Mit Blick auf die Kirche : Die Bäume sind weg

Näherten sich im Gespräch an: (v. li.) Reinhold Hillebrand, Dieter Rackow, Eva Heimsoth, Thomas Büthe, Dagmar Fötsch-Mittelschulte vom Kirchenbauverein und Pastorin Nadja Jöhnk.
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Näherten sich im Gespräch an: (v. li.) Reinhold Hillebrand, Dieter Rackow, Eva Heimsoth, Thomas Büthe, Dagmar Fötsch-Mittelschulte vom Kirchenbauverein und Pastorin Nadja Jöhnk.

Rodung auf dem Gelände an der Marienkirche in Rabenkirchen sorgt bei Naturschützern für Skepsis.

shz.de von
08. März 2018, 07:05 Uhr

Rabenkirchen-Faulück | Im ersten Moment waren Eva Heimsoth und Dieter Rackow von der Interessengemeinschaft Umweltschutz Kappeln und Umgebung (IGU) fassungslos. „Die Kirchengemeinde Rabenkirchen hat auf ihrem Gelände westlich des Kirchenweges und des Friedhofes von Rabenkirchen Wald gerodet“, stellten sie in einem Schreiben an die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Schleswig-Flensburg fest. Neben zahlreichen Nadelbäumen seien der Aktion auch gesunde Laubbäume zum Opfer gefallen. Nun wollten sie wissen, ob die Behörden darüber informiert waren und den in ihren Augen radikalen Arbeiten zugestimmt hätten. Vor allem aber hatten sie Schwierigkeiten mit der Argumentation des Kirchenbauvereins Arnis-Rabenkirchen, durch diesen Eingriff in die Natur die Sicht auf die Marienkirche verbessern zu wollen.

„Die Rodung ist in Abstimmung mit der Unteren Forstbehörde des Landes sowie der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises erfolgt“, erklärte Reinhold Hillebrand, Vorsitzender des Fördervereins Arnis-Rabenkirchen. Die Experten hatten das rund 6000 Quadratmeter große, dicht bewachsene Gelände bereits im November begutachtet. Es sei nicht als Wald eingestuft worden, ein Biotop nach Landesnaturschutzgesetz sei es auch nicht, teilte Hinrich Vorpahl von der Unteren Naturschutzbehörde mit. Bei den abgeholzten Pflanzen handele es sich in erster Linie um Fichten- und Tannenbestand, der nun durch Laubgehölze ersetzt werden solle.

„Wir haben nicht leichtfertig gehandelt“, erklärte auch Thomas Büthe von der Kirchengemeinde. Man sehe das eher als ökologische Aufwertung des Geländes. Die Anpflanzungen waren etwa 25 Jahre alt und wurden als nicht besonders schützenswert eingestuft. „Und die Pflanzliste mit niedrig wachsenden Knickgehölzern, die wir von der UNB bekommen haben, geht über mehrere Seiten“, so Büthe weiter. Er sei bereits im Gespräch mit regionalen Anbietern.

Aber musste wirklich der komplette vordere Teil weg? wollte Eva Heimsoth wissen. Auch wenn es sich juristisch nicht um ein wertvolles Gehölz gehandelt habe, so können Nadelhölzer doch gerade bei extremen Wetterlagen, wie sie gerade vorherrschten, guten Schutz für bestimmte Tiere bieten. „Ich plädiere immer eher für den Erhalt der Pflanzen. Auch Nadelhölzer sind wichtig und die Biodiversität ist gefährdet. Man kann nicht mehr denken, wie vor 40 Jahren“, sagte sie. Dieter Rackow stimmte zu. „Jedes Stück Natur, das verschwindet, tut schon sehr weh.“ Er sei beruhigt, dass Ersatzpflanzungen vorgesehen seien, besser wäre es aber gewesen, wenn einige Fichten hätten stehen bleiben können: „Sie sind wichtig für die Vogelwelt.“

„Ich verbinde mit der Rodung eine klare Botschaft: Die denkmalgeschützten romanischen Kirchen wurden bewusst auf einer Anhöhe errichtet, damit sie von allen Seiten gut sichtbar sind. Die Kirche von Rabenkirchen war aus Richtung Süderbrarup kommend nicht mehr zu sehen“, erklärte Hillebrand, nur weil seit etwa den 50er-Jahren an den Pflanzungen nichts mehr gemacht wurde. Eine Beauftragte der evangelischen Kirche sei sogar vorbeigefahren, weil sie die Marienkirche nicht gefunden hatte. „Ich habe seit der Rodung schon einige positive Rückmeldungen bekommen“, sagt er. Auch den alten Ulmen, die an der Kirche stehen, tue die Veränderung nur gut. „Sie kommen jetzt wieder gut zur Geltung.“

Mit dem Argument der ökologischen Aufwertung stießen Thomas Büthe und Reinhold Hillebrand bei Eva Heimsoth und Dieter Rackow auf Akzeptanz – mit der Sichtbarmachung der Kirche weniger. „Waldflächen müssen heute vermehrt der Landwirtschaft weichen oder Windkraftanlagen. Jetzt doch bitte nicht auch noch für die Sicht auf eine Kirche.“

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