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Schlei-Bote

18. August 2017 | 03:24 Uhr

Kappeln : Die Tafel kürt ihre Ritter

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Wohltätigkeitsverein zeichnet jetzt seine Sponsoren mit einem Ehrenteller aus.

Normalerweise obliegt es der englischen Königin, Menschen in den Ritterstand zu erheben. Sie verleiht ihnen dann die Mitgliedschaft im sogenannten Order of the British Empire. Die Kappelner Tafel ist von einem eigenen Imperium zwar weit entfernt, trotzdem hat sie so etwas wie ihren ganz eigenen Ritterorden ins Leben gerufen: Seit Kurzem gibt es die „Ritter der Tafel“, und Hans Werner Witt ist einer von ihnen.

Wie es sich für einen echten Ritter gehört, muss er etwas Besonderes leisten, um in den Orden aufgenommen zu werden. Im Falle der Tafel bedeutet das, innerhalb eines Kalenderjahres mindestens 500 Euro für den Verein und das Projekt, für das er steht, zu spenden. Der Sandbeker Hans Werner Witt gehörte bereits in der Vergangenheit zu den Unterstützern der Tafel. Und als im vergangenen Jahr seine Frau verstarb, bat er die Trauergäste um Geldspenden statt um Blumen. 560 Euro sind auf diese Weise zusammengekommen – eine Summe, die Witt in Gänze der Kappelner Tafel übergab. Und er ist überzeugt: „Das wäre im Sinne meiner verstorbenen Frau gewesen.“

Von der Tafel erhielt Witt im Gegenzug einen kleinen Keramikteller, den ein Hering und die Jahreszahl seiner Spende (2014) zieren, außerdem der spezielle Schriftzug „Ritter der Tafel“. Tafel-Vorsitzender Burkhard Rautenberg erhofft sich von dieser Aktion zweierlei. „Wir wollen den Menschen zeigen, dass wir dankbar für ihre Hilfe sind“, sagt er. Viel zurückgeben könne der Verein ihnen nicht, aber er wolle seinen Spendern zumindest so seine Anerkennung verdeutlichen. Und: „Im Idealfall könnte unser Teller Anreiz sein, regelmäßig zu spenden.“ Jedes Jahr nämlich erscheint eine Neuauflage, die die Töpferei Stock für die Tafel zu speziellen Konditionen anfertigt, mit einem anderen kappeln-spezifischen Motiv.

Dass der Verein auf Menschen wie Hans Werner Witt nach wie vor angewiesen ist, verhehlt Burkhard Rautenberg nicht. „Wir brauchen ganz dringend Dauerspender“, sagt er, „denn unser Unterhalt ist nicht gesichert“. Dabei kommt es der Tafel gar nicht in erster Linie auf die Größe der Summe an, vielmehr auf die Verlässlichkeit, jeden Monat auf eine gleich bleibende Spende bauen zu können.

Davon könnten 208 Haushalte mit rund 300 Erwachsenen und 140 Kindern profitieren, die die Tafel derzeit mit Lebensmitteln versorgt. Und längst nicht alle kommen aus Kappeln. Rautenbergs aktuelle Liste weist unter anderem 50 Personen aus Gelting, 19 aus Brodersby, neun aus Dörphof, acht aus Hasselberg auf. „Wir versorgen diese Menschen gerne“, sagt er. „Aber wir wünschen uns auch, dass sich diese Gemeinden an den Kosten der Tafel beteiligen.“ Weil das nicht so ist und weil Platz und Lebensmittel fehlen, ist der seit Jahresbeginn geltende Aufnahmestopp immer noch nicht wieder aufgehoben. Zurzeit kann die Tafel nur in Ausnahmefällen und nur nach telefonischer Absprache reagieren. Zudem gilt: Familien mit Kindern haben derzeit Vorrang.

Allen Einkaufsberechtigten der Tafel kommt derweil das neue Kühlfahrzeug zugute, das der Verein seit Ende Juni besitzt. Seitdem kann das Team um Burkhard Rautenberg die Lagerstätten in Rendsburg anfahren, die wiederum von der Großverteilerstelle in Berlin beispielsweise Großpaletten voller Tiefkühlpizza erhalten. Diesen Versorgungszweig jetzt mitnutzen zu können, ist für die Kappelner Tafel ein echter Gewinn. Rautenberg sagt: „Ohne den Wagen ginge es gar nicht.“ Gleichzeitig betont er jedoch, dass der Verein weiter vorausplanen müsse – auch mit Blick auf Flüchtlingsfamilien, derzeit nutzen 23 die Kappelner Tafel. So ideal etwa das Begegnungszentrum zur freitäglichen Essensausgabe auch ist – es platzt aus allen Nähten. „Deshalb sind wir eigentlich auf Gebäudesuche“, sagt Rautenberg. Auch damit die ehrenamtlichen Helfer nicht jeden Freitag erst alles auf- und später wieder abbauen müssen, sondern vielleicht stehen lassen können. Und gerade mit Blick auf die Versorgung der steigenden Flüchtlingszahlen ist Rautenberg eindeutig: „Da sehe ich schon die Politik ein wenig in der Pflicht, dass sie sich etwas überlegt, damit wir unseren Job machen können.“

Hans Werner Witt hat seinen ganz persönlichen Teil bereits dazu beigetragen. Und spontan hat er sich zudem bereit erklärt, den Verein als passives Mitglied mit einer monatlichen Spende regelmäßig zu unterstützen. Dass Witt seine Keramik-Auszeichnung verdient hat, steht für Burkhard Rautenberg außer Frage, denn: „Es ist ritterlich, für andere zu kämpfen.“

 

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erstellt am 15.Sep.2015 | 07:45 Uhr

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