Museumshafen Kappeln : Die „Ringholm“ wird bunt

Angelique Schadowsky will sich mit ihrem Kunstprojekt „Ringholm“ an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bewerben.
Angelique Schadowsky will sich mit ihrem Kunstprojekt „Ringholm“ an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bewerben.

Ein Traditionsschiff im Kappelner Museumshafen verwandelt sich mit Farbe und Glitzer zum individuellen Zuhause.

shz.de von
12. Juni 2018, 07:00 Uhr

Schon seit ein paar Wochen verändert sich das Museumsschiff „Ringholm“ langsam aber stetig. Passanten bleiben auf dem Fußweg stehen und beobachten, was dort im Kappelner Museumshafen vor sich geht. Manchmal bilden sich kleine Gruppen, die miteinander darüber debattieren und sich fragen, was das denn wohl werden soll. „Ringholm“ wird bunt.

Seit beinahe 30 Jahren liegt der über 100 Jahre alte ehemalige Lofotenkutter aus Norwegen im Kappelner Museumshafen. Der Rumpf des 13 Meter langen Holzschiffes ist aus Lärche gebaut und naturlackiert, das große Ruderhaus dunkelbraun. Zwei hölzerne Masten stehen an Deck, vorne eine große Ankerwinde. Bis auf das Laufdeck, war bisher alles in dunklen Brauntönen gehalten. So fügte es sich über die Jahre unauffällig in das Ambiente des Museumshafens ein.
Vor einen Jahr verstarb Eigner Heino Krupsky und hinterließ seine Witwe mit der Frage: Was nun? Da sie sich im Museumshafen immer wohl gefühlt hatte und mittlerweile dort viele Freundschaften bestanden, entschloss sie sich, das Schiff zu behalten und als Ferienwohnung zu nutzen. Dafür mussten aber zunächst viele Überholungs- und Sanierungsarbeiten erledigt werden. Marion Krupsky, eine handwerklich begabte Frau, machte sich ans Werk.

Neben vielen anderen Arbeiten sollte das Schiff frisch gemalt werden. Für die Schiffseignerin stand fest, dass es etwas mehr Farbe bekommen sollte. „Hast du eine Idee?“, fragte sie ihre Tochter. „Wie viele willst du?“, war die spontane Antwort, der auch sogleich die Umsetzung folgte. Angelique Schadowsky (29) macht zurzeit eine Ausbildung zur Erzieherin, hat aber schon viele künstlerische Projekte und Aktionen entwickelt und umgesetzt. Im Anschluss an ihre Ausbildung möchte sie daher an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg studieren. Die Anforderungen an die Bewerbung sind sehr frei, so kam ihr „Ringholm“ gerade recht. Das Kunstschiff soll ihr künstlerisches Bewerbungsprojekt werden.

Vorarbeiten wie Schleifen und Grundieren übernahm die Mutter, während die Tochter die farbliche Gestaltung plante. Inzwischen leuchtet das Ruderhaus golden mit ganz viel Glitzer, die Fensterrahmen sind in meeresblau gehalten, das Radar ist hellblau, die Seitenwände wie mit schillernden Fischschuppen überzogen, Winden schimmern metallic pink, Klampen rot, dazwischen überall Glitzer. „Das ist ein bisschen Sternenstaub“, verrät die Künstlerin und fügt hinzu: „Das Ganze ist an Hundertwasser angelehnt. Seine Kunst steht für mich für Lebensfreude und Kreativität. Ich möchte damit aber auch die Aufmerksamkeit auf die Traditionsschiffe lenken. Wir sind alle individuell, wir haben unsere Macken und Fehler, aber es lohnt sich, uns genau anzusehen.“

Auch wenn das Ruderhaus der „Ringholm“ jetzt schon ein Hingucker ist, liegt noch viel Arbeit vor den beiden Frauen. Geplant ist es, das komplette Schiff bunt zu machen, Rumpf, Reling, Deck und Masten. Skulpturen und Bilder sollen das Werk vervollständigen. Daneben sind aber Instandsetzungsarbeiten erforderlich. So soll im Heckbereich das Deck erneuert werden. Zudem will Schadowsky in Hamburg ihre Ausbildung abschließen. Es bleibt also nicht allzu viel Zeit für die künstlerische Betätigung. Das fertige Projekt wird daher erst im kommenden Frühjahr zu bestaunen sein.

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