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Glücksburg : Die Steine von Holnis – Rätsel gelöst

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Auf den Bericht über „Die geheimnisvollen Steine von Holnis“ folgten viele Reaktionen. Jetzt konnte das Geheimnis um die ältesten Inschriften gelüftet werden.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2014 | 00:00 Uhr

Es gibt nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommt. Auch die Inschriften auf Steinen der alten Mole hinter dem Strand der Kite-Surfer in Holnis sind nun nicht mehr rätselhaft. Die ältesten Inschriften wurden vor rund 60 Jahren gemacht: „1909 Volkmar Volker 1954“ und „Ingrid Kietzmann H. 26.07.1954“. Am rätselhaftesten war die erste: War es ein Grabstein mit den Lebensdaten oder hat sich der Mann am
19. September 1954 aus anderem Grund dort verewigt ?

„Die geheimnisvollen Steine von Holnis“ , über die wir im Herbst berichteten, lösten viele Leserreaktionen aus. Die Zuschrift des ehemaligen Kapitäns des legendären Dampfers „Alexandra“, Henning Levens aus Handewitt, war der erste Schritt zur Auflösung des Rätsels. „Von 1939 bis zum Eintritt in mein Berufsleben 1951 verbrachte ich meine Kindheit auf der Halbinsel Holnis. Trotz Kriegs- und Nachkriegsjahre war es für uns Kinder mit kleinen Einschränkungen eine glückliche Zeit“, schreibt der heute 78-Jährige. „Volkmar Volker sowie Ingrid Kietzmann waren dort ebenfalls zu Hause. Es waren zwei meiner damaligen Spielgefährten“, erinnerte sich Levens. Holnis sei damals ein sehr einsames Fleckchen Erde gewesen. „Die Natur, die Ostsee, der Strand und natürlich die Süderbrücke verkörperten für uns Kinder das reinste Paradies.“ Und: „Viele meiner damaligen Spielgefährten haben versucht, sich mehr schlecht als recht auf den Steinen der Süderbrücke zu verewigen.“

Darunter auch Volkmar Volker, der sich dank seines Freundes Ernst Clausen aus Husby ausfindig machen ließ. Der 76-jährige Diplomingenieur wohnt heute in Hannover und ist Berater für Industrieplanung, Architektur und Genehmigungsverfahren. Die Erinnerungen an die wunderbare Kinder- und Jugendzeit in Holnis seien so klar, als wäre es erst gestern geewesen, sagt Volker, der in Mürwik geboren wurde. Unbeschwert allerdings sei die Kindheit nicht gewesen: Der Vater kam schwer verletzt aus dem Krieg zurück. Dann die Besatzungszeit. „Die Engländer fragten meine Mutter, ob ich außer der Badehose überhaupt noch was anzuziehen hätte“, beschreibt Volkmar Volker Erinnerungen an die Kindheit. Spielkameraden gab es reichlich, denn in den Zollhäusern, in denen seine Familie lebte, waren fünf junge Familien eingezogen. Später kamen noch Flüchtlinge, darunter auch die Familie Kietzmann, hinzu.

1954 musste Volker Holnis verlassen, um nach Kiel fürs Praktikum und Studium im Bereich Schiff- und Maschinenbau zu gehen. An einem schönen Sommertag hat er auf der Mole jenen roten Granitstein ausgesucht, diesen mit der flachen Seite nach oben gewuchtet und mit Hammer und Meißel seinen Namen und die Jahreszahlen für „einen wunderschönen Lebensabschnitt“ hineingehauen: 1939 und 1954. Ja, das ist kein Fehler – 1939. Denn: „Die 3 ist mir etwas verunglückt, da der Meißel zu stumpf geworden war. So kann man da auch eine 0 heraussehen“, erklärte Volker.

Diese Aktion habe Ingrid Kietzmann angeregt, es ihm gleichzutun, sich dort ebenfalls zu verewigen. Das „H.“ an ihrem Namen sollte eigentlich „Holnis“ werden, aber da Volker mit seiner Arbeit schon fertig war, sei es ihr alleine auf der Mole zu langweilig geworden, so dass es bei dem „H.“ geblieben sei. Der weitere Lebensweg der Familie Kietzmann sei ihm unbekannt, sagt Volker.

1956 zogen auch die Eltern nach Kiel. Erst 2008 stattete Volker Holnis wieder einen Besuch ab. Vieles fand er sehr verändert: Die Zollhäuser sind privatisiert, Autos bestimmen das Gesicht der Halbinsel. Unverändert bleiben aber „Hunderte von Erinnerungen und alten Geschichten. Sie stehen vor mir – dank des Artikels über die Steine in der Zeitung.“

 

 

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