Kappeln : Die Salzhalle zerbröckelt

Geschätzte 500 Tonnen Salz passen in die alte Halle – mehr als Kappeln in einem durchschnittlichen Winter benötigt. Das neue Silo soll 100 Tonnen fassen können. Fotos: Nordmann
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Geschätzte 500 Tonnen Salz passen in die alte Halle – mehr als Kappeln in einem durchschnittlichen Winter benötigt. Das neue Silo soll 100 Tonnen fassen können. Fotos: Nordmann

Ein Gutachten spricht dem Gebäude auf dem städtischen Bauhof die Tragfähigkeit ab. Abriss, neues Silo und Lager kosten knapp 540.000 Euro.

shz.de von
30. Juni 2018, 12:00 Uhr

Geschätzte 60 Jahre alt ist die Salzhalle auf dem Kappelner Bauhof. Und sie hat ihre beste Zeit längst hinter sich. Das Gutachten eines Statikbüros, das die Bauverwaltung Anfang des Jahres in Auftrag gegeben hatte und jetzt dem Bauausschuss präsentierte, fällt ein eindeutiges und ziemlich vernichtendes Urteil: Demnach ist die Tragfähigkeit der Hallenkonstruktion „nicht mehr gewährleistet“. Konsequenz: Der Bau soll verschwinden und durch einen neuen, moderneren ersetzt werden. Ganz überraschend kam dieses Ergebnis derweil nicht.

Das Gutachten, aus dem Bauamtsleiterin Jana Becker den Kommunalpolitikern berichtete, sprach eine deutliche Sprache: So sind „an der gesamten tragenden Holzkonstruktion korrodierte Stahlbauanschlüsse und Bolzenverbindungen festgestellt worden, die zum großen Teil durchgerostet sind“. Und weiter: „Im Bereich des Betonsockels ist durch eingetretene Feuchtigkeit und Tausalz die Bewehrung (Baustahl, der die Tragfähigkeit erhöht) korrodiert.“ Die Empfehlung des Gutachters lautet daher, die Halle abzureißen, eine Sanierung sei aufgrund der „immensen Schäden“ praktisch aussichtslos.

Die Bauverwaltung hatte nun, aufgrund dieser klaren Empfehlung, Kontakt mit einem Planer aufgenommen, dessen Spezialgebiet sogenannte Streustofflager sind. Das Ergebnis: Statt einer Salzhalle soll ein Salzsilo entstehen, das unterm Strich nicht nur günstiger errichtet werden kann, sondern gleichzeitig die Chance eröffnet, Arbeitsabläufe und -sicherheit zu verbessern – etwa indem es von einer Einzelperson bedient werden kann. Ungeachtet dessen gelten für das Salzsilo strenge Auflagen, was Materialien und Baustoffe betrifft. Jana Becker sprach von einem „Sonderbauwerk“, das unter anderem einen speziellen Beton benötige, der frost- und tausalzbeständig sei. Die geschätzten Baukosten (inklusive Abriss der bestehenden Halle, Neubau eines Silos und eines Lagerraums mit zwei Schüttboxen) belaufen sich daher auch auf 475.000 Euro, hinzu kommen 62.000 Euro für die Planung. Pikanter Nebenaspekt: Bereits 2013 ist die Salzhalle, nach den Worten der Verwaltung, untersucht worden. Die damals erstellte Bewertung ist demnach zu dem Schluss gekommen, dass die Standsicherheit „gefährdet“ ist – fünf Jahre später ist sie nun „nicht mehr gewährleistet“.

Eben diesen Umstand griff Philipp Schmitt (CDU) auf, als er sagte: „Ich bin entsetzt. Wir haben vielleicht jahrelang Menschen gefährdet, weil uns das Gutachten nicht bekannt war. Unter Umständen hätten wir damals auch die Chance gehabt, mit weniger Geld etwas zu retten. Jetzt sind wir gezwungen zu handeln.“ Der Ausschussvorsitzende Lars Braack (SPD), Peter Koch (LWG) und Thomas Grohmann (CDU) betonten ebenfalls die Dringlichkeit, Grohmann brachte jedoch einen Sperrvermerk ins Spiel. Damit zielte der neue Hauptausschussvorsitzende darauf ab, auf exaktere Angaben zum neuen Lagerraum – über den offenbar noch Beratungsbedarf besteht – zu warten. Grohmann wollte den Sperrvermerk aufrecht erhalten „bis die endgültige Planung vorliegt“, fand dafür aber keine Mehrheit. Stattdessen empfahl der Ausschuss mehrheitlich, die Gesamtkosten von 537.000 Euro im Nachtragshaushalt des laufenden Jahres bereitzustellen

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