Kunsthaus Hänisch : Die Ordnung in vielen Details

„Auf der Kippe“ heißt dieses Triptychon von 1992. Deutliche Linien helfen dabei, sich durch die Zeichnung zu „arbeiten“.
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„Auf der Kippe“ heißt dieses Triptychon von 1992. Deutliche Linien helfen dabei, sich durch die Zeichnung zu „arbeiten“.

Ausstellungseröffnung im Kunsthaus Hänisch: „Logbuch einer wundersamen Reise“ zeigt Werke von Hans-Ruprecht Leiß.

shz.de von
02. Juli 2018, 07:00 Uhr

Hans-Ruprecht Leiß sitzt auf dem Sofa und lächelt. Aufmerksam blickt er in die Gesichter der etwa 60 Menschen, die seinetwegen gekommen sind. Dass er sich wohlfühlt im Kunsthaus Hänisch, wo gerade seine aktuelle Ausstellung eröffnet wird, ist nicht zu übersehen. Dabei ist Leiß gar nicht unbedingt jemand, der wahnsinnig laut auftritt. Mit seiner runden Brille, der dunklen Hose und dem hellgrün-karierten, kurzärmeligen Hemd sieht man ihm den Hauptpersonen-Status nicht sofort an. Dafür aber seinen Bildern. 78 davon hängen nun im Kunsthaus, acht weitere in der Nikolaikirche.

Leiß’ Grafiken und Zeichnungen treten so intensiv, so nachhaltig und so gründlich ins Auge, dass es schwer fällt, sich ihnen zu entziehen. Angeline Schube-Focke, Kuratorin der Ausstellung, stellt Leiß’ unterschiedliche Techniken vor, nennt ihn Maler, Grafiker, Zeichner – „in manchen Bildern ist er all das zusammen“. Wasser, genauer Salzwasser, ist sein Element und setzt einen der vier Themenschwerpunkte im Kunsthaus. Ein weiterer: Tiere. Nashörner stehen auf einer Fensterbank im Kunsthaus, in einer Vitrine drei Schildkrötenpanzer, außerdem Skelette kleiner tierischer Schädel. Lauter Utensilien, die sonst im Leiß’schen Universum des heimischen Ateliers in Flensburg schlummern, die aber für Besucher äußerst hilfreich sind, will man die Arbeit des Künstlers besser verstehen. Eben jenen Besuchern gibt die Kuratorin schließlich noch eine Anleitung an die Hand: „Leiß’ Bilder sind voller Details und überfordern auf den ersten Blick. Setzen Sie sich in Ruhe davor, versuchen Sie, Formen und Farben wiederzufinden, und Sie erkennen eine Systematik.“ Manchmal ist das ein tonangebendes Gelb, manchmal die wiederkehrende lange Spitze eines Fischmauls. Hans-Ruprecht Leiß selbst sagt zwar: „Symmetrie ist langweilig.“ Aber: Symmetrisch sind seine Arbeiten auch nicht. Stattdessen mit einer gewissen Ordnung versehen, einem inhärenten Regelwerk, das verhindert, sich in ihnen zu verlieren. Wer das erkennt und sich das Bild „erarbeitet“, wird mit einer Geschichte belohnt, einer erzählerischen Episode, die darin steckt.

Übrigens etwas, das jeder zu Hause ausprobieren kann: Extra für die Schau im Kunsthaus nämlich hat Leiß nach einem Auftrag des Kunsthaus-Vorsitzenden Jörg Haasters ein Kappeln-Motiv angefertigt: „Kappeln lebt“ heißt es und kann als Druck für 15 Euro im Kunsthaus erworben werden.

Zu Ende erzählt ist derweil die Geschichte von Angeline Schube-Focke als Kuratorin des Hauses. Die Leiß-Schau ist ihre letzte, Schube-Focke hat ihren Posten aus beruflichen Gründen aufgegeben. Übernehmen wird Alf Hermann, künstlerischer Beirat im Kunsthaus.

> Ausstellung: „Logbuch einer wundersamen Reise“, Kunsthaus Hänisch, Schmiedestraße 53, donnerstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, bis zum 23. September

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