Fundtiere-Verträge – ein Überschuss von 400 Euro im Kassenbuch.

Und dann war es also Zeit für einen Abschied. Die erste, die Tränen vergoss, war Tierheimleiterin Sabine Hegemann. Sie überreichte Christel Grube eine Kakteensammlung mit den Worten: „Das Tierheim wäre ohne Sie nicht mehr da.“ Die Kakteen stünden für das Tierheim-Team und würden, so Hegemanns Prognose, „bestimmt auch blühen, wenn sie sie genauso gut pflegen wie uns“.

Sylvia Palenczat übergab Christel Grube einen Blumenstrauß und betonte, man habe sich in der Vergangenheit auch mal zurücklehnen können, „weil wir wussten, Frau Grube macht das schon“. Dem Vorstand falle es schwer, die 86-Jährige nun endgültig ziehen zu lassen. Palenczat: „Das Tierheim ist ohne Sie nicht das Gleiche. Wir werden Sie vermissen.“ Christel Grube selber konnte ihre Tränen auch nicht gänzlich zurückhalten, weiß sich aber auch künftig gut zu beschäftigen. „Ich habe einen neuen Hund und ein 400-Quadratmeter-Grundstück“, sagte sie. „Langweilig wird mir nicht.“

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