zur Navigation springen

Steinbergkirche : Die Kirche am Rande des Abgrunds

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das Gotteshaus in Neukirchen steht nicht einmal 20 Meter von der Steilküste entfernt – und der Kirchenvorstand befürchtet einen Absturz.

Die Kirche zu Neukirchen ist anders. Sie ist mit ihren knapp 400 Jahren wesentlich jünger als viele andere in Angeln, sie ist nicht Mittelpunkt eines Dorfes und wurde direkt an der Steilküste der Flensburger Förde gebaut – mit einem herrlichen Blick in Richtung Dänemark. Das schlichte weiße Bauwerk wirkt trutzig und massiv, thront über Land und Wasser. Das postkarten-taugliche Idyll aber trügt. Der Kirchenvorstand macht sich Sorgen um den Erhalt seiner Kirche. Aber anders als in anderen Gemeinden, wo man mit morschem Gebälk, bröckelnden Mauern und Schimmel zu kämpfen hat, droht hier die Gefahr von außen. Es ist die erhabene Lage zehn Meter über dem Wasser, die Befürchtungen auslöst. Die Kirchen ist 50 Meter von der Wasserkante und nicht einmal 20 Meter von der Steilküste entfernt. „Wenn wir nichts unternehmen, könnte die Kirche mittelfristig abstürzen, zumindest aber schwer beschädigt werden“, sagt Küster Peter-Christian Carstensen, der sich auch im Kirchenvorstand engagiert.

Die Standfestigkeit des 1622 erbauten Gotteshauses hängt vom Untergrund ab. Rutscht der Hang, hat die Kirche keine Chance. Noch sind an dem Gebäude keine Schäden zu entdecken, doch Carstensen deutet auf eine Schneise im dicht bewachsenen Hang. „So etwas ist gefährlich“ , sagt er. Ein abgerutschter Baum ist bis auf den Strand hinuntergerauscht und hat alles mitgerissen, was ihm im Weg stand. Jetzt hat das Regenwasser einen Weg. Die Bäume am Hang sind für die Kirche eigentlich ein Segen. Die Wurzeln stabilisieren den Untergrund“, erklärt Carstensen. Werden allerdings Bäume durch den Wind umgeworfen, entstehen Löcher im Hang. „Und das könnte dann der Anfang vom Ende sein“, fürchtet der Küster.

Vor rund 30 Jahren wurden die Bäume zwischen Kirchen und Küste gekürzt, um dem Wind nicht mehr so viel Angriffsfläche zu bieten. Seitdem aber sind sie mächtig gewachsen – und das werden sie weiter tun. Orkan „Christian“ hat im vergangenen Herbst noch nicht genügend Angriffsfläche gefunden, um größeren Schaden anzurichten. Peter-Christian Carstensen ist jedoch überzeugt davon, dass dies nur eine Frage der Zeit ist: Die Bäume wachsen weiter, und irgendwann werden sie von einem Sturm herausgerissen – mit unabsehbaren Folgen für die Kirche.

Der Kirchenvorstand will dem gern durch einen erneuten Schnitt der Bäume entgegenwirken. Das aber scheint mit einigen Schwierigkeiten verbunden zu sein. „Einen offiziellen Antrag, die Bäume auf den Stock zu setzen, haben wir noch nicht gestellt“, betont Carstensen. Aber schon die mündlichen Anfragen machen wenig Hoffnung auf eine Genehmigung. Vor rund zehn Jahren hatte die damalige Umweltministerin Edda Müller schon einmal abgewunken, in diesem Jahr kam von der bein Kreis Schleswig-Flensburg angesiedelten Unteren Naturschutzbehörde eine negative Auskunft. „Das ist hier alles FFH-Gebiet“, erläutert Carstensen. „Und das bedeutet grob gesagt, dass die Natur hier in Ruhe gelassen werden muss.“

Damit will sich der Kirchenvorstand jedoch nicht zufriedengeben. Der Anspruch auf Naturschutz wird anerkannt – die Neukirchener aber wollen auch ihre Kirche vor dem Absturz schützen. Darum hofft Peter-Christian Carstensen auf Verständnis und Fingerspitzengefühl bei der Behörde, wenn demnächst ein offizieller Antrag gestellt wird – damit die etwas andere Kirche noch lange über der Förde thronen kann.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Mai.2014 | 15:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen