Bau der Kappelner Schleibrücke : Die Füße tief im Schleigrund

Am späten Abend des 3. Januar 2001 senkten hydraulische Pressen den ersten Wandabschnitt des Klappenpfeilers 40 hinab. Foto: Maschmann
1 von 4
Am späten Abend des 3. Januar 2001 senkten hydraulische Pressen den ersten Wandabschnitt des Klappenpfeilers 40 hinab. Foto: Maschmann

Aufwendige Konstruktion für die Klappenpfeiler beim Bau der Kappelner Schleibrücke vor zwölf Jahren.

shz.de von
21. Juni 2013, 10:30 Uhr

Kappeln | Auf ihre Brücke sind die Kappelner ganz schön stolz. Ist es doch ein technisch aufwendiges und imposantes Bauwerk. Bei einem Rundgang über die gesamte Anlage - inklusive der vier Klappkeller, die bis hinunter zum Wasser reichen - müssen die Brückenwärter etwa 540 Treppenstufen hoch- und runtersteigen. Das sind rund 30 mehr als der Kölner Dom mit seinen Kirchturmspitzen hat.
Die jetzige Brücke ist schon die dritte in der Schleistadt, und sie hat mächtige Brückenpfeiler, und diese fanden auch das Interesse vieler Bürger während der Bauphase. Doch gab es da auch so manche Enttäuschung: "Man sieht ja gar nicht, dass es vorangeht !" Diesen Satz konnte man während der Bauphase der Klappbrücke am Absperrzaun der Baustelle mehrmals von einigen Zuschauern vernehmen. Gemeint war damit die Herstellung der Klappenpfeiler, und tatsächlich war es so, dass diese nicht wie normale Bauwerke von unten nach oben, sondern umgekehrt von oben nach unten Richtung Schleigrund gebaut wurden.
Schon im Jahr 1987 wurde mithilfe eines Spezial-Bohrschiffs die Baugrundsituation der Schlei dokumentiert. Dabei stellte sich heraus, dass das Faulschlammpaket in der Schlei an manchen Stellen eine Dicke von zwölf Metern erreichte. Auf einem solchen weichen Untergrund lässt sich natürlich nicht so ohne Weiteres eine Brücke bauen. Die Ingenieure entschieden sich daher gleich für drei verschiedene Gründungsarten der tragenden Pfeiler. Die Widerlager auf Kappelner und Ellenberger Seite wurden als massive Stahlbetonkörper über eine Stahlbetonfundamentplatte flach gegründet.
Die Mittelstützen der Fahrbahnüberbauten sind ebenfalls Stahlbetonkörper, die allerdings über Pfahlkopfplatten und Pfahlwerke gegründet wurden. Diese Pfahlwerke reichen bei einem Pfeiler auf Kappelner Seite sogar bis in eine Tiefe von fast 30 Metern unter Normalnull (NN). Die beiden Klappenpfeiler wurden mittels eines aufwendigen Druckluft-Senkkastenverfahrens in einer Tiefe von etwa 20 Meter unter NN auf dicht gelagerten Sand-Schichten flach gegründet.
Mit Hilfe dieses Verfahrens wurden bereits der Alte Elbtunnel in Hamburg und die Brooklyn Bridge in New York gebaut. Das Druckluft-Senkkasten-Verfahren, das auch Caisson-Verfahren (französisch: Caisson = Kasten, Behälter) genannt wird, wurde schon 1841 von dem französischen Ingenieur Jaques Triger beschrieben und erstmals beim Bau der Midway Bridge in Rochester 1859 angewandt. Definiert wird die Caisson-Gründung als ein Verfahren unter Wasser mithilfe eines absenkbaren, unten offenen Kastens, wobei dieser Behälter mittels Druckluft wasserfrei gehalten wird. Innerhalb des Kastens wird der Boden ausgehoben, wobei der Caisson durch sein Eigengewicht bis auf den tragfähigen Grund sinkt.

Zum Bau eines Klappenpfeilers wurde zunächst eine schwere Baugrube in den Boden gerammt. Parallel dazu entstand auf einem Ponton das unterste Stück des Pfeilers, die Arbeitskammer mit einer 30 Zentimeter dicken Betonschale. Nach Fertigstellung wurde die Arbeitskammer auf ihrem Ponton in das Baugerüst eingeschwommen, das sich dann mit der entsprechenden Ausrüstung zu einem Absenkgerüst verwandelte.
Es folgten das Einschalen, das Bewehren und das Betonieren der Wandabschnitte, danach wurde der gesamte Baukörper hydraulisch abgesenkt. Dies geschah in einer etwa
14-tägigen Taktung, und tatsächlich konnte man als Zuschauer den Pfeiler nicht "wachsen" sehen, denn es wurde ja jeweils ein bereits fertig gestellter Abschnitt in die Schlei gesenkt. Schließlich war der Pfeilerkörper auf vorher eingespültem Füllsand in zirka 16,50 Meter Tiefe abgestellt.
Nun folgte eine weitere aufwendige Bauphase, bei der es galt, die Pfeiler weiter abzusenken. Und wieder geschah dies quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, denn die beobachtenden Bürger bekamen davon wiederum nichts mit. Denn das Ganze erfolgte wieder unter Wasser, genauer gesagt sieben Meter unterhalb des Schleigrunds. Dort begann am 30. Mai 2001 der Druckluft-Absenkbetrieb. Dabei wurde mittels extrem starker Wasserkanonen das Wasser-Boden-Gemisch unterhalb der Arbeitskammer gelöst und nach oben gepumpt.
Es wurden zirka 1110 Kubikmeter Boden abgebaut, bis der Pfeiler kontrolliert auf seine Endtiefe von 20 Metern abgesenkt war. Diese Arbeit wurde von Fachleuten ausgeführt, die dafür eine besondere medizinische Tauglichkeitsprüfung bestanden hatten. Der Zugang zu ihrem Arbeitsplatz und der Weg zurück wurde über eine Druckluftschleuse ermöglicht. Die Arbeiten im Druckluft-Absenkbetrieb waren am 7. Juni 2001 beendet. Es folgte die Abnahme der Gründungsebene durch einen Bodengutachter; danach wurde die Arbeitskammer mit 660 Kubikmeter Beton verfüllt, und weitere Abschnitte des Pfeilers wurden hergestellt.
Der gesamte umbaute Raum von Klappenpfeiler 40 (derjenige auf Ellenberger Seite) umfasst zirka 8100 Kubikmeter. Er hat eine Breite von neun Metern, eine Länge von 36 Metern und eine Höhe von 25 Metern. Wenn dieses Bauwerk, von dem jetzt ja nur ein kleiner Teil sichtbar ist, im Kappelner Stadtgebiet aufgestellt wäre, würde er - vom Kirchturm abgesehen - die gesamte Bebauung sichtbar überragen. Der Kappelner Bürger sieht immer noch nicht viel den den Klappenpfeilern, aber: Es freuen sich die Skipper, wenn die Brücke geöffnet wird und die Klappen gehoben werden, und Es freuen sich die Autofahrer, wenn die Klappen gesenkt werden und der Verkehr wieder fließt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen