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Protest gegen Ölförderung : „Die Reihen sind fest geschlossen“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Amtsausschuss Schlei-Ostsee schließt sich dem Protest gegen eine mögliche Erdölförderung an. Man fürchtet um die Wasserqualität.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2014 | 12:30 Uhr

Ungewöhnlicher Auftakt einer Amtsausschusssitzung: Vor Beginn der Sitzung des Amtsausschusses Schlei-Ostsee protestierten die Ausschussmitglieder öffentlich gegen die geplante Förderung von Erdöl und Erdgas. Sie unterstrichen auf diese Weise ihre Ablehnung gegenüber den damit verbundenen Bohrungen in dem 30 Quadratkilometer großen Einzugsbereich des Wasserbeschaffungsverbandes Mittelschwansens. Mittels eines großen Banners mit dem Schriftzug „Wasser ist Leben“ drückten die Bürgermeister und Gemeindevertreter aller 19 amtsangehörigen Gemeinden ihren Widerstand aus und unterstützten damit den Wasserbeschaffungsverband Mittelschwansen (WBV) in seiner Ablehnung gegenüber jeglicher Form von Erdöl- oder Erdgasförderung.

Rund 20 Zuschauer hatten den Weg in den Saal der Gaststätte „Victoria“ in Winnemark gefunden, um das wichtigste Thema des Abends, das nicht auf der Tagesordnung stand, zu hören: Informationen über die geplante Erdölförderung im Bereich Waabs. Die Firma Central Anglia AS (Mittelangeln) mit Sitz im norwegischen Oslo vermutet dort Ölvorkommen in mehreren Tausend Metern Tiefe und hat beim Bergbauamt Clausthal-Zellerfeld (Niedersachsen) einen entsprechenden Antrag für das Erlaubnisfeld Waabs, Eckernförde-Nord und Kopperby eingereicht, in dessen Bereich das Wasserwerk und die Brunnen des Wasserbeschaffungsverbandes Mittelschwansen liegen (wir berichteten).

Gast der Sitzung war Dr. Peter Hempel, Diplom-Geologe des Wasserbeschaffungsverbandes, der über mögliche Gefahren des Grundwassers und damit des Trinkwassers referierte. So können seinen Worten nach bereits Erkundungsbohrungen in der Salzstruktur, die sich von Damp bis Schwedeneck zieht, durch Verwendung von notwendigen chemischen Spülungszusätzen Belastungen des Grundwassers verursachen. „Selbst wenn es nur einen Bohrstandort gibt, durchbohren viele Bohrstränge den Grundwasserkörper“, erläuterte Hempel. Das Grundwasser befindet sich unterhalb des Geschiebemergels, der im Volksmund sogenannten Lehmglocke, der das Grundwasser schützend umschließt. Das Bohrgestänge durchbohrt diese Glocke. Die Tatsache, dass das Einzugsgebiet des WBV-Mittelschwansen kein ausgewiesenes Wasserschutzgebiet im Sinne des Landeswassergesetzes ist und somit eventuell den Zugriff der Erdölfirma auf das Gebiet erleichtern könnte, entkräftete der Geologe. „Sie als Wasserbeschaffungsverband haben ein berechtigtes Interesse, Ihr Trinkwasser zu schützen.“ Denn ein Restrisiko bestehe immer, auch wenn eine Verpressung und Schließung der Probebohrungen nach ein, zwei oder drei Jahren erfolge. Mit den Bohrungen einher geht die Beschaffung des dafür nötigen Prozesswassers und dessen anschließende Reinigung. „Wir reden hier von einer Größenordnung des Jahreswasserverbrauches“, so Hempel. „Wichtig ist, dass Sie vor den Bohraktivitäten Ihre Interessen wahrnehmen“, betonte der Experte.

Genau das will Verbandsvorsteher und Wortführer Horst Böttcher tun und gab sich kampfwillig. „Derjenige, der unsere Brunnen vergiften will, kriegt es mit mir zu tun“, sagte Böttcher. 16 Gemeinden, in Spitzenzeiten täglich 35.000 Menschen, versorgt der WBV jährlich mit rund einer Million Kubikmeter Trinkwasser. Der WBV schickte gestern einen Brief an das Bergbauamt Clausthal-Zellerfeld und nachrichtlich an das Umweltamt des Landes Schleswig-Holstein, mit dem Hinweis, dass der WBV als eine Behörde verstanden werden möchte, die als solche gemäß Bergbaurecht Paragraf 11, Nr. 10 „ein hervorragendes wichtiges öffentliches Interesse hat“ und „gehört werden muss“, sagte Horst Böttcher. Erkennt das Bergbauamt den WBV als Behörde an, müssen diesem vor dem Erlaubnisverfahren Möglichkeiten zur Stellungnahme gegeben werden.

Unterstützt wird der WBV Mittelschwansen vom Landesverband der Wasser- und Bodenverbände. Udo Rust, Verbandsvorsteher des WBV-Nordschwansen, der nur mittelbar durch eine gemeinsame Notverbindung im Rohrnetz in Schuby betroffen ist, überbrachte eine Stellungnahme des Geschäftsführers Mathias Rohde. Inhalt: „Trinkwasser ist ein nicht verhandelbares Gut. Der Landesverband sieht generell bei der Erschließung von Erdgas- und Erdölvorkommen und deren Ausbeutung in Trinkwassergewinnungs- und Wasserschutzgebieten große Gefahren.“

Horst Böttcher sieht sich in seinem Kampf bestätigt. „Die Reihen sind fest geschlossen“, sagte er. Weitere Aktionen und Proteste sind geplant.

 

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