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Kappelner Bürger wollen mitgestalten : „Die Schwimmhalle wird vermisst“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

25 Gäste beim zweiten „Stadtgespräch“ sammeln Ideen. Organisatoren sind von der Mitarbeit beeindruckt.

shz.de von
erstellt am 01.Jul.2017 | 06:10 Uhr

Kappeln | Es glich mehr einem Workshop als einem „Stadtgespräch“, und das Ergebnis war in seiner Ideenfülle erstaunlich. Vor allem, weil zu diesem zweiten Termin, zu dem Grüne, LWG und SSW am Donnerstagabend ins Hotel „Stadt Kappeln“ eingeladen hatten, nur insgesamt 25 Gäste kamen. Die, die da waren, haben sich dafür richtig ins Zeug gelegt.

„Im ersten Stadtgespräch haben hier viele erstmal ihren Frust abgeladen“ sagte Mitorganisator Michael Arendt (LWG). Das zweite Treffen sollte strukturierter ablaufen. An fünf Thementischen konnten die Gäste wählen, worüber sie diskutieren wollten. Erste Überraschung: Tisch 1, an dem es um die Gestaltung des Mühlenumfeldes gehen sollte, blieb direkt leer. An den anderen vier Thementischen verteilten sich die Menschen. Die drei Organisatoren, neben Arendt noch Christian Andresen (SSW) und Michael Schattka (Grüne), aber auch Claus Claussen, der die Moderation des Abends übernommen hatte, beobachteten die Entwicklung mit Spannung. Die Gäste, die zu den Themen Innenstadt, Verkehr, Freizeit und Allgemeines zusammen saßen, kannten sich nur teilweise, aber nachdem die erste Scheu abgelegt war, stieg der Lärmpegel und der Aktionismus. Nach einer Stunde wurden die Ergebnisse präsentiert und an die Pinnwand geheftet.

Schwimmhalle, Waldlehrpfad und gute Radwege: Frauke Siemen, Andreas Zobel und Daniel Schlenzka hatten mit dem Thema Freizeit eine große Palette abzudecken. „Die Schwimmhalle wird schmerzlich vermisst“, machte Zobel klar. Für Einheimische und Gäste und für alle Altersklassen kamen die drei immer wieder auf das Thema zurück. „Die Schwimmhalle steht ganz oben, sie fehlt komplett“. Aber auch ein Waldlehrpfad wurde vorgeschlagen, das sei mit wenig Aufwand und vielen Helfern einfach umzusetzen. Der Erhalt der Spielplätze, die Anlage einer Skaterbahn, die Mobilität, aber auch fehlende Tanzveranstaltungen und Diskotheken wurden angeführt. „Der Erhalt der Museumsbahn ist wichtig. Das macht auch wirtschaftlich Sinn“, führte Siemen an, die auch darauf hinwies, dass es in Kappeln kein Hotel gibt, das mehr als 50 Gäste aufnehmen kann.

Der Müll in der Stadt, beschäftigte die Gruppe um Inke Laasch-Linders, die sich den allgemeinen Themen gewidmet hatte. Sie regte eine zentrale Sammelaktion an, an der die Bürger beteiligt werden sollten. Statt der gelben Säcke, die herumfliegen und teilweise angefressen werden, wünschen sie sich gelbe Tonnen. Mehr Mülleimer für unterwegs werden auch als hilfreich angesehen, auch und immer noch in Hinblick auf die Hundekotbeutel. Die Heringstage waren ebenfalls Thema: Ein neues Konzept für die Innenstadt wäre der Wunsch der Bürger. Die Sperrung der Mühlenstraße zum Beispiel war unangenehm aufgefallen, einige Geschäfte haben dadurch Umsatzeinbußen erlitten. Auch könnte man sich einen Folk- oder Jazzabend in der Innenstadt vorstellen. Eine Kontaktaufnahme zum Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH (WTK) wurde dazu angeregt. In den Bereich Tourismus fällt auch die Idee, verschiedene Rundwege durch die Stadt auszuarbeiten, zu kennzeichnen und Flyer zu erstellen, „Kappeln rund“ eben.

Die Beschwerde darüber, dass die Fahrradfahrer durch die Fußgängerzonen „heizen“ und die Autos durch die Mühlenstraße, griff thematisch schon den Verkehr auf. Die Ideen des Thementisches stellte Petra Heide vor. Wie Senioren sicher über die Bundesstraßekommen, ein durchgängiges Geh- und Radwegenetz, Mitfahrerbänke und die vermehrte Kontrolle des ruhenden Verkehrs hatten die Teilnehmer auf der Agenda.

„Kappeln ist nicht nur Hafen, sondern auch Zentrum“, erklärte Uwe Horns vom Thementisch Innenstadt. Er und seine Mitstreiter plädierten dafür, die Zugangswege attraktiver zu machen, Verweilzonen zu schaffen und Besucher durch „Hingucker“ auch in abgelegenere Straßen, wie die Querstraße, zu locken.

Für alle Vorträge gab es viel Applaus. Die Organisatoren waren überrascht und beeindruckt. Aus den Anregungen des Abends wird ein Protokoll erstellt, das interfraktionell diskutiert werden soll. „Das Ganze war ein echtes Brainstorming. Wenn die Leute interessiert sind, entwickelt sich einfach eine erstaunliche Dynamik. Das ist erfreulich und ermutigend“, erklärte der Moderator.

„Eine sehr gute und kreative Veranstaltung, jeder kam zu Wort“, erklärte Inke Laasch-Linders im Anschluss, sie wird auch beim nächsten Termin dabei sein. „Mir hat die offene Diskussion sehr gut gefallen. Es war konstruktiv und es sind viele stichhaltige Argumente gekommen. Ich komme auf jeden Fall wieder“, erklärte Daniel Schlenzka. Auch zum dritten Stadtgespräch, das im September oder Oktober geplant ist, will Andreas Zobel kommen: „Es wurden heute gute Ideen entwickelt. Ob man am Ende wirklich etwas in der Politik bewegt, wird man sehen.“

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