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350 Jahre Arnis : Die Schätze der Schifferkirche

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen zeigt anlässlich der Stadtgründung am 11. Mai seltene Originale.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2017 | 07:00 Uhr

Gefeiert wird erst am 8. Juli, wenn das Wetter verlässlich warm und trocken ist. Ihren eigentlichen Geburtstag begeht die Stadt Arnis derweil schon am 11. Mai, also in der nächsten Woche. „Und wir wollen dieses Datum nicht einfach unbemerkt verstreichen lassen.“ Das sagt Nadja Jöhnk, Pastorin der Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen, als sie mitten in der Arnisser Schifferkirche steht. Vor sich einen Tisch mit lauter wertvollen Utensilien, von denen jedes einzelne eine mindestens ebenso wertvolle Geschichte erzählt. Alle zusammen machen einen ganz entscheidenden Anteil der Arnisser Geschichte aus. Und die soll eben doch schon am 11. Mai wenigstens ein bisschen erzählt werden – mit Kirchenführung und einer besonderen Ausstellung.

Nadja Jöhnk nennt sie „Schätze“, und genau das sind diese Ausstellungsstücke, bei denen von einigen gar nicht klar ist, ob sie überhaupt schon einmal öffentlich gezeigt wurden. Vorsichtig hebt sie das dünne Papier an, blättert eine Seite vor – und dann stehen da die 65 Namen der Menschen, die damals am 11. Mai 1667 von Kappeln nach Arnis auszogen, weil sie ihre Freiheit nicht aufgeben wollten. Ein Original, die Schrift verschnörkelt, teils schwer zu entziffern. Die Liste bewahrt sonst Archivar Johann Adam im Kirchenkreisarchiv auf, für den besonderen Tag hat er sie herausgegeben – und das mit Worten, an die sich Nadja Jöhnk gerne erinnert. „Er sagte: Na klar, es ist doch Ihre.“ Vor allem ist es der Anfang einer Stadt, denn neben den 65 Namen findet sich auch der sogenannte Huldigungseid, den die Ur-Arnisser Herzog Christian Albrecht von Gottorf leisteten und so der Leibeigenschaft entgingen. Küsterin Karin Borngräber steht hinter ihrer Pastorin und schüttelt ein wenig ungläubig den Kopf. „Dass das noch vorhanden ist“, sagt sie, „ist wirklich klasse“.

Und dabei ist diese Liste nicht das einzige Original. Ein alter Sitzplatzplan für die Kirchenbänke ist genauso zu sehen wie eine alte Friedhofsbelegungs-Übersicht. Außerdem Münzen aus dem Jahr 1787, ein Sechsling und ein Dreiling. Die frühere Küsterin Erika Kotenbeutel erzählt vom Opferstock der Schifferkirche, der 2009 im Zuge der Renovierung gleich mit aufgearbeitet werden sollte. „Und dabei kamen die Geldstücke hervor“, sagt sie. „Die haben ihren Weg durchs Holz gefunden.“ Und zwar mitten in die Geschichte der Stadt. Arnisser Bürger haben Konfirmationsurkunden von 1916 und alte Glückwunschkarten beigetragen. Außerdem gehören ein 100 Jahre altes Taufkleid, ein Abendmahlskelch von 1676 sowie zwei Protokollbücher aus dem 17. und 19. Jahrhundert zur Ausstellung. Nadja Jöhnk sagt: „Das sind Dinge, die wir leider nicht oft zeigen können.“ Am 11. Mai aber schon – und das ist auch tatsächlich der einzige Tag, an dem diese Originale und noch einige mehr betrachtet werden können. Die Ausstellung ist zwar auch später zu sehen, allerdings nur mit Repliken.

Darüber hinaus aber sind es die Arnisser selber, die ihre Geschichte lebendig werden lassen. So wie Erika Kotenbeutel, die an jenem 11. Mai die Kirchenführung übernimmt und immer zu haben ist für eine Anekdote ihrer Stadt. Beispiel? „Die Arnisser waren früher vor allem durch Seefahrt sehr wohlhabend und gleichzeitig abergläubisch“, erzählt sie. „Dem Pastor hat das natürlich nicht gefallen, also hat er gegen sie von der Kanzel gewettert. Und weil die Arnisser keine Vorschriften mochten, haben sie unter Protest den Gottesdienst verlassen. Am nächsten Sonntag hat der Pastor, nachdem alle in der Kirche versammelt waren, einfach die Tür abgeschlossen und den Schlüssel auf die Kanzel gelegt.“ Am 11. Mai ist auch dieser Schlüssel zu sehen.

Auf die Führung durch die Schifferkirche, die um 16 Uhr beginnt, folgt ab 16.30 Uhr eine Andacht mit Nadja Jöhnk, gegen 17 Uhr wird die Ausstellung eröffnet. Und gegen 18.30 Uhr können sich die Arnisser dann in die Stadt aufmachen, aus der sie vor 350 Jahren geflohen sind: In Kappeln stellt Nicolaus Schmidt ab 19 Uhr sein Buch „1667 – 2017: Arnis – die kleinste Stadt Deutschlands“ in der Stadtbücherei, Schmiedestraße 13, vor.

Nadja Jöhnk, Erika Kotenbeutel und Karin Borngräber freuen sich auf den
11. Mai. Jöhnk sagt noch einmal: „Diese Ausstellungsstücke sind kleine Schätze – für den Ort, für das Auge und für die Seele.“ Ob die Arnisser inzwischen Vorschriften mögen, sagt sie nicht.

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