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Schlei-Bote

17. Oktober 2017 | 08:35 Uhr

Kappeln : Die Fachkräfte von übermorgen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Agentur für Arbeit informiert Flüchtlinge über Ausbildungswege und Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sprachkurse sind bereits geplant.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2015 | 08:15 Uhr

Saad Hamel sitzt im Raum des Gastes. Seine Hände liegen gefaltet auf dem Tisch, sein Blick heftet am Gesicht seines Gegenübers. Er hört aufmerksam zu, fragt nach, will es genauer wissen. Bis vor vier Monaten war Saad Hamel im Irak zu Hause, jetzt lebt er in Kopperby. Und eigentlich ist schon nach wenigen Augenblicken klar, dass dort ein junger Mann sitzt, der den aufrichtigen Willen hat, sein Leben wieder in die Hand zu nehmen. Für Menschen wie ihn hat die Kappelner Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit Flensburg diesen Vormittag organisiert. Für Menschen, die auf der Flucht waren, jetzt in Kappeln angekommen sind und sich ein neues Leben aufbauen wollen, zu dem eben auch ein Job gehört. Saad Hamel ist einer, über den Kai-Ingwer Bendixen, Leiter der Kappelner Geschäftsstelle, sagt: „Er gehört zu unseren Fachkräften von übermorgen.“

Rund 30 Flüchtlinge sind ins Rathaus gekommen. Die Agentur für Arbeit hatte sie angeschrieben, um ihnen einen Vormittag lang die Wege und Möglichkeiten eines Job-Erwerbs aufzuzeigen. Kai-Ingwer Bendixen rechnet vor: „Derzeit leben 106 Flüchtlinge in Kappeln, davon sind allein 77 dieses Jahr gekommen. Als Agentur für Arbeit sind wir gefordert, uns dieses Themas anzunehmen, und das wollen wir auch.“ Deutliches Zeichen dafür: Die Arbeitsagentur hat eine sogenannte Task Force installiert, Kollegen, die kurzfristig eingestellt wurden und die beispielsweise der arabischen Sprache mächtig sind. In die Zuständigkeit der Arbeitsagentur fallen die Flüchtlinge, die Leistungen nach dem sogenannten Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, ins Rathaus hatte Bendixen diejenigen gebeten, bei denen eine hohe Wahrscheinlichkeit gegeben ist, dass sie auch tatsächlich bleiben dürfen – in erster Linie Menschen aus Eritrea, Syrien und dem Irak.

Ihnen bringt Bendixen zunächst in der großen Gruppe gemeinsam mit seinen Kollegen das System des deutschen Arbeitsmarktes näher, erklärt Verantwortlichkeiten von Arbeitsagentur und Sozialzentrum, nimmt Daten auf und stellt Weichen für Arbeits- und Ausbildungsprozesse. Alles davon handelt das Agentur-Team in drei Sprachen ab: Deutsch, Englisch und Arabisch. „Uns beschäftigt natürlich primär die Frage, was wir tun können, um diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt integrieren zu können“, sagt Bendixen. Als grundlegend gelten dabei Sprachkenntnisse. Deshalb plant die Agentur für Arbeit kurzfristig, kostenlose Sprachkurse anzubieten und zwar mit einem Umfang von 300 Stunden. Gelingen soll das mit Hilfe eines Bildungsträgers.

Auf die Gruppendiskussion folgen die Einzelgespräche. Katharina Eggert sitzt Saad Hamel gegenüber, die beiden unterhalten sich auf Englisch. Der 28-jährige Iraker hat in seinem Heimatland Maschinenbau studiert, mit Eggerts Hilfe plant er seine nächsten beruflichen Schritte in Deutschland. Sie empfiehlt ihm, sich bei der Arbeitsagentur als ratsuchend zu melden. Dies ermöglicht ihm eine unverbindliche Information verbunden mit Orientierungshilfen. Außerdem will Hamel sein Deutsch verbessern, später vielleicht sogar fachbezogene Sprachkenntnisse erwerben und gerne ein Praktikum machen. „Die Gespräche hier helfen mir sehr“, sagt er. Viele Informationen in kurzer Zeit, die er geballt an einer Stelle erhält. Hamel sagt: „Es ist eine gute Veranstaltung.“

Übrigens eine mit Pilot-Charakter im Kreis Schleswig-Flensburg. In der nächsten Woche folgt eine Wiederholung im Amt Süderbrarup, geplant ist eine dritte im Amt Geltinger Bucht. Kai-Ingwer Bendixen sagt: „Wir haben in Kappeln angefangen, weil wir hier die ersten Anfragen von potenziellen Arbeitgebern bekommen haben.“ Zudem sei die Zusammenarbeit sowohl mit dem Ordnungsamt als auch dem Sozialzentrum zügig und unbürokratisch verlaufen.

So flexibel wie möglich, so formal wie nötig will die Agentur für Saad Hamel den Übergang in einen Beruf gestalten. Bendixen ist überzeugt: „Ich erlebe eine hohe Motivation, das ist viel wert.“ Handwerk, Gastronomie, Pflege – das sind die Branchen, in denen er sich viele der Flüchtlinge vorstellen kann. „Ich sehe absolute Perspektiven“, sagt Bendixen. Saad Hamel würde eine reichen.

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