Familienbildungsstätte : Die Mutter der Babykurse geht

Nach sechs Jahren ist schweren Herzens Schluss: Andrea Stoltenberg (rechts) war gerne „Delfi“-Kursusleiterin, Tanja Hohmann und Anja Kübler (von links) von der Evangelischen Familienbildungsstätte lassen sie nur ungern ziehen.
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Nach sechs Jahren ist schweren Herzens Schluss: Andrea Stoltenberg (rechts) war gerne „Delfi“-Kursusleiterin, Tanja Hohmann und Anja Kübler (von links) von der Evangelischen Familienbildungsstätte lassen sie nur ungern ziehen.

Andrea Stoltenberg gibt ihren Posten als „Delfi“-Kursusleiterin auf. Im Juli startet eine neue Ausbildung in Schleswig.

shz.de von
13. Juni 2014, 07:30 Uhr

Babys spielen im Leben von Andrea Stoltenberg eine gewichtige Rolle. Immerhin kamen seit 2008 jährlich bis zu 30 Neugeborene hinzu, und auch aus deren Leben war die 40-Jährige zumindest eine Zeit lang kaum wegzudenken. Andrea Stoltenberg ist „Delfi“-Kursleiterin bei der Evangelischen Familienbildungsstätte (FBS). „Delfi“ steht für „Denken-Entwickeln-Lieben-Fühlen-Individuell“ und ist so etwas wie die Erfolgsgeschichte der FBS – und die ganz persönliche von Andrea Stoltenberg. Die Kurse sollen Eltern Unterstützung und Orientierung im Umgang mit ihren Neugeborenen geben und sind so gut wie immer ausgebucht. Und gerade weil die Nachfrage ungebrochen groß ist, ist die FBS dringend auf Menschen wie Andrea Stoltenberg angewiesen. Einziges Problem: Die Dolleruperin wird ab dem nächsten Monat nicht mehr zur Verfügung stehen. Nach sechs Jahren „Delfi“ führt Stoltenbergs Weg zurück in die reguläre Arbeitswelt. Bei der FBS hinterlässt sie ein Loch – und zwar eines, das sich, so beschreibt es die 40-Jährige, gleich aus mehreren Gründen zu stopfen lohnt.

Die gelernte Erzieherin und Diakonin hat schon früh den Kontakt zur FBS gesucht, zunächst als Miniclub-Leiterin Verantwortung übernommen. Dort standen Kindern zwischen eineinhalb und drei Jahren im Mittelpunkt, es wurde gesungen, gespielt, auch mal gemeinsam gefrühstückt. Aus Neugier schnupperte Andrea Stoltenberg dann in einen „Delfi“-Kursus in Flensburg hinein, ihre eigene Tochter hatte zu dem Zeitpunkt das „Delfi“-Zielgruppenalter bereits überschritten, ihr Sohn war noch nicht in Planung. „Und das hat mir gleich so gefallen“, erinnert sie sich. Atmosphäre, Stimmung, Umgang mit den Babys – „das war alles sehr faszinierend und schön zu sehen, wie gut das Eltern und Kindern tat“. Also trat sie 2008 selbst die einjährige Ausbildung zur „Delfi“-Leiterin an, hospitierte bei erfahrenen Kolleginnen und gab schon nach drei Wochen in Kappeln ihren ersten eigenen Kursus. Später sollten noch weitere Stationen in Flensburg, Dollerup und Sörup hinzukommen.

Als vor drei Jahren ihr Sohn auf die Welt kam, nahm Andrea Stoltenberg ihn mit zu ihren Kursen. Zwischendurch hat sie sich und ihm aber auch den Luxus gegönnt, als ganz „normale Teilnehmer“ einen „Delfi“-Kursus in Grundhof zu absolvieren. Im Rückblick sagt sie: „Delfi ist eine ganz besondere Arbeit. Es ist einfach schön zu erleben, wie Mütter und Kinder gemeinsam großwerden und man sozusagen als Pate dabei sein darf.“ Stoltenberg versteht sich dabei als Vertrauensperson für die Mütter, zeigt ihnen, dass sie mit ihren Sorgen zu ihr kommen können. Und sie beobachtet mit Freude, dass die Mütter untereinander ein Netzwerk spinnen, das häufig die gemeinsame „Delfi“-Zeit überlebt.

Anfang Juli beginnt für Andrea Stoltenberg nun ein 30-Stunden-Job als Diakonin im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg, und bei aller Vorfreude darauf sagt sie auch: „Es tut mir sehr leid, dass ich Delfi aufgeben muss.“ Sie hofft daher, wie die FBS, auf Menschen, die sich zum Kursleiter ausbilden lassen – denn: „Es lohnt sich, weil man viel an der Entwicklung der Babys teilnimmt. Wer Spaß daran hat, Eltern und Kinder in den ersten gemeinsamen Lebensmonaten zu begleiten, für den ist Delfi das Richtige.“ Und ganz nebenbei hat die 40-Jährige auch mit Blick auf ihren neuen Job von „Delfi“ profitiert, denn auch dort steht der Umgang mit Menschen mit Zentrum. „Ich habe tiefe Erkenntnisse über die frühkindliche Entwicklung gewonnen. Das wird mir jetzt dabei helfen, Kinder und Jugendliche besser zu verstehen.“

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