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Schlei-Bote

15. Dezember 2017 | 11:47 Uhr

Die Bohrmuschel nagt am Heringszaun

vom

Geogitter und Tropenholz sollen Kappelns Wahrzeichen retten / Hoffen auf finanzielle Beteiligung regionaler Verbände beim Sanierungsvorhaben

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Kappeln | Die Stadt steht bei der Sanierung des Heringszaunes offenbar unter Zeitdruck. Dies wurde jetzt in der jüngsten Stadtvertretersitzung deutlich. Auf eine Frage von Dagmar Ungethüm-Ancker (CDU) nach dem verbleibenden Lebenserwartung der altertümlichen Fischfangmethode sagte der Büroleitende Beamte im Rathaus, Jörg Exner, dass nicht nur der Eisgang, sondern auch die Bohrmuschel den Fangzaun bedrohten. Bauhofmitarbeiter seien mit der Ausbesserung der Anlage beschäftigt. "Wenn die Bauhofmitarbeiter hier zwei Jahre lang nichts tun, dann ist der Heringszaun weg. So lange braucht die Bohrmuschel für einen neuen Holzpfahl", sagte Exner. Schon zuvor hatte der in der Stadtverwaltung für die Sanierung des Heringszaunes zuständige Ulrich Bendlin gesagt, dass die Bohrmuschel das Holz wie einen löchrigen Käse aussehen lasse.

Bendlin hatte der Versammlung die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vorgestellt. Danach gibt es beim Heringszaun drei Probleme zu berücksichtigen. Neben Eisgang und Bohrmuschel ist dies noch die Versandung des Zaunes durch mangelnden Wasserdurchfluss. Die drei Lösungsvorschläge berücksichtigen dies weitgehend. Laut Bendlin ist die dritte Variante am interessantesten. Mit 407 000 Euro sei diese nicht nur am günstigsten, sondern komme dem Original mit nur einer Holzreihe aus zertifiziertem Mangrovenholz, bei Ausweitung der Nebenarme um 20 Prozent, auch am nächsten. Hier werde im oberen Bereich mit Weidengeflecht gearbeitet, darunter mit eingeflochtenem Geogitter.

CDU-Fraktionsvorsitzender Horst Trauzettel gab zu bedenken, dass der Denkmalschutz Einwände erheben könnte, wenn neben den Hölzern im unteren Bereich ein durchlässiger Vliesstoff verwendet werde. Trauzettel: "Bei Westwind kann der Heringszaun schon einmal freigelegt werden, da sieht man auch die anderen Materialien." Dr. Daniel Schade vom Husumer Ingenieurbüro Mohn antwortete, dass der Denkmalschutz damit gut leben könne.

Schade wies im Übrigen darauf hin, dass die neue Zaun-Version in einem Naturversuch von Sommer bis Herbst vor Ort getestet werde. "Die Materialien dafür wurden zu diesem Zweck noch nicht verwendet, das müssen wir testen", so der Ingenieur. Am Ende sei sonst womöglich das Geogitter so bewachsen, dass auch hier die Durchgängigkeit des Wassers nicht mehr gegeben sei.

Zuvor muss jedoch noch die Finanzierung auf die Beine gestellt werden. Wie Bendlin sagte, könnten womöglich über den Europäischen Fischereifonds Mittel eingeworben werden, doch bliebe bei der Stadt dann immer noch ein Eigenanteil in Höhe von 240 000 Euro. Trauzettel begrüßte Bendlins Bemühungen in diese Richtung ausdrücklich und schlug vor, auch die Region für die Kosten heranzuziehen. "Der Kappelner Heringszaun ist der letzte seiner Art, da steht auch die Region in der Verantwortung", so der CDU-Fraktionsvorsitzende und nannte als potenzielle Geldgeber den Naturpark Schlei und die Lighthouse Foundation. "Wir müssen abwarten, bis die Kosten in einen finanzierbaren Rahmen kommen", so Trauzettel.

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