Städtebauförderung Kappeln : Die Jugend baut sich ihre Stadt

Kappeln von oben: Stadtplaner Leon Legeland lässt sich von den Jugendlichen erläutern, was ihnen an ihrer Stadt gefällt und was nicht.
Kappeln von oben: Stadtplaner Leon Legeland lässt sich von den Jugendlichen erläutern, was ihnen an ihrer Stadt gefällt und was nicht.

Schüler arbeiten an Kappelns Zukunftskonzept – und wünschen sich mehr Freizeitangebote.

shz.de von
20. Februar 2018, 12:00 Uhr

Was macht Kappeln aus? Was vermisst du in Kappeln? Was wünschst du dir für Kappeln? Drei große Fragen bestimmten den Jugend-Workshop, den das Planungsbüro Umbau Stadt vor Kurzem ausrichtete. Und die Antworten darauf sollten nicht einfach nur im Raum schweben. Vielmehr sollen sie Eingang finden in das sogenannte Zukunftskonzept Daseinsvorsorge, das das Planungsbüro derzeit im Rahmen der Städtebauförderung erstellt. Und nach dem ersten Workshop im vergangenen Dezember, bei dem Erwachsene gefragt waren, durfte jetzt die Jugend ran – und lieferte teils deckungsgleiche, teils gänzlich neue Sichtweisen auf dieselbe Stadt.

14 Jugendliche waren in die Mensa der Gemeinschaftsschule gekommen, außerdem Vertreter der Stadtverwaltung, der Politik und des Jugendzentrums. Aufgeteilt an zwei Tischen beschäftigten sie sich mit ihrer Stadt, diskutierten, stellten eigene Fragen. Auf ein XL-Luftbild von Kappeln klebten die Schüler dabei verschiedenfarbige Punkte – gelbe für Orte, die ihnen gefielen, rote für Orte, die sie eher mieden.

Sportplatz, Kino, Eiscafé, Hafen, Jugendzentrum landeten beispielsweise auf der Plus-Seite der Stadt, schlechte Busverbindungen, mangelnde Straßenbeleuchtung, ein trostloser Deekelsenplatz und das schmerzlich vermisste Schwimmbad auf der Minus-Seite. Mitunter vereinte sogar ein Ort Soll und Haben gleichermaßen: So gilt der Grillplatz in Grauhöft durchaus als beliebt bei den Jugendlichen, abschreckend sei jedoch der Umstand, dass sich dort auch ältere Jugendliche aufhielten, um unbeobachtet Alkohol zu trinken.

Als es danach um die Wünsche für ein jugendliches Kappeln ging, ließen die beiden Stadtplaner Leon Legeland und Christian Kehrt den Schülern freie Hand – mit einem Augenzwinkern gab ihnen Legeland nur eines mit auf den gedanklichen Weg: „Ihr dürft gerne Ideen haben, die vielleicht auf den ersten Blick verrückt erscheinen. Nur so etwas wie Olympische Winterspiele in Kappeln – das funktioniert nicht.“ Hieß also: Verrückt ja, aber nicht gänzlich realitätsfern. Als Inspiration projizierte Legeland ein paar Bilder an die Wand, etwa einen Stadtstrand mit Open-Air-Kino, eine Floßbau-Aktion, einen BMX-Platz, Baumhäuser. Tatsächlich landeten die Jugendlichen – ganz ähnlich wie die Teilnehmer des ersten Workshops – schnell bei einer Indooranlage, einer Art Fun Park, der in geschlossenen Räumen unterschiedliche Angebote vereint – etwas, das vielleicht im früheren Postgebäude realisiert werden könnte oder auf der stillgelegten Kleingartenfläche. Ein Badeschiff, ein Tretbootverleih, ein kleiner Strand am Ellenberger Ufer, eine Konzertbühne auf dem Deekelsenplatz, mehr Klamotten-, weniger Schuhläden, ein zweites Mini-Soccer-Feld zählten zu den weiteren Wünschen. Außerdem ein Skatepark, den die Anwesenden am liebsten auf der großen Wiese am alten Brückenkopf auf Ellenberger Seite unterbringen würden.

Knapp zwei Stunden arbeiteten die Jugendlichen zusammen – und verbuchten die Sache hinterher als gelungen. „Das war besser als ich dachte“, sagte etwa Dascha Mussabekov. „Wir haben wirklich etwas gemacht, man interessierte sich für das, was wir gesagt haben. Ich fühlte mich ernst genommen“, urteilte die 15-Jährige. Ähnliches formulierte Alexander Lymperopoulos. „Das war seriös und hat mir sehr gut gefallen“, sagte der 16-Jährige, der sich gewünscht hätte, dass mehr Teilnehmer erschienen wären. „Jetzt hoffe ich nur, dass auch einiges umgesetzt wird.“

Die Voraussetzungen dafür schafft das Büro Umbau Stadt mit seinem Zukunftskonzept, das als Teil der Städtebauförderung Grundlage für realisierbare und förderfähige Projekte sein soll. Planer Christian Kehrt sagte hinterher: „Wir sind angewiesen auf den Input der jungen Leute.“ Im nächsten Monat steht die letzte Infoveranstaltung an.

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