Die Kirche mit der Teufelstür

Die einzige Glocke im Holzturm ruft die Gläubigen regelmäßig zum Gottesdienst. Foto: video-kopter.de
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Die einzige Glocke im Holzturm ruft die Gläubigen regelmäßig zum Gottesdienst. Foto: video-kopter.de

2. Teil unserer Kirchenserie: St. Jakobus in Moldenit fasziniert mit einer Sage, vielen Kunstschätzen und einem holsteinischen Wappen

shz.de von
15. Juli 2013, 03:59 Uhr

Schaalby | "Die Kirche mit der Teufelstür" wird es oft genannt - das Gotteshaus St. Jakobus in Moldenit. Um die Eichentür an der Nordseite dreht sich nämlich eine Legende. Demnach wurde eine Frau von einem Bauern umworben, die jedoch an dem jungen Mann nicht interessiert war. "Ich gehe lieber zum Teufel", sollen ihre ablehnenden Worte gewesen sein. Weil sich der Bauer so bemühte, willigte sie schließlich doch ein, ihn zu heiraten. Als das Paar am Hochzeitstag durch die Tür in die Kirche gehen wollte, warf der Teufel von einem alten Hünengrab - dem Teufelsberg - eine Kette nach der Braut, um sie zu fangen und seinen Heiratsanspruch geltend zu machen. Zu spät. Die beiden Verlobten waren von einer Dorfbewohnerin vor seinen Absichten gewarnt worden und hatten bereits die Schwelle überschritten. Die Kette landete lediglich im Gemäuer über der Tür. Noch heute sind die Löcher erkennbar.

Aber nicht nur die Eichentür, sondern auch der Name der Kirche hat eine besondere Bedeutung: Sie wurde nach dem Apostel Jakobus benannt. Dörte Boysen, Pastorin in der Gemeinde, erzählt, dass der Name auf den Pilgerweg ins spanische Santiago de Compostela hinweist: "St. Jakobus ist die erste Kirche auf dem Pilgerweg." Über die sogenannte Via Jutlandica wandern noch heute Gläubige von Dänemark über Flensburg, Schleswig, Rendsburg nach Itzehoe und zur Elbfähre Glückstadt-Wischhafen in Richtung Stade. Von dort aus geht es weiter nach Süddeutschland und Frankreich bis nach Nordspa nien.

Ende des zwölften Jahrhunderts war das Gotteshaus aus Feldsteinen erbaut worden. Sein romanisches Kirchenschiff besteht aus 1,30 Meter dicken Wänden, die bis heute gut erhalten sind. Lediglich an einigen Stellen sind sie mit Ziegelsteinen geflickt worden.

Im Inneren der Kirche sind verschiedene Weihekreuze erkennbar, mit denen die Christen auf die zwölf Apostel als Basis ihres Glaubens hingewiesen werden. "Auf der Empore durften früher nur Gutsherren sitzen", erklärt die Pastorin, "doch heute kann dort natürlich jeder Platz nehmen". Wie viele andere Kirchen hat auch St. Jakobus eine Taufe aus Granitstein, die aus der romanischen Zeit stammt.

An der Decke befindet sich das Wappen der holsteinischen Adelsfamilie von Ahlefeldt, das von vier grünen Ranken umschlossen wird. 1682 stiftete der Gründer des Guts Winning, Joachim Schmidt, den Altaraufsatz mit der Kreuzigungsszene. Sein Wappen ziert nun den Altar.

Der Glockenturm und die Orgel im Rokokostil sind laut Boysen weitere besondere Merkmale des Bauwerks. Die Orgel befindet sich in einer außergewöhnlichen Position unmittelbar gegenüber der einfach gestalteten Kanzel. Im hölzernen Turm hängt eine Glocke, die nur einen einzigen Ton erschallen lässt - und auch so die Gläubigen zum Gottesdienst ruft.

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